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Chronik Österreich
01/13/2020

Welche Schritte die Sicherheit auf den Straßen enorm erhöhen könnten

Bei Unfällen werden unzählige Daten erhoben - doch Forscher haben darauf keinen Zugriff, kritisieren führende Experten.

von Birgit Seiser

Österreich könnte ein „Musterland für Verkehrssicherheit“ sein, sagt Ernst Pfleger, Österreichs Vorsitzender der europäischen Vereinigung für Unfallforschung (EVU). Könnte – doch die Realität sieht derzeit anders aus. Die Politik habe in den vergangenen Jahren vorhandene Ressourcen zu wenig genutzt, sagen Wissenschaftler. Kurze Regierungsperioden und daraus resultierende Ministerwechsel seien auf Kosten der Verkehrssicherheit gegangen. Geht es nach den Unfallforschern, soll die neue Regierung das nun richten.

Kein Zugriff auf Daten

„In keinem anderen Land in Europa gibt es eine vergleichbar intelligente Datenerfassung“, sagt Unfallforscher und EVU-Mitglied Ernst Pfleger. Passiert in Österreich ein Unfall mit Verletzten oder Toten, werden alle Details von der Polizei in ein Unfalldatenmanagement aufgenommen, nach Unfalltypen zugeordnet und örtlich codiert.

Genutzt werden kann dieses Wissen aber nur von offiziellen Behörden. Ziviltechniker, Hochschulen oder gerichtliche Sachverständige – also jene Personengruppen, die forschen und Zusammenhänge erkennen könnten – haben keinen Zugriff auf diese Daten. „Hier müssten die Synergien viel stärker genutzt werden. Die Expertise der Gerichtssachverständigen sollte gezielt auch für die Aufklärung von Unfallursachen und Unfallstellen eingesetzt werden“, sagt Pfleger.

Die Experten fordern außerdem, dass auch Straßenmeister und deren Mitarbeiter stärker aktiv in die Herstellung von Sicherheit eingebunden werden. „Oft passieren Unfälle nur, weil zum Beispiel eine Hecke zu hoch geworden ist und daher das Blickfeld eingeschränkt ist“, sagt Gerichtssachverständiger Gerhard Kronreif. Im Zuge eines Projektes des Verkehrsministeriums wurden Straßenmeister bereits in Workshops für Sicherheit geschult. So kann ihr Wissen in die Verkehrsplanung mit einbezogen werden. Die Unfallforscher des EVU wollen diese Workshops ausweiten und in regelmäßigen Abständen weiterführen. Finanziell würde sich dieser relativ geringe Aufwand definitiv lohnen.

Immenser Schaden

Die volkswirtschaftlichen Kosten für Unfälle mit Personenschaden betragen in Österreich jährlich 1,6 Milliarden Euro. Lässt man zusätzlich noch das menschliche Leid in die Kostenrechnung einfließen, sind diese Unfallkosten sogar 6,1 Milliarden Euro hoch.

Diese immensen Summen kommen zusammen, wenn man alle volkswirtschaftlichen Komponenten addiert. So fließen nicht nur Kosten für Rettung, Polizei und medizinische Behandlungen in die Berechnung ein, sondern auch der Verlust von Leistungspotenzial der Verletzen oder Getöteten und deren Angehöriger.

Eine weitere wichtige Säule für mehr Verkehrssicherheit sehen die Forscher in der Lenkerausbildung. Derzeit spielt die Gefahrenlehre beim Führerschein eine untergeordnete Rolle. Eine Evaluierung der Tiroler Fahrschule Sappl zeigte jedoch, dass gerade die Hochrisikogruppe der jungen Lenker starke Defizite bei der Gefahrenwahrnehmung aufweist. Dabei sind 25,4 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle auf Unachtsamkeit und Ablenkung zurückzuführen.

Aktuelles in Zahlen

410 Tote gab es im Jahr 2019 auf Österreichs Straßen. Im Jahr davor war es einer weniger.

3,3 Millionen Euro gehen durch jeden Verkehrstoten der Volkswirtschaft verloren.

42 Prozent dieser Summe ergeben sich allein durch den Ausfall des Leistungspotenzials.

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