Augenärztin Gabriela Seher

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Österreich
11/16/2019

Wiener Augenärztin klagt Bewertungsplattform

Medizinerin wehrt sich mit Hilfe der Ärztekammer gegen geschäftsschädigende Falsch-Behauptungen.

von Josef Gebhard

Leidvolle Erfahrungen mit Online-Bewertungen hat Gabriela Seher, Augenärztin in Wien-Margareten gemacht. „So hat einmal eine Patientin auf einer Plattform behauptet, ich hätte ihr wochenlang am Stück Antibiotika verschrieben. Das hat überhaupt nicht gestimmt“, nennt die Medizinerin ein Beispiel. „Falsche Behauptungen wie diese können schwer geschäftsschädigend sein. Es ist aber sehr schwer und aufwendig, die Betreiber der Plattformen dazu zu bringen, solche Einträge zu entfernen.“

Seher kritisiert aber nicht nur ungerechtfertigte Negativ-Bewertungen, sondern auch das Gegenteil: „Wenn man sein Geschäft ankurbeln will, lässt man 200 bis 300 positive Bewertungen für seine Ordination schreiben. Das findet auch statt“, sagt die Ärztin.

Ein weiteres Problem sind laut Seher Premium-Mitgliedschaften, die Ärzte etwa bei der Plattform Docfinder abschließen können: Gegen ein paar hundert Euro im Monat werden sie bei der online-Arztsuche prominenter gelistet und verschaffen sich so einen Wettbewerbsvorteil.

Im Fall der fälschlich behaupteten Antibiotika-Verschreibung erwirkte Seher eine Unterlassungserklärung. „Doch es kann nicht der richtige Weg sein, gegen Patienten vorzugehen.“ Deshalb geht Seher nun in einem Musterprozess gegen Docfinder, aber auch Google vor. Unterstützt wird sie dabei von der Wiener Ärztekammer als Nebenklägerin.

Löschung

Sie will erwirken, dass Ärzte die Möglichkeit bekommen, sich einer Bewertung im Internet zu entziehen, sowie dass falsche Behauptungen rasch gelöscht werden. Weiters will Seher dagegen vorgehen, dass Bewertungen anonym erfolgen können. „Es kann schließlich nicht sein, dass solche Plattformen Geld auf dem Rücken der Ärzte verdienen.“

Seitens Docfinder war man auf Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit.

 

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