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Chronik Österreich
02/21/2020

Zerschnittene Zäune: Protest gegen 380-KV-Leitung wird rauer

Die Bauarbeiten an der Starkstromleitung werden in Salzburg aktuell an zwei Stellen blockiert.

von Matthias Nagl

Die Proteste gegen die 380-KV-Leitung in Salzburg haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. Wie berichtet, wurde von Demonstranten Anfang der Woche in Koppl im Bereich Heuberg das Aufstellen von Amphibienzäunen behindert.

Am Dienstag konnte ein vom Leitungsbetreiber Austrian Power Grid (APG) beauftragter Sub-Unternehmer die Zäune aufstellen. In der Nacht auf Mittwoch wurden diese jedoch von unbekannten Tätern zerstört. Die Zäune wurden an mehreren Stellen aus dem Boden gerissen und mit Stanley-Messen zerschnitten.

„Von 254 Metern Zaun waren 220 Meter beschädigt. Wir haben einen Schaden von 10.000 bis 12.000 Euro“, sagt Unternehmer Davut Özcelik, der mit seiner Firma Gartenstyle die Zäune aufgestellt hatte. „Es ist schockierend, dass man Eigentum so beschädigt“, meint Özcelik. Die Polizei ist informiert worden, nahm den Sachverhalt auf und ermittelt.

Gegner distanzieren sich

Wer hinter der Sachbeschädigung steckt, ist unbekannt. Die demonstrierenden Bürgerinitiativen distanzieren sich jedenfalls von der Aktion. „Unsere Gruppe distanziert sich klar davon. Unsere Philosophie ist passiver Widerstand. Alles andere ist kontraproduktiv“, sagt Alois Mösl, Sprecher der Gruppe, zum KURIER.

Auch Projektbetreiber APG hat naturgemäß kein Verständnis. „Irgendwie hört es sich da auf. Demonstrieren ja – aber eine Naturschutzmaßnahme zerstören?“, sagt Projektleiter Wolfgang Hafner in den Salzburger Nachrichten. Unternehmer Özcelik glaubt an eine geplante Tat.

Angekündigte Zerstörung

Schon bei der Montage am Dienstag habe es von Demonstranten dementsprechende Andeutungen gegeben. „Einzelne haben gesagt, der Zaun steht sicher nicht lange, wir werden öfter hier herauffahren müssen“, berichtet Özcelik. Der Zaun wurde noch nicht wieder instand gesetzt. Wie es nun weitergeht, ist offen.

Die Gartenbaufirma wartet auf eine Entscheidung der APG, von dort heißt es: „Wir evaluieren die Situation“, wie ein Sprecher erklärt. Im betreffenden Bereich soll ein Mast für die Starkstromleitung, die irgendwann den Ring an 380-KV-Leitungen durch Österreich schließen soll, errichtet werden, für den es eine Zufahrtsstraße braucht.

Baustopp gefordert

Damit die errichtet werden kann, müssen vorher die Amphibienzäune stehen. Diese Naturschutzmaßnahme wurde der APG im bisherigen Verfahren auferlegt. Dieses jedoch zieht sich seit Jahren und ist noch immer nicht beendet.

Gegen den positiven Bescheid der Umweltverträglichkeitsprüfung läuft vor dem Verwaltungsgerichtshof (VwGH) noch eine Berufung der Leitungsgegner. Diese hat aber keine aufschiebende Wirkung. Die Bauarbeiten der APG sind also rechtskräftig. Mit ihren Protestmaßnahmen wollen die Leitungsgegner vor allem die aufschiebende Wirkung erzwingen.

Sie fordern einen Baustopp bis zur endgültigen Entscheidung des VwGH. Neben den Protesten in Koppl gibt es eine nach wie vor aufrechte Waldbesetzung in Bad Vigaun, auch am Pass Lueg gab es Proteste, Rodungen konnten dadurch aber nicht gestoppt werden.