Chronik
13.02.2018

Tiergarten Schönnbrunn: Lust und Liebe in tierischen Herzen

Obwohl der Schönbrunner Tiergarten erfolgreich züchtet, will es bei machen Arten nicht klappen.

Ob monogam oder im Rudel – kurz vor dem Valentinstag keimen auch im Tiergarten Schönbrunn die ersten Frühlingsgefühle auf. Der KURIER war im Zoo unterwegs, um sich das tierische Liebesleben genauer anzuschauen (Valentinsaktionen für Besucher: siehe Zusatzbericht unten). Besonders bekannt ist der Tiergarten der Bundeshauptstadt für seine Panda-Babys. Dass sich die sanften Riesen im Zoo vermehren, ist eine Seltenheit, besonders ohne künstlich einzugreifen. Die Großen Pandas verstehen sich im Schönbrunner "Boudoir" einfach sehr gut.

Keine Chemie bei Koalas

Weniger harmonisch geht es nebenan im Koala-Haus zu, wie Schönbrunn Tierarzt Thomas Voracek erklärt: "Mirra Li ist mit 18 Jahren ja schon in einem sehr hohen Alter. Deshalb wird es mit unserem neuen Koala-Männchen Wirri Wirri keinen Nachwuchs mehr geben." Aber auch mit dem Ex-Nachbarn Bilyarra, der im Juni des Vorjahres gestorben ist, lief nichts im Gehege. "Wir haben sie zur Paarungszeit zusammen gelassen, aber es gab einfach keine Chemie zwischen den beiden. Das kommt auch in der Tierwelt vor", sagt Zoologin Eveline Dungl. Viel Zeit für aktive Zärtlichkeit bleibt den Koalas ohnehin nicht, verbringen sie doch 23 Stunden des Tages schlafend.

Ebenso gemächlich geht es bei den Zweifinger-Faultieren zu. Die im tropischen Regenwald beheimateten Säugetiere haben aber anscheinend weitaus mehr Leidenschaft im Blut, als die Vielschläfer aus Australien: Alberta und Einstein sorgen regelmäßig für Nachwuchs. Erst am 22. Dezember wurde zum achten Mal ein Jungtier geboren. Ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist, kann man erst ab dem Alter von etwa einem Jahr erkennen. Eines der letzten in Schönbrunn geborenen Faultier-Babys, Grace, lebt nun im Zoo Salzburg.

"Wo die Jungtiere hinkommen, hängt von mehreren Kriterien ab. Zoos zeigen Interesse und dann wird, in vielen Fällen von einem Zuchtbuchführer, entschieden. Wenn Zucht angestrebt wird, wird etwa darauf geachtet, keine näher verwandten Tiere zu verpaaren. Es ist wichtig, einen großen Genpool für die Zoopopulation zu erhalten. Bei den Faultieren sind die Nachzuchten aus dem Tiergarten Schönbrunn eine wertvolle genetische Linie und daher sehr begehrt", sagt Zoologin Dungl.

Moderne Otter

Für die moderne Lebensform des "Double Income, no Kids" – also doppeltes Einkommen und keine Kinder – haben sich die Zwergotter Clyde und Blanche entschieden. Die verstehen sich prächtig, bleiben aber lieber kinderlos – eine unvorstellbare Lebensform für die Rosaflamingos. Bei den majestätischen Vögeln ist das Motto "Gemeinsam statt einsam". "Ab einer Mindestanzahl von Tieren kommt die ganze Gruppe gemeinsam in Brutstimmung, weshalb dann auch die Fortpflanzung und das Schlüpfen der Küken zeitgleich passiert", sagt Voracek.

Bei den Löwen in Schönbrunn wird es zum Leidwesen vieler Zoobesucher keinen Nachwuchs mehr geben. "Wir haben das die Tiere einmal erleben lassen. Dann wurden die Weibchen kastriert", sagt Tierarzt Voracek. Warum die Weibchen nicht sterilisiert wurden (dabei wird der Eileiter abgeklemmt, aber nicht durchtrennt) hat zwei Gründe: Einerseits wären die Weibchen dann regelmäßig rollig, was für den Löwen auf Dauer anstrengend ist und zu Beunruhigung führen würde. Andererseits würde das Männchen bei einer Kastration seine imposante Mähne verlieren.

Der Tiergarten Schönbrunn wurde im Jahr 1752 von Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen gegründet und ist somit der älteste Zoo der Welt. 8955 Tiere leben auf der 17 Hektar großen Fläche. Die jährlich mehr als zwei Millionen Besucher können 734 verschiedene Arten beobachten. Bisher wurde der Tiergarten bereits vier Mal als bester Zoo Europas ausgezeichnet. Er ist nicht nur ein Erlebnis für Besucher, sondern auch ein Lehr- und Forschungszentrum für Natur- und Artenschutzprojekte.