Chronik | Österreich
08.10.2018

Wirtschaftliche Probleme durch neue Tierarten

Das Einschleppen von neuen Tieren hat weitreichende Konsequenzen - ein Beispiel ist der asiatische Marienkäfer.

Es gibt zwei Gründe, warum „neue“ Tierarten nach Österreich einwandern. Einerseits ändern sich die klimatischen Bedingungen und die Tiere finden neue Lebensräume. Andererseits schleppt sie der Mensch ein und vom jeweiligen Ankunftsland breiten sich die Arten dann in anderen Ländern aus – und vertreiben mitunter heimische Arten .

Zweiterer Fall trat beim asiatischen Marienkäfer ein. „Es ist ein ganz dramatisches Beispiel. Er wurde bewusst in die Niederlande geholt, um in Gewächshäusern effizienter Blattläuse zu vertilgen. Binnen weniger Jahre hat er ganz Europa eingenommen“, sagt Christian Komposch, Geschäftsführer vom Ökoteam. „Aus ökologischer Sicht ist es das gute Recht von Tieren, in andere Länder einzuwandern. Wenn allerdings der Mensch neue Tiere bringt, greift er massiv in das Ökosystem ein“, fährt der Experte fort. Der heimische Marienkäfer verschwindet durch die Präsenz seines asiatischen Artgenossen.

„Jetzt im Herbst und Winter sammeln sie sich in Massen und überwintern an den Wänden und in Kellern“, sagt Komposch. Die asiatischen Marienkäfer neigen zu Massenansammlungen. Das hat auch wirtschaftliche Auswirkungen. „In Weinbaugebieten ziehen sie sich etwa in Weinreben zur Überwinterung zurück. Wenn man sie angreift, geben sie eine gelbe Substanz und einen markanten Geruch ab“, fährt Komposch fort. „Wenn viele Marienkäfer mit den Weintrauben mitgepresst werden, werden Sekrete abgegeben, wodurch der Wein dann nach Marienkäfern schmeckt.“ Dies sei in Weinregionen ein ernst zu nehmendes wirtschaftliches Problem.

„Quer durch die Welt“

Die Einschleppung in die Niederlande sei vor rund zehn Jahren erfolgt. Dort seien einige ausgebüxt und binnen drei Jahren war die Art dann in ganz Europa zu finden. „In Österreich haben wir es mit Millionen Individuen zu tun“, sagt Komposch. Bisher hatte es Dutzende heimische Marienkäferarten gegeben. „Sie leiden jedoch darunter, dass sich eine Art so breit macht. Die heimischen Arten sind dadurch so gefährdet, dass sie auf der Roten Liste stehen.“

Es handle sich um eine massive Konkurrenz, die sich ungebremst ausbreiten konnte. „Das ging von heute auf morgen, ohne Anpassungsphasen. In der Evolution hätte so etwas hunderte, tausende Jahre gedauert“, so Komposch. Der Marienkäfer sei ein Extrembeispiel von invasiven Arten, die vom Menschen eingeschleppt wurden. „Es wird auch weiterhin gemacht werden, man transportiert neue Arten quer durch die Welt, um wirtschaftliche Vorteile zu schaffen – ohne an die Konsequenzen zu denken.“