Chronik
19.12.2017

Patiententransport: Retter erreichen Kapazitätsgrenze

Im Bezirk Gänserndorf mussten weitere hauptberufliche Sanitäter eingestellt werden.

Weit über dem Durchschnitt von Niederösterreich sind die Rettungstransporte im Bezirk Gänserndorf gestiegen. "Von 2015 auf 2017 sprechen wir von knapp 20 Prozent Steigerung, also mehr als 5000 Patiententransporte mehr", sagt Wolfgang Antos, der Bezirksstellengeschäftsführer von Gänserndorf. Im November habe es gar ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegeben. "Der Anstieg ist extrem. Im Jänner gab es dieses Jahr die erste Spitze mit 25 Prozent mehr, im November war jetzt der zweite extreme Ausreißer", fährt Antos fort.

Von den Freiwilligen alleine sei dieser Mehrarbeitsaufwand nicht mehr bewältigbar. Deshalb mussten die beruflichen Mitarbeiter in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt werden. Alleine seit September wurden zehn zusätzliche Kräfte aufgenommen. "Für die Freiwilligen wäre es sonst unerträglich neben normalem Job und Studium. Deswegen haben wir Hauptberufliche aufgenommen", sagt Antos. So einfach ist es aber gar nicht, passendes Personal in Gänserndorf zu finden. "Ein, zwei Mitarbeiter pro Jahr findet man schon. Aber in diesem Ausmaß fertig ausgebildete Rettungssanitäter zu finden, ist kein Leichtes", erklärt Antos.

Zusätzlicher Wagen

Außerdem musste ein zusätzlicher Wagen angefordert werden, weil der Bedarf größer geworden ist. "Der wird in nächster Zeit zugeliefert. In der Zwischenzeit wurde ein Wagen aus Wiener Neustadt hergeborgt", sagt Sonja Kellner, Sprecherin vom Roten Kreuz Niederösterreich.

Warum die Transporte so stark gestiegen sind, wurde noch nicht konkret ausgewertet. Antos führt es aber auf die wachsende Bevölkerung und die besser werdenden Therapien zurück. "Diese verlängern das Leben, wodurch Patienten länger mit uns fahren", sagt er. Der Großteil an Transporten entfällt auf Dialyse- und Chemotherapie-Patienten – ebenso wie Notfälle. "Die Fahrten in Gänserndorf sind lange. Da es kein eigenes Krankenhaus, sondern nur die Tagesklinik gibt, ist das nächstgelegene in Mistelbach. Ein durchschnittlicher Einsatz dauert daher 60 bis 70 Minuten", sagt Antos. Ein eigenes Krankenhaus sei aber eine politische Frage.

Jürgen Tiefenbacher von der Landeskliniken Holding sagt: "Es gibt 27 Kliniken in Niederösterreich. Die Krankenhäuser sind darauf ausgerichtet, über die Bezirksgrenzen hinweg zu versorgen." Und wie bei der Gasexplosion in Baumgarten vergangene Woche zu sehen war, sprang auch das AKH Wien ein.