Geplantes Gipfel-Chalet bremst Liftschaukel
Wäre es nach den ursprünglichen Plänen der Betreiber der südlich von Innsbruck gelegenen Skigebiete Axamer Lizum und Mutterer Alm gegangen, hätte man bereits für die laufende Wintersaison neue Pisten- und Liftpläne drucken müssen. Und zwar ergänzt um eine Verbindungsseilbahn über das Birgitzköpfl. Das ist zwar schon auf beiden Flanken mit Liften der Lizum-Bahnen erschlossen, auch eine Piste führt bereits ins Skigebiet Mutterer Alm. Aber von dort gibt es keine seilbahntechnische Rückkehrmöglichkeit.
Lang gehegte Pläne
Überlegungen für einen dieses Dilemma lösenden Zusammenschluss werden seit Jahrzehnten diskutiert. Und im Gegensatz zu anderen derartigen Projekten – etwa der inzwischen abgesagten Gletscherehe zwischen Pitz- und Ötztal – laufen hier noch keine Naturschützer Sturm.
Selbst die Landesumweltanwaltschaft hält das Vorhaben unter bestimmten Bedingungen – etwa keine Anlagen im nahen Ruhegebiet – für grundsätzlich „machbar“ und, wie deren stellvertretender Leiter Walter Tschon vor einigen Wochen erklärte: Den vielleicht letzten Skigebietszusammenschluss Tirols mit Chance auf Realisierung.
Die wird aber nicht – wie in solchen Fällen üblich – durch geplante Lift- und Pistentrassen gemindert. Hier halten sich die Eingriffe in Grenzen. Die Tiroler Behörden, bei denen derzeit das naturschutzrechtliche Genehmigungsverfahren läuft, haben dennoch massive Einwände. Und zwar mit Blick auf das Birgitzköpfl am Rande der majestätischen Kalkkögel. Hier soll das bestehende Schutzhaus geschliffen und durch ein Boutique-Chalet mit vielfacher Kubatur im Vergleich zu den Bestandsgebäuden ersetzt werden.
Die Abteilung Raumordnung des Landes ist zwar nicht in das Verfahren eingebunden, da das Berghotel gleichsam als Teil der neuen Liftstation geplant und somit im Zuge des Seilbahnkonzessionsverfahrens mitbehandelt wird. Eine harsche Stellungnahme hat man dennoch abgegeben. Darin wird kritisiert, dass bei einem derart großen Beherbergungsbetrieb mit der gewählten Vorgangsweise die Raumordnung und die Tiroler Bauordnung „an einem grundsätzlich sensiblen und landschaftlich exponierten Standort“ ausgehebelt und umgangen werde.
Mehrgeschossiges Hotel
Die vorliegende Planung des Gebäudes sei in einem derart sensiblen Gebirgsraum als „untypisch anzusehen“. Die Rede ist von einem sechsstöckigen Hotelkomplex mit Wellnessbereich und 55 Quadratmeter großen Doppelzimmern. Das sei „mit dem bestehenden Schutzhüttencharakter nicht mehr vergleichbar“. Das sieht offenbar auch die Abteilung Umweltschutz des Landes so. Die Sichtbarkeit des Gebäudes würde im Vergleich zum Birgitzköpflhaus durch seine „gewaltige Erscheinung“ stark erhöht, schreibt sie in einer Bewertung. Hinsichtlich des Landschaftsbilds aber auch der Beeinträchtigung des Erholungswerts in diesem Naturraum sieht die Behörde „eine untragbare Belastung“.
25 Meter hoch
Laut KURIER-Informationen hätte das von einem Südtiroler Architekten geplante Hotel die Anmutung eines riesigen, mit Holz verschindelten, Satteldachs. Die sechs oberirdischen Geschosse würden 25 Meter über das bestehende Gelände ragen – die bestehenden Gebäude sind maximal 12,5 Meter hoch. Vorgesehen sind drei weitere, ins Gelände eingelassene, Geschosse, in welche die Seilbahnstation integriert würde.
So zumindest die ursprünglichen Pläne, ob sie noch aktuell sind, ist unklar. Dieser Projektteil wird von den Betreibern der Axamer Lizum vorangetrieben. Dort will man sich zur Ausgestaltung des Berg-Chalets offiziell nicht äußern, so lange das Verfahren nicht im Status des Parteiengehörs angelangt ist.
Die Landesumweltanwaltschaft hat aber längst angemahnt, dass man sich eine „landschaftsangepasste architektonische Gestaltung“ am Birgitzköpfl erwartet. Ins Bewilligungsverfahren sei man bisher noch nicht eingebunden, sagt Tschon. Deshalb ist auch für ihn nicht klar, wie der aktuelle Planungsstand des Zusammenschlusses aussieht.
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