Stadt Graz: Rekordschulden trotz steigender Einwohnerzahlen
Die Grazer Stadtfinanzen bleiben weiter unter Druck
Verglichen mit anderen Landeshauptstädten wächst Graz am stärksten, 2024 wurde die 300.000-Einwohner-Marke überschritten; seit 2021 zogen rund 9.000 Menschen zu. Ende 2025 verzeichnete Graz rund 307.000 Hauptwohnsitze.
Schuldenstand erreicht Rekordwerte
Doch die Stadtfinanzen spielen nicht in der gleichen Liga: Die Verschuldung wuchs im selben Zeitraum um ein Drittel, mit dem Rechnungsabschluss 2025 kratzt der Schuldenstand der zweitgrößten Stadt Österreichs an der Zwei-Milliarden-Marke: Er betrug 1,926 Milliarden Euro, der bisherige Höchststand. Und auch bei der Pro-Kopf-Verschuldung steht Graz ganz weit oben im Ranking.
Doch weshalb ist das so? Seit Ende 2021 wird Graz von einer Koalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ geführt, doch mit Parteifarben habe der Schuldenstand nichts zu tun, versichern die Proponenten.
Wo das Geld fehlt und was mehr kostet
"Wir haben die längste Rezession der Zweiten Republik gerade hinter uns, das bringt Mindereinnahmen mit sich", erläutert Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ). "Andererseits gibt es steuerpolitische Maßnahmen, von denen Gemeinden und Städte besonders betroffen sind."
Das meint die (Steuer-)Reformen des Bundes, die sich allein für Graz finanziell stark auswirken, wie Eber vorrechnet: So bedeute allein das Sozial- und Pflegeleistungsfinanzierungsgesetz Mehraufwand von bis zu 37 Millionen Euro pro Jahr, die ökosoziale Steuerreform spüle dagegen um 30 bis 35 Millionen Euro weniger in das Stadtbudget.
Finanzstadtrat Manred Eber (li.) und Finanzdirektor Johannes Müller präsentierten den Rechnungsabschluss
Zuzugsgebiet, dennoch weniger Geld vom Bund
Noch härter treffe die Stadt aber der Finanzausgleich, beschreibt Finanzdirektor Johannes Müller. Da die Steiermark als Bundesland starke Abwanderungsregionen hat, komme "tendenziell weniger Geld in die Steiermark".
Der Schlüssel, nach dem die Ertragsanteile aufgeteilt werden, benachteilige einen derart wachsenden Ballungsraum wie Graz:
- Salzburg erhielt zwischen 2020 und 2024 8.604 Euro pro Einwohner.
- In Innsbruck waren es in dem Zeitraum 8.564 Euro pro Einwohner.
- In Linz gab es 7.861 Euro pro Einwohner.
- Nach Graz flossen 7.226 Euro pro Einwohner.
Hätte Graz den Aufteilungsschlüssel von Salzburg, dann wäre insgesamt um 400 Millionen Euro mehr an Ertragsanteilen geflossen, rechnet Müller vor.
Die Salzburger Landeshauptstadt hat ihren Schuldenstand in den vergangenen Jahren jedoch deutlich drücken können, während Graz durch die Decke ging. Laut STAT-Atlas der Statistik Austria lag die Pro-Kopf-Verschuldung in Graz 2010 bei 1.674 Euro und 2015 bei 2.335 Euro. 2020 - dem Beginn der Corona-Pandemie - machte einen Sprung nach oben: Die Pro-Kopf-Verschuldung erreichte 5.078 Euro; seit 2021 stieg sie alljährlich um einige Prozentpunkte.
Salzburg habe "andere Rahmenbedingungen", kommentiert der Grazer Finanzdirektor, zusätzlich zu höheren Ertragsanteilen vom Bund: Etwa 300 Euro mehr als Graz erhält Salzburg pro Einwohner.
Wie es nach den Wahlen weitergeht
110 Millionen Euro sollte die Stadt einsparen, forderte das Grazer Kontrollamt in seinem jüngsten Bericht. "Technokratisch ist das richtig", merkt Finanzstadtrat Eber an. "Aber das würde bedeuten, wir könnten überhaupt nichts mehr fördern." Kultureinrichtungen würden um ihre bisherigen 11,4 Millionen Euro umfallen oder Sozialeinrichtungen um 14 Millionen Euro.
Dennoch, nach den Gemeinderatswahlen (28. Juni) werde es "weitere Optimierungen" geben müssen, kündigt Eber an; welche ist noch offen. "Mehr Geld wird sicher nicht zur Verfügung stehen."
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