EU-Handelsdeal mit Kanada: Tirol hat von CETA besonders stark profitiert

CETA Concept: Flags of EU and Canada on Grunge Texture
Die Tiroler Exporte nach Kanada legten seit 2017 um 135 Prozent zu. Vor zehn Jahren war CETA noch massiv umstritten.

Am Dienstag haben sich die EU und Indien auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Dadurch entsteht ein Markt mit fast zwei Milliarden Menschen. Zuvor müssen freilich noch das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten den Deal absegnen.

Eine ähnlich erbitterte Gegnerschaft wie bei dem vor nicht einmal zwei Wochen unterzeichneten Mercosur-Abkommen mit vier südamerikanischen Ländern zeichnet sich nicht ab. Diese Vereinbarung wurde bekanntlich vom EU-Parlament vorerst ausgebremst.

Vor knapp zehn Jahren gingen die Wogen wegen einem Freihandelsabkommen mit Kanada in Österreich in die Höhe. CETA war über Monate hinweg ein regelrechter Spaltpilz in der damals rot-schwarzen Bundesregierung. Die SPÖ hatte sich – wie auch Grüne, FPÖ und Umweltgruppen – gegen den Pakt gestemmt, der von der ÖVP forciert wurde. Letztlich ging der Deal durch.

Große Befürchtungen

Aus Sicht der Tiroler Wirtschaftskammer haben sich die Befürchtungen – sie reichten von einem zu großen Schutz von Konzerninteressen über eine Schwemme von Billigprodukten bis zur Senkung von Qualitätsstandards – nicht erfüllt. Die Bilanz seit Inkrafttreten des Abkommens 2017 sei vielmehr positiv: für die heimische Wirtschaft insgesamt und jene in Tirol im Besonderen.

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2016 gab es in Österreich lautstarke Proteste gegen CETA

Im Jahr 2024 beliefen sich die österreichischen Exporte nach Kanada auf 1,56 Mrd. Euro, während die Importe 598 Mio. Euro erreichten. Das ergibt einen deutlichen Handelsbilanzüberschuss zugunsten Österreichs. 

Besonders ausgeprägt ist dieser in Tirol, wie eine aktuelle Analyse von Stefan Garbislander, Chefvolkswirt der Wirtschaftskammer Tirol, zeigt: Exporten von über 131,6 Mio. Euro stehen Importe von rund 16,1 Mio. Euro gegenüber.

Verhältnis von 8:1

„Das ergibt ein Verhältnis von etwa 8:1 zugunsten der Tiroler Wirtschaft und damit einen Handelsbilanzüberschuss von über 115 Mio. Euro“, so Garbislander. „Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Tirol gehört zu den Gewinnern von CETA“, lautet das Fazit von Barbara Thaler, Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol.

Während Tirol im Jahr 2016 Waren im Wert von rund 55,8 Mio. Euro nach Kanada exportiert habe, lag dieser Wert 2024 bereits bei 131,6 Mio. Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund 136 Prozent – die Exporte haben sich damit mehr als verdoppelt, wird betont.

Neuer Wachstumsmarkt

Gerade hochwertige, spezialisierte Produkte aus Tirol – etwa Produkte aus den Bereichen Maschinenbau, Technologie, Pharma und Chemie – seien in Kanada gefragt. „Für unsere Wirtschaft hat sich damit Kanada vom Nischenmarkt zu einem stabilen Wachstumsmarkt entwickelt“, so Thaler.

"Die seinerzeit geäußerten Vorbehalte haben sich nicht bewahrheitet“, ist die Wirtschaftskammer-Präsidentin überzeugt. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten müsse man sich breiter aufstellen und Abhängigkeiten reduzieren.

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