Tirol: Kapelle wegen männlicher Marketender ausgeladen
Eine Kontroverse um männliche Marketender sorgt in Tirol für Aufsehen. Die Haller Speckbacher Stadtmusikkapelle wurde vom 72. Bezirksschützenfest in Hall in Tirol ausgeladen, weil bei ihr auch Männer als Marketender mitmarschieren.
Der Schützenbezirk begründete die Entscheidung damit, Diskussionen vermeiden zu wollen. Hintergrund sind laut Angaben „intensive Diskussionen“ innerhalb der Schützen sowie die Befürchtung weiterer öffentlicher Kontroversen. Auch die jüngste Entscheidung, Frauen nicht als Gewehrschützinnen zuzulassen, spielte eine Rolle.
Die Schützen hatten die Kapelle zuvor ersucht, beim Fest ausschließlich mit weiblichen Marketenderinnen auszurücken. Nachdem dies abgelehnt wurde, erfolgte die Ausladung. Bezirkskommandant Kurt Mayr erklärte, man wolle eine „sachliche und ruhige Durchführung“ gewährleisten und auch mögliche Anfeindungen gegenüber dem Marketender vermeiden.
Die Stadtmusikkapelle lehnte einen Verzicht ab. Obfrau Claudia Posch betonte, ein fixes Mitglied könne nicht aufgrund seines Geschlechts ausgeschlossen werden. Die Kapelle habe sich Anfang 2026 bewusst dafür entschieden, auch männliche Marketender zuzulassen.
Die Entscheidung löste unterschiedliche Reaktionen auf Landesebene aus. Der Tiroler Blasmusikverband zeigte kein Verständnis, während der Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützenkompanien darauf verwies, dass Einladungen grundsätzlich Sache des Veranstalters seien.
Auch aus der Politik kam Kritik. In der Stadt Hall wurde die Förderung der Veranstaltung in Frage gestellt. Vertreter von NEOS und Grünen äußerten ebenfalls deutliche Kritik und sahen die Entscheidung als Rückschritt in Fragen der Gleichstellung.
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