Chronik | Österreich
06.06.2018

Zahl der gemeldeten Verletzungen zeigt: Gewalt an Schulen nimmt ab

Bewährungshilfe-Verein Neustart hat sich zuletzt veröffentlichte Daten genauer angeschaut.

Vor rund zwei Wochen sorgte die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der ÖVP durch das Innenministerium ( FPÖ) zu Gewalt an den Schulen für Aufregung. Es wurde kolportiert, dass sie in den vergangenen Jahren exzessiv zugenommen habe. Allein aus den Anzeigen wurde abgeleitet, dass die von Schülern begangenen Körperverletzungen um zweistellige Prozentzahlen angestiegen seien, ohne allerdings auf Verurteilungszahlen zu verweisen.

Der Bewährungshilfe-Verein Neustart hat sich das genauer angeschaut und bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt erhoben, wie viele Schüler durch vorsätzliche Gewalteinwirkung verletzt worden sind. Und dabei ergibt sich ein ganz anderes Bild, nämlich dass die Zahlen abnehmen.

2013 wurden 1737 Schüler am Tatort Schule verletzt, 2014 gab es mit 1876 einen Rekordwert, im Vorjahr sank diese Zahl auf 1652.

"Shame and Blame" spitze Konflikte nur zu

Der Leiter von Neustart Salzburg, Johannes Bernegger, macht auf die unterschiedlichen Bilder aufmerksam, die sich aus der Anzeigenpraxis und dieser statistischer Auswertung ergeben.

In einem Artikel für den Neustart-Blog im Internet verweist er auf die mit acht Emmys ausgezeichnete US-TV-Serie „Big Little Lies“: Darin wird gezeigt, wie es am ersten Schultag der ersten Klasse zu einem Übergriff unter sechsjährigen Schülern kommt.

Die Klassenlehrerin stellt den Schuldigen – der mit einer alleinerziehenden Mutter gerade erst neu zugezogen ist – vor versammelten Schülern und Eltern an den Pranger, woraufhin einige Eltern ihren Kindern den Kontakt mit dem Buben verbieten. Darunter auch ein gegenüber seiner Frau gewalttätiger Vater.

Von solchen Methoden hält Bernegger natürlich gar nichts. Das in der US-Serie gezeigte „Shame and Blame“-Vorgehen spitze Konflikte nur zu. Er propagiert die auch von Neustart angebotene Schulsozialarbeit. In Zusammenarbeit mit Schulpartnern helfe sie, Gewalt und Mobbing konsequent und konstruktiv zu begegnen. Die Sozialarbeiter an den Schulen können laut Bernegger die Lehrkräfte unterstützen.