Chronik | Österreich
03.10.2018

Wolf riss Ziegen und Schafe wenige Kilometer vor Wien

Der Bürgermeister von St. Andrä-Wördern wünscht sich, dass Taten folgen: „Brauchen ihn hier nicht.“

Vor einigen Tagen wurden fünf Ziegen und zwei Schafe in Hadersfeld in der Gemeinde St. Andrä-Wördern (Bezirk Tulln) gerissen. Die Veterinärmedizinische Universität hatte anschließend DNA-Proben entnommen. Diese ergaben laut einer Aussendung vom Amt der niederösterreichischen Landesregierung am Dienstag, dass ein Wolf am Werk gewesen ist.

Das Tier soll aus der italienischen bzw. Westalpen-Population stammen. „Weitere Genotypisierungen sollen zeigen, ob das Individuum bereits bekannt ist“, hieß es. Dabei könnte möglicherweise auch abgeklärt werden, ob es sich um denselben Wolf handelt, der Anfang Juli ein Schaf auf einer Weide in Mauerbach (Bezirk St. Pölten), ebenfalls vor den Toren Wiens, gerissen hat.

Der Bürgermeister von St. Andrä-Wördern, Maximilian Titz ( ÖVP), zeigt sich besorgt: „Ich bin nicht froh darüber. Man sollte sehr aufpassen. Wir sind hier nicht im Waldviertel, sondern nur wenige Kilometer von Wien entfernt. Wir sind hier kein einsamer Stern. Hier sind viele Fußgänger, Mountainbiker und Autofahrer unterwegs.“

Erst am 20. September hat der niederösterreichische Landtag – nach langen Diskussionen über Wolfsrisse und -sichtungen – eine Änderung des Jagdgesetzes beschlossen, die bei Gefahr einen rascheren Abschuss von „Problemwölfen“ ermöglichen soll. Taucht künftig ein sogenannter „Problemwolf“ auf, muss das der Gemeinde gemeldet werden. Danach landet der Fall bei der Bezirksverwaltung. Und dort wird entschieden, wie mit dem Tier umgegangen werden muss.

Titz sagt dazu: „Es wäre in meinem Sinne in diesem Fall, dass man da etwas tut. Denn da ist jemand in Hadersdorf unterwegs, den wir hier nicht brauchen.“

Vergrämung

Im Bezirk Gmünd sei laut Aussendung außerdem ein Wolf im Nahbereich einer Pferdekoppel mittels Gummigeschoss – gemäß einem dafür ausgestellten Bescheid – erfolgreich vergrämt worden.

Die Praxis der Vergrämung wird aber nicht unbedingt positiv gesehen. Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz erachtet sie etwa als kontraproduktiv und gesetzeswidrig, wie er in einem KURIER-Interview Anfang September erläuterte. „Aus meiner Sicht verstößt der Einsatz von Gummigeschossen gegen das Tierschutzgesetz“, sagte der Fachmann.