Zillertalbahn-Vorstand führte offenbar zu Unrecht Doktortitel

Zillertalbahn-Vorstand führte offenbar zu Unrecht Doktortitel
Helmut Schreiner kam laut "TT" über Anfangsprozess für eine Dissertation zum Thema Wasserstoff an Uni Innsbruck nicht hinaus.

Der Technik-Vorstand der Zillertaler Verkehrsbetriebe AG, Helmut Schreiner, hat offenbar seit dem Jahr 2019 zu Unrecht einen Doktortitel geführt. Dies berichtete die „Tiroler Tageszeitung“ in ihrer Donnerstagsausgabe. Schreiner selbst bestätigte laut dem Bericht, dass er über den Anfangsprozess für eine Dissertation zum Thema Wasserstoff an der Universität Innsbruck nicht hinausgekommen ist. Am Abend wurde er vorerst einmal für zwei Wochen auf Urlaub geschickt.

Der Urlaub sei mit Schreiner einvernehmlich vereinbart worden, teilte Abg. Franz Hörl (ÖVP), seines Zeichens auch Aufsichtsratschef der Zillertaler Verkehrsbetriebe AG, der APA mit. Im Unternehmen gelte es nun, die Causa umfassend aufzuarbeiten. Dann werde der Aufsichtsrat entscheiden, „ob und welche Schritte gesetzt werden“.

Hörl betonte aber, dass man Wert darauf lege, „einen guten und sehr verdienten Mitarbeiter nicht wegen einer Fehlleistung über Gebühr zu sanktionieren.“ Schreiner sei schließlich im Jahr 2017 wegen seiner „fachlich unbestrittenen Kompetenzen und internationalen Erfahrungen im Eisenbahn Bau“ engagiert worden. Zuvor hatte der mächtige Tiroler ÖVP-Wirtschaftsbundchef „nur den Kopf schütteln“ können über die Vorgangsweise des Technik-Vorstands.

Denn Titel würden für ihn, Hörl, schließlich keine Rolle spielen. „Aber das ist seine private Angelegenheit, es hat nichts mit dem Unternehmen zu tun“, betonte der Zillertaler. Mittlerweile sah Hörl aber „leider“ auch weitere Auswirkungen, die der Aufsichtsrat bewerten müsse. Diese Woche hatte die Landesregierung grünes Licht für eine Wasserstoff-betriebene Zillertalbahn gegeben.

Unterschiedliche Auffassungen

Dem „TT“-Bericht zufolge hatte Schreiner beginnend mit 2018 am Institut für Infrastruktur der Uni Innsbruck, Arbeitsbereich Intelligente Verkehrssysteme, dissertieren wollen. Er habe auch Seminare absolviert. Doch über die Planung, wissenschaftliche Fragestellungen und die Abklärung der Methodik sei er mit seinem damaligen Betreuer nicht hinausgekommen. Es habe unterschiedliche Auffassungen zum Thema Wasserstoff gegeben, führte der Vorstand nunmehr als Grund an. Und Schreiner trat offenbar auch öffentlich mit einer „Dissertationsschrift“ zur künftigen „Wasserstoffbahn“ im Zillertal auf. Diese überreichte bzw. präsentierte er im Jahr 2019 auch dem damals wahlkämpfenden ÖVP-Chef Sebastian Kurz, im Beisein etwa des damaligen Landeshauptmannes Günther Platter (ÖVP) und der früheren Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck. Der „Entwurf“, wie Schreiner die Arbeit jetzt nennt, sei aber dann eingestampft worden.

Nichtsdestotrotz firmierte Schreiner laut „TT“ seit September 2019 bis diesen Mittwoch offiziell als Doktor - auf Visitenkarten, bei offiziellen Auftritten und im Unternehmen. Am Donnerstag war auf der Homepage der Zillertaler Verkehrsbetriebe hingegen „nur“ mehr von einem Diplomingenieur (DI) Schreiner zu lesen.

Mittlerweile habe er aber ein zwischenzeitlich aufgenommenes Doktoratsstudium an der Universität Riga in Lettland abgeschlossen, betonte der Technik-Vorstand, der als vehementer Verfechter des Projekts Zillertalbahn als „Wasserstoffbahn“ gilt. Er räumte aber ein, dass ihm die Doktorwürde nach wie vor nicht verliehen wurde: „Doch das ist nur eine Frage der Zeit“.
Der Sprecher der Universität Innsbruck, Uwe Steger, teilte der APA indes mit, dass man vor rund sechs Monaten - nach zunächst anonymen Hinweise und dann solchen „aus dem Haus“ - Anzeige beim Stadtmagistrat Innsbruck gegen Schreiner erstattet hatte. Vom Innsbrucker Stadtmagistrat sei die Causa aber an das Salzburger weitergeleitet worden, da der Technik-Vorstand offenbar dort seinen Hauptwohnsitz hat. Die Anzeige konnte aber inzwischen geklärt werden, zumindest laut Schreiners Angaben.

 

Zillertalbahn-Vorstand führte offenbar zu Unrecht Doktortitel

Tirols LH Günther Platter und LHStv Josef Geisler (2. und 3. von li.) und die beiden ZVB-Vorstände Helmut Schreiner (li.) und Wolfang Stöhr (re.) bei der Präsentation der Wasserstoff-Bahn

FPÖ-Chef Markus Abwerzger fordert Abgang

Unterdessen nahm die Landes-Opposition den Ball in der Causa auf und schoss sich auch einmal mehr auf das Wasserstoff-Projekt an sich ein. Den Abgang Schreiners forderte Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger. „Aus meiner Sicht ist so jemand, der derartig lügt und betrügt, in einer solchen Position nicht tragbar“, meinte Abwerzger in einer Aussendung.

Der FPÖ-Obmann ging zudem noch einen Schritt weiter und verlangte einen sofortigen Wasserstoff-Projektstopp sowie „eine neuerliche externe Überprüfung der basierenden Grundlagen des Projektes“. Denn wenn eventuell sogar eine nicht vorhandene Dissertation als Basis für das Projekt diente, „dann kann man alles Bisherige vergessen“, erklärte der Landesparteiobmann.

Dem entgegnete unterdessen das Land Tirol gegenüber der APA: „Die Entscheidung der Tiroler Landesregierung auf Umsetzung einer wasserstoffbetriebenen Schmalspurbahn im Zillertal basiert auf der Grundlage von unabhängigen Gutachten eines renommierten internationalen Fachunternehmens“, wurde betont. Die angesprochene schriftliche Arbeit des Geschäftsführers liege dem Land nicht vor und sei „zu keinem Zeitpunkt ausschlaggebend für Entscheidungen der Tiroler Landesregierung“ gewesen.

Grünen-Klubobmann Gebi Mair: „Falscher Doktor, falsche Zahlen, falscher Zug“

„Falscher Doktor, falsche Zahlen, falscher Zug“, fasste hingegen Grünen-Klubobmann Gebi Mair die Causa zusammen. Für die Grünen stellten die nunmehrigen Erkenntnisse das überteuerte Projekt grundsätzlich in Frage. „Wurde die Öffentlichkeit nicht nur über den Doktortitel getäuscht, sondern auch über die Grundlagen des Wasserstoffprojekts im Zillertal?“, fragte Mair. Die Landesregierung müsse volle Transparenz walten lassen, ob Grundlagen aus Schreiners angeblichen Dissertationen für die Projektentwicklung herangezogen wurden.
„Man muss sich schon fragen, wie die Zillertalbahn geführt wird, wenn der Chef sich einen Doktortitel erschwindeln kann und niemandem fällt so etwas auf“, pochte unterdessen NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer auf Konsequenzen und nahm dabei Hörl sowie dessen Parteifreund, Aufsichtsrat und Landtagsabgeordneten Dominik Mainusch in die Pflicht.

Schreiner habe nicht nur „Schaden über das Unternehmen gebracht, sondern öffentlich die wissenschaftliche Expertise zur Umrüstung der Zillertalbahn auf Wasserstoff diskreditiert.“
Am Dienstag hatte das Unternehmen noch mit „Good News“ in Sachen Wasserstoff aufwarten können. Die schwarz-rote Landesregierung fasste einen Grundsatzbeschluss auf Dekarbonisierung und Umrüstung der schmalspurigen Zillertalbahn auf Wasserstoffantrieb.

Ein Projekt, das zuletzt etwas ins Stocken geraten war und Hörl stets massiv vorangetrieben hatte. Nun soll ein „gesamthaftes Konzept“ ausgearbeitet und Verhandlungen mit dem Bund hinsichtlich der Mitfinanzierung aufgenommen werden. Die Opposition kritisierte hingegen beträchtliche Mehrkosten bzw. einen „sorglosen Umgang mit Steuergeldern“.

"Dissertationsschrift" zur künftigen "Wasserstoffbahn" Sebastian Kurz gezeigt

Dem Bericht zufolge hatte Schreiner beginnend mit 2018 am Institut für Infrastruktur der Uni Innsbruck, Arbeitsbereich Intelligente Verkehrssysteme, dissertieren wollen. Er habe auch Seminare absolviert. Doch über die Planung, wissenschaftliche Fragestellungen und die Abklärung der Methodik sei er mit seinem damaligen Betreuer nicht hinausgekommen. Es habe unterschiedliche Auffassungen zum Thema Wasserstoff gegeben, führte der Vorstand nunmehr als Grund an.

Und Schreiner trat offenbar auch öffentlich mit einer "Dissertationsschrift" zur künftigen "Wasserstoffbahn" im Zillertal auf. Diese überreichte bzw. präsentierte er im Jahr 2019 auch dem damals wahlkämpfenden ÖVP-Chef Sebastian Kurz, im Beisein etwa des damaligen Landeshauptmannes Günther Platter (ÖVP) und der früheren Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck. Der "Entwurf", wie Schreiner die Arbeit jetzt nennt, sei aber dann eingestampft worden.

Änderung auf Homepage

Nichtsdestotrotz firmierte Schreiner laut "TT" seit September 2019 bis diesen Mittwoch offiziell als Doktor - auf Visitenkarten, bei offiziellen Auftritten und im Unternehmen. Am Donnerstag war auf der Homepage der Zillertaler Verkehrsbetriebe hingegen "nur" mehr von einem Diplomingenieur (DI) Schreiner zu lesen.

Kommentare