Chronik | Österreich
05.09.2018

Westen bringt Flüchtlinge am besten in den Jobmarkt

In den wirtschaftlich boomenden Bundesländern Österreichs sind Afghanen und Syrer am Arbeitsmarkt angekommen

Nach dem Aus für die Lehre für Asylwerber wird eine der nächsten Maßnahmen der Bundesregierung jene Flüchtlinge treffen, die bereits Bleiberecht haben. Sozialministerin Beate Hartinger-Klein ( FPÖ) verhandelt derzeit mit den Bundesländern über die Reform der Mindestsicherung.

Die soll bekanntlich nach dem Willen von Türkis-Blau für Neuankömmlinge gekürzt werden. Man wolle die Leute „aus der sozialen Hängematte holen“, hatte etwa ÖVP-Sozialsprecher August Wöginger die Intention der Reform erklärt.

Ein Blick auf die Arbeitsmarktdaten der Bundesländer legt aber nicht unbedingt nahe, dass Flüchtlinge in erster Line auf das Verweilen in der Hängematte aus sind. Die Beschäftigungsquote von Personen aus den Hauptasylländern Syrien und Afghanistan scheint viel mehr von der regional unterschiedlich stark ausgeprägten Nachfrage an Arbeitskräften geprägt zu sein.

Keine Hängematte

So sind die gewährten Mindestsicherungssätze derzeit noch in Tirol, Vorarlberg und Salzburg am höchsten. Trotz der – auch den horrenden Mietkosten geschuldeten – Höhe der Sozialleistung hatten im Juli bis zu 83,8 Prozent der Afghanen am Jobmarkt (siehe Grafik) eine Stelle.

Nur wesentlich geringer ist die Beschäftigungsquote bei dieser Gruppe in Oberösterreich, wo die schwarz-blaue Landesregierung einen wesentlich rigideren Kurs bei der Mindestsicherung fährt.

Was alle vier Länder eint: Sie weisen die geringsten Arbeitslosigkeitsraten bundesweit aus. In Tirol betrug sie nur 3,3 Prozent. In den drei anderen ebenfalls boomenden Ländern lag sie unter fünf Prozent. Auch die Beschäftigungsquote bei den Syrern ist zwischen Bregenz und Linz am höchsten und liegt deutlich über dem Österreichschnitt (siehe Grafik).

„Wenn viele Stellen am Markt sind, kommen Flüchtlinge besser zum Zug“, bestätigt AMS-Sprecherin Beate Sprenger. Im Osten Österreichs sieht die Lage für beide Gruppen weniger rosig aus. Hier ist die Arbeitslosigkeit höher als im Westen. Negativer Spitzenreiter war im Juli Wien mit einer Rate von 11,8 Prozent.

Gleichzeitig ist hier die absolute Zahl an den am Jobmarkt zu integrierenden Flüchtlingen am höchsten. Das lässt auch immer wieder Debatten hochkochen, ob die Ausgestaltung der Mindestsicherung eine Magnetwirkung entfaltet oder ob der Zuzug schlicht der Attraktivität einer Metropole geschuldet ist.

Die Art des Stellenangebots in Wien ist ungeachtet dessen für Menschen, die ohne Sprachkenntnisse und vor allem im Falle der Afghanen vielfach auch ohne Schulbildung ins Land kommen, besonders schwierig. „Wien hat einen großen Dienstleistungssektor, wo auch eine größere Qualifikation notwendig ist“, sagt Sprenger. Auch die Konkurrenz aus den Nachbarbundesländern verschärft die Situation. „Wien hat einen hohen Einpendler-Anteil“, erklärt die AMS-Sprecherin.

Im Westen profitieren Flüchtlinge vom Arbeitskräftemangel im Tourismus, in Oberösterreich kommen sie vor allem in der Industrie unter. Dass Syrer bisher schwächer in den Jobmarkt integriert sind als Afghanen, hat mehrere Gründe.

Deutsch und Lehre

Afghanen gab es in größerer Zahl in Österreich bereits vor dem Jahr 2015, ab dem die meisten Syrer ins Land kamen. Und: „Syrer sind tendenziell zwar besser qualifiziert als Afghanen. Aber bei höherem Bildungsniveau spielen Sprachkenntnisse eine noch wichtigere Rolle“, erklärt Sprenger.

Umso wichtiger wären Deutschkurse. Eine Ausbildung wiederum lässt die Wahrscheinlichkeit, eines Tages wieder ohne Job da zu stehen, sinken. Die Arbeitslosenquote bei Absolventen einer Lehre liegt bei neun Prozent, unter jenen, die nicht über die Pflichtschule hinausgekommen sind, haben 27 Prozent keine Stelle.