Koralmbahn eröffnet: "Ein guter Tag für Österreich"
Ein Bahn-"Jahrhundertprojekt" ist am Freitag mit Festakten in Graz und Klagenfurt feierlich in Betrieb gegangen.
Zu Ansprachen und Sonderfahrten kamen u. a. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Kanzler Christian Stocker (ÖVP) und die Landeshauptleute Peter Kaiser und Mario Kunasek.
Eröffnung der Koralmbahn: Menschen warten entlang der Strecke
Großer, fröhlicher Andrang beim offiziellen Railjet-Start kurz vor 11.00 Uhr am Bahnsteig 1 des Hauptbahnhofs Graz am Freitag: An zwei Schleusen stellen sich einige hundert Menschen an, um an der ersten Fahrt des Sonderzugs auf der Koralmbahn von Graz nach Klagenfurt teilzunehmen. Die Gratistickets waren kurz nach dem Beginn des "First book, first serve"-Starts vor einigen Wochen weg. Bei strahlendem Sonnenschein fährt der Zug fast pünktlich ab - sogar eine Minute zu früh. "Captain Andreas Matthä wünscht eine gute Fahrt", lässt es sich der ÖBB-Vorstand nicht nehmen, über die Bordlautsprecher die Begrüßung der Passagiere vorzunehmen.
An Bord der Waggons sind neben Eisenbahn-Enthusiasten und Neugierigen die Spitzen der Republik mit Van der Bellen, Stocker, Vizekanzler Andreas Babler und Verkehrsminister Peter Hanke (beide SPÖ) sowie die Landeshauptleute Kärntens und der Steiermark, Peter Kaiser (SPÖ) und Mario Kunasek (FPÖ).
Die 230 km/h bemerkt man während er Fahrt gar nicht. Sehr wohl aber die vielen Menschen, die entlang der Bahnstrecke bei Brücken und auf Dämmen den Zug filmen und fotografieren. Gespannt warten die Passagiere mit gezückten Smartphones auf die Tunneleinfahrt unter die Koralm. Nach 14 Minuten ist es soweit. Es wird für rund zehn Minuten dunkel. Wird es wieder hell, ist der Railjet schon in Kärnten.
In 39 Minuten von Graz nach Klagenfurt
37 Minuten nach der Abfahrt wird der Railjet spürbar langsamer - es geht auf Klagenfurt-Ebenthal zu. Der Captain meldet sich wieder, knapp vor dem Hauptbahnhof: "Pfiat eich, ois Guate", sagt Matthä. Der Zug hat die Zeit von 41 Minuten sogar unterschritten. Um 11.38 Uhr öffnen sich die Türen am Hauptbahnhof in Klagenfurt. Exakt 39 Minuten hat die erste Fahrt gedauert.
Koralmbahn wird eröffnet: "Heute ist ein schöner Tag"
Insgesamt 14 Sonderfahrten standen am Freitag auf dem Programm. Die rund 5.500 Tickets dafür waren in kürzester Zeit vergriffen. Der reguläre Betrieb auf der Strecke startet am Sonntag.
Am Nachmittag kam es jedoch zu einem kleinen Zwischenfall, nachdem auf steirischer Seite Rauchentwicklung beim Tunnel-Ausgang beobachtet wurde, wurden alle Sonderfahrten gestoppt. Mehr dazu lesen Sie hier.
Van der Bellen zur Eröffnung der Koralmbahn: "Heute ist ein schöner Tag. Ein 6-Milliarden-Euro-Projekt findet einen guten Abschluss. Die Eisenbahn hat im 19. Jahrhundert Europa revolutioniert, brachte und bringt Regionen zusammen. Mit der Koralmbahn setzen wir diese Erfolgsgeschichte fort."
Stocker sieht in den Menschen, "die Gewinner dieses Projektes". "Es ist ein Impuls für den Aufschwung in Österreich", freut sich Stocker heute bei der Eröffnung dabei sein zu dürfen.
"Stern des Südens"
Babler spürt, dass das heute etwas "ganz Besonderes" ist. "Ein guter Tag für ganz Österreich", so Babler. Für Hanke zeigt das Jahrhundertprojekt, dass "Österreich bewiesen hat, gut zu funktionieren und gemeinsame Sache zu machen." Er wolle sich bei den zehntausenden Arbeitern bedanken, die das geschafft haben.
Für Kunasek (FPÖ) ist es ein "großer Tag". Für Kaiser beginnt mit der Koralmbahn der "Stern des Südens" zu leuchten. ÖBB-CEO Andreas Matthä sprach von einem eisenbahnhistorischen Moment, zwischen zwei Städten, die noch nie eine direkte Verbindung hatten. "Da verspürt man ein gewisses Kribbeln. Wie cool kann das denn sein", sagte der ÖBB-Chef, bevor er sich bei der Politik und den beteiligten Arbeitern, Technikern und Planern bedankte.
Massive Zeitersparnis
Die Hochleistungsstrecke ermöglicht Höchstgeschwindigkeiten zwischen Graz und Klagenfurt durch den 33 Kilometer langen Koralmtunnel mit bis zu 250 km/h. Der Tunnel wurde von 2008 bis 2024 errichtet und seither ausgiebig getestet. Die kürzeste Fahrzeit zwischen den Landeshauptstädten beträgt nun 41 Minuten für knapp 140 Kilometer. Die ÖBB sprachen deshalb in einer Aussendung davon, dass man sich in 41 Minuten "rüberbeamen" könne.
Die Fahrzeit Klagenfurt-Wien beträgt nun knapp über drei Stunden. Das wird sich mit der Inbetriebnahme des Semmeringbasistunnels 2030 weiter um eine halbe Stunde verkürzen - auf knapp über zweieinhalb Stunden. Zwischen Graz und Wien fährt man dann mit dem Railjet eine Stunde und 50 Minuten.
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