Chronik
03.04.2018

Railjets geräumt: Polizei rückte zur Unterstützung von Zugbegleitern aus

Am Ostermontag rief die Rückreise Chaos bei der ÖBB und Ärger bei Bahnkunden hervor.

Wegen Bauarbeiten war der Schienenverkehr über den Arlberg am Osterwochenende gesperrt. Das Wiederanrollen der Züge am Ostermontag in Kombination mit einer Vielzahl rückreisewilliger Urlauber führte zu chaotischen Szenen auf der Weststrecke. So mussten zwei Railjets auf dem Weg von Vorarlberg nach Wien wegen Überfüllung geräumt werden. Und das mithilfe der Polizei, wie die ÖBB bestätigt.

„Als ordentlicher Zuggast von der Polizei aus dem Zug entfernt zu werden, finde ich eine Zumutung und Ungeheuerlichkeit“, sagt Stephan Burgstaller. Für die Söhne des gebürtigen Tirolers, der mit seiner Familie in Wien lebt, geriet die Zugrückreise aus Innsbruck nach einem Heimaturlaub zur Odyssee.

„Der Zug war pumpvoll. Die Leute standen dicht gedrängt“, berichtet Simon Burgstaller. „Es gab dann eine Durchsage, dass Leute ohne Sitzplatz aussteigen sollen, weil der Zug sonst von der Polizei geräumt wird“, erzählt der 16-Jährige, der mit seinem älteren Bruder unterwegs war. Dann sei ein Polizist gekommen und habe gesagt, „dass alle Stehenden den Zug verlassen sollen“.

Von einer Räumung will Herbert Haselsteiner von der Polizeiinspektion am Innsbrucker Bahnhof nichts wissen: „Wir können in so einem Fall zwar intervenieren, aber nicht räumen. Ein Kollege war aber zur Lagebeurteilung im Zug.“ In Feldkirch fand zuvor ein ähnlicher Vorfall statt, bei dem auch die Polizei im Einsatz war. Dort mussten Passagiere den Railjet 165 wegen Sitzplatzmangels verlassen.

Der Zug kam verspätet in Innsbruck an, weswegen Simon Burgstaller und sein Bruder den nachfolgenden RJ 869 bestiegen – der dann ebenfalls geräumt wurde. 180 Betroffene wurden mit ÖBB-Ersatzbussen nach Salzburg gefahren. Unterwegs führte eine Grenzkontrolle zu weiteren Verzögerungen. „Ich war neun Stunden unterwegs, bis ich in Wien angekommen bin“, erzählt Burgstaller.

ÖBB-Sprecher Christoph Mair-Gasser bittet um Verständnis: „Wir wollen unsere Kunden nicht verärgern. Solche Maßnahmen ergreifen wir nur, wenn wir ansonsten keine sichere Weiterfahrt gewährleisten können.“ Und er versichert: „Rund um Ostern haben die ÖBB alles auf Schienen, was Räder hat.“