Katastrophenschutz: Tirol baut AT-Alert-Warnsystem weiter aus
Der AT-Alert wird in die Tirol erweitert (Symbolbild)
Zusammenfassung
- AT-Alert in Tirol wird künftig über zusätzliche Kanäle wie Digitalradio und Info-Displays ausgespielt, um die Bevölkerung besser zu warnen.
- Das System ermöglicht präzisere regionale Warnungen, erreicht auch Touristen über Roaming und versendet automatisierte Warnungen auf Deutsch und Englisch.
- AT-Alert bleibt eine Ergänzung zu bestehenden Sirenen und ist Teil eines bundesweiten Projekts zur Umsetzung europäischer Vorgaben für die Bevölkerungswarnung.
Der AT-Alert zur Warnung der Bevölkerung vor gefährlichen Ereignissen wird in Tirol ausgebaut. Es werde bereits an einer präziseren regionalen Warnung sowie zusätzlichen Ausspielwegen, etwa über das Digitalradio, Info-Displays oder an Haltestellen, gearbeitet, hieß es am Freitag von Verantwortlichen bei einem Pressegespräch im Landes-Warn- und Lagezentrum Tirol.
In rund eineinhalb Jahren wurde der AT-Alert sechs Mal ausgelöst.
Für heuer kündigten Elmar Rizzoli, Leiter des Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement des Landes, und der Leiter des Landes-Warn- und Lagezentrums, Thomas Geiler, mehrere Ausbauschritte an. So solle etwa die Ausspielung über das Digitalradio ermöglicht werden. Darüber hinaus liefen Gespräche, verkürzte Warntexte auch auf Informationsanzeigen im öffentlichen Verkehr und an Haltestellen darzustellen.
Europaweites Projekt folgt
Längerfristig werde sich Österreich dann auf Bundesebene an einem europäischen Projekt zur satellitengestützten Bevölkerungswarnung beteiligen. Der Vorteil eines solchen Systems liegt laut Rizzoli darin, dass Warnungen auch dann übermittelt werden könnten, wenn Mobilfunknetze infolge eines Ereignisses bereits ausgefallen seien. Eine serienreife Umsetzung sei jedoch noch nicht kurzfristig zu erwarten.
Zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
"Mit AT-Alert haben wir natürlich viel mehr Möglichkeiten, als mit klassischen Sirenensignalen", betonte Rizzoli. Man könne die Bevölkerung in Echtzeit erreichen und nicht nur mitteilen, dass etwas passiert, sondern auch, was passiert ist. Zudem würde man nun mit der Alarmierung auch gleich die entsprechenden Verhaltensregeln mitschicken, erklärte er.
Touristen über Roaming erreichbar
Erreicht würden nicht nur inländische Nutzer, sondern auch Mobiltelefone, die über Roaming in heimische Netze eingeloggt seien, sagte Rizzoli. Das sei insbesondere für ein Tourismusland wie Tirol relevant. Die Warnungen würden zudem automatisiert auf Deutsch und Englisch versandt. Tirol setze zudem auf eine verlinkte Informationsseite, die während eines laufenden Einsatzes aktualisiert werde und Änderungen der Lage abbilden solle, hob Rizzoli hervor.
Auslösung und technische Grenzen
Geiler schilderte indes den konkreten Ablauf vor einer Auslösung. Die Anforderung komme zunächst von der zuständigen Katastrophenschutzbehörde oder Einsatzleitung vor Ort, etwa bei Bränden mit starker Rauchentwicklung, Muren, Sturmschäden oder Trinkwasserverunreinigungen. Im Lagezentrum werde die Warnmeldung dann aus vorbereiteten Textbausteinen erstellt, intern freigegeben und dann über die Mobilfunkbetreiber in das betroffene Gebiet ausgespielt.
Die Erstellung dauere nur wenige Minuten, die technische Übertragung erfolge anschließend in Sekunden, erklärte Geiler. Beim jüngsten Anlassfall bei einem Großbrand eines Hotels in Seefeld zu Wochenbeginn seien 100 Prozent der betroffenen Mobilfunkmasten erreicht worden. Rückfragen aus der Bevölkerung gebe es dennoch regelmäßig, etwa wenn Warnungen auf einzelnen Geräten nicht angezeigt werden oder auch in Nachbargemeinden einlangten. "Bei individuellen Problemen liegt die Ursache häufig am Mobiltelefon selbst, insbesondere am Software- und Update-Stand", berichtete Geiler.
Es könne derzeit zudem noch zu sogenannten "Überwarnungen" kommen, weil Mobilfunkmasten nicht exakt an Gemeindegrenzen endeten. Deshalb sei es wichtig, den Warntext genau zu lesen, weil darin die konkret betroffene Gemeinde genannt werde. In den kommenden Wochen seien dazu weitere Abstimmungen mit dem Bund geplant, sagte Geiler.
Bundesweites Projekt für Bevölkerungswarnung
AT-Alert ist Teil eines bundesweiten Projekts zur Umsetzung europäischer Vorgaben für die Bevölkerungswarnung. Nach Darstellung des Landes bleibt das System eine Ergänzung zu bestehenden Sirenen. Diese würden weiterhin benötigt, weil nicht sichergestellt werden könne, dass jede Person jederzeit ein Mobiltelefon bei sich habe. Der nächste reguläre Sirenen-Probealarm findet wie bisher am ersten Samstag im Oktober statt.
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