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Stadion Graz: Warum der Umbau plötzlich billiger wird

Budget wurde auf 60 Millionen Euro netto festgelegt, halb so viel wie prognostiziert. Die Finanzierung ist dennoch offen, das Land fordert "belastbare Zahlen".
Ein Fußballstadion ist mit Zuschauern gefüllt, während ein Spiel auf dem grünen Rasen stattfindet.

Zusammenfassung

  • Umbau des Stadions Liebenau wird mit einem Budget von 60 Millionen Euro geplant, deutlich weniger als ursprünglich vorgesehen.
  • Das neue Konzept verzichtet auf Grundstückskäufe, reduziert die Kapazität leicht und fokussiert auf Modernisierung und Barrierefreiheit.
  • Finanzierung bleibt offen, da das Land weitere Zahlen fordert und ohne Unterstützung nur das Nötigste saniert werden kann.

Die Stadt Graz ringt um den Umbau des veralteten Fußballstadions, das beide Bundesligisten SK Sturm und GAK als Heimstätte bespielen. Doch nach der Überarbeitung der Machbarkeitsstudie aus 2025 zeigt sich: Schlusspfiff wird noch lange keiner zu hören sein.

Erst im Herbst 2026 könnte es einen Planungsbeschluss im Gemeinderat geben. Damit wird die Zukunft des Stadions Liebenau endgültig zum Wahlkampfthema, Graz wählt am 28. Juni.

"Große Kraftanstrengung"

Die finanziellen Rahmenbedingungen für die Modernisierung stehen nun aber fest: 60 Millionen Euro netto darf es kosten, "das ist für uns mit großer Kraftanstrengung machbar", betont Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ).

Das ist gegenüber den Berechnungen aus 2025 nur noch die Hälfte, damals ging man allein für den Umbau von 120 Millionen Euro aus. Nötige Grundstückskäufe für eine Erweiterung waren in dieser Summe noch gar nicht einkalkuliert, das wären weitere 30 Millionen Euro gewesen.

"Schlankes Umbaukonzept"

Doch nun verständigte sich die Koalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ mit den Fußballklubs auf ein "schlankes Umbaukonzept", wie Kahr formuliert; eines, das unter anderem keine neuen Grundstücke braucht. Das Konzept sieht allerdings weniger Zuschauerplätze als 2025 vor.

Was soll das Stadion künftig bieten?

Um 60 Millionen Euro könne laut Studie keine "massive Erweiterung" stattfinden, das wäre aber möglich:

  • Der größte Teil der bestehenden Struktur bleibe erhalten, das umfasst die Tribünen im Norden, Süden und Osten sowie das Dach
  • Das Stadion würde tauglich für Bundesligaspiele sowie internationale UEFA-Bewerbe.
  • Geplant sind 15.700 Sitzplätze (derzeit: 15.300), erweiterbar durch mobile Lösungen auf 20.100. (Studie 2025: 23.000 Plätze).
  • Im Hospitality- und Skyboxbereich wird es Platz für 1.700 Gäste geben.
  • Das Spielfeld soll abgesenkt werden, dadurch fällt der Stadiongraben weg.
  • Es wird Barrierefreiheit geschaffen, es kommen auch neue Sanitär- und Gastronomiebereiche.

Noch in der (aus)laufenden Gemeinderatsperiode ist ein Grundsatzbeschluss geplant, der die weitere Projektentwicklung sicherstellen soll.

Doch das ist nur die Aufwärmrunde, ohne Unterstützung des Landes kann sich die Stadt den Umbau nicht leisten. Zu Jahresbeginn warf Bürgermeisterin Kahr 30 Millionen Euro ins Rennen, die Graz stemmen könnte - sollte es zu keiner Einigung mit dem Land kommen, würde damit eben nur das Nötigste im Stadion saniert.

Kunasek: "Politischer Dilettantismus" 

"Jetzt sind das Land und Landeshauptmann Kunasek am Zug, ins Handeln zu kommen", fordert SPÖ-Stadtparteiobfrau Doris Kampus. "Das sind sie den Vereinen, den Fans und der Sportinfrastruktur der Stadt schuldig."

Doch das Land spielt den Ball zurück. Kahr möge doch endlich "belastbare Zahlen" liefern, moniert FPÖ-Landeschef Mario Kunasek gegenüber dem ORF. Solange die Kosten nicht "darstellbar" seien, könne es keine finale Zusage geben, betont Kunasek und fügt an, dass "ich der Stadt Graz politischen Dilettantismus unterstelle".

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