Johannes Anzengruber, "JA - Jetzt Innsbruck": Politik statt Wirtshaus

Johannes Anzengruber
Ex-ÖVP-Vizebürgermeister tritt mit eigener Liste an und sieht sich als "bürgerliche Alternative" zu seiner früheren politischen Heimat.

Einst lag sein Arbeitsplatz auf einer Seehöhe von 1.057 Metern hoch über Innsbruck - nun will er seinen Schreibtisch im zweiten Stock des Innsbrucker Rathauses einrichten. Der ehemalige Wirt der Arzler Alm, Johannes Anzengruber, kämpft seit seiner Abspaltung von der ÖVP mit einer gehörigen Portion Ehrgeiz und Selbstbewusstsein um den Einzug ins Innsbrucker Bürgermeisterbüro. Und ist fest davon überzeugt, das Rennen mit seiner neuen Liste für sich entscheiden zu können.

In seinem Wahlkampf stellt sich der 45-jährige Arzler als leutseliger Verfechter der Stadtteile dar. Auch in seinem Logo - ein bunter, sechszackiger Asterisk bzw. Stern - werden die Stadtteile anhand von Farben dargestellt. Seine Bemühungen um die Quartiere blieben dort indes nicht unbemerkt: Seine "Stadtteilgespräche“ stießen bei der Bevölkerung durchaus auf Interesse und regen Zulauf.

Anzengruber wie auch seine Familie waren vor seinem Alleingang stets mit der ÖVP verbunden. Schon seine Großmutter, die Thaurerin Maria Giner, saß für die Volkspartei als eine der ersten Frauen im Tiroler Landtag. Nach seiner Entscheidung, in die Politik einsteigen zu wollen, katapultierte er sich bei der Gemeinderatswahl im Jahr 2018 über einen Vorzugsstimmenwahlkampf in die vordere Reihe der Innsbrucker Stadtpartei.

Vizebürgermeister statt Wirt

Bevor er im Jahr 2020 auf Franz Xaver Gruber als Vizebürgermeister folgte, bekleidete er für ein Jahr das Amt des Klubobmannes. Mit dem Vizebürgermeisteramt gab Anzengruber auch die Arzler Alm auf, die seine Familie seit 2001 führte.

Johannes Anzengruber, *1979, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Er absolvierte die HTL Anichstraße und arbeitete vor der Übernahme der Arzler Alm in der IT-Abteilung der tirol kliniken. Zudem studierte er Gesundheitswissenschaften.

Doch Anzengruber - der sich selbst gern als politischen Self-made Man und als ehemaliger Unternehmer in der Tradition der verstorbenen Bürgermeisterin Hilde Zach sieht - konnte sich mit den Gepflogenheiten in der Tiroler Volkspartei nicht abfinden. Weil er nicht selbst als Bürgermeisterkandidat und Stadtparteiobmann nominiert, sondern Staatssekretär Florian Tursky aufs Schild gehoben wurde, gründete er kurzerhand selbst eine Liste namens "JA - Jetzt Innsbruck“.

Sieht sich als bürgerliche Alternative zur ÖVP

Er tritt nun als bürgerliche Alternative zum ÖVP-Für Innsbruck-Bündnis "das Neue Innsbruck“ an, und ist für ÖVP und FI mittlerweile mehr als nur ein Stachel im Fleisch. Das Tischtuch mit seiner eigentlichen politischen Heimat gilt ohnehin als zerschnitten - sowohl auf Stadt-als auch auf Landesebene. Dort wirft man ihm unter anderem mangelnde Team-Fähigkeit vor. Das Anzengruber offenbar den Inhalt einer vertraulichen Unterredung mit Landeshauptmann und ÖVP-Landesparteichef Anton Mattle öffentlich machte, brachte das Fass für die Schwarzen zum Überlaufen.

Der ehemalige Ringer steigt nun jedenfalls in den Ring um das Bürgermeisterbüro und sieht sich in der Pole-Position.

Sein Einsatz ist hoch, finanziert er doch gemeinsam mit seiner Frau den 290.000 Euro teuren Wahlkampf fast zu Gänze selbst.

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