Wegen neuem Windpark-Projekt: Gratisstrom für alle in Dürnkrut gefordert
Der Windpark-Betreiber WEB Windenergie AG muss sich bei der heutigen Hauptversammlung seiner Aktionäre mit einem überraschenden Antrag beschäftigen.
Einer der Aktionäre der Firma, wohnhaft in Dürnkrut, hat einen „Gegenantrag“ eingebracht: „Verwendung eines Teils des Bilanzgewinns (rund 565.000 Euro = 3,6 Prozent des Bilanzgewinns) für Gratisstrom (5.000 kwh pro Jahr) für alle Haushalte der Marktgemeinde Dürnkrut.“
Hier finden Sie die Anträge für die 27. ord. Hauptversammlung der WEB Windenergie AG am 29.05.2026
Kein Nutzen für Dürnkrut
„Ich bin kein Gegner der Windkraft“, betont Alois Leidwein zu Beginn des Gesprächs mit dem KURIER, deshalb sei er auch Aktionär geworden. Dürnkrut nahe der slowakischen Grenze im Bezirk Gänserndorf, erzählt er, habe bereits sieben Windkraftanlagen, rund einhundert stehen insgesamt in den Nachbargemeinden, und nun will die WEB weitere 17 Anlagen errichten.
„Die Windparks bringen für die Anwohner, bis auf wenige Ausnahmen, keinen Nutzen, sondern führen im Gegenteil zu visuellen Beeinträchtigungen des Luftraums, Störung des Landschaftsbildes durch Windrad-Plantagen und mehr Verkehr“, schreibt Leidwein in seinen Antrag.
Ihn erinnere das Vorgehen der Windparkbetreiber an „Öko-Kolonialismus“: Die Vorgangsweise der Öko-Konzerne (nicht nur der WEB) entspreche dem „Modell der Kolonialgesellschaften des 17. bis 19. Jahrhunderts“.
Vorwurf Kolonialismus
Wie er die scharfe Kolonialismus-Kritik erklärt? „Damals wurde etwa den amerikanischen Ureinwohnern ihr Land billig abgekauft, sie zu Christen konvertiert, nur hatten sie von alldem nichts – außer einer verschandelten Landschaft und dem Versprechen, in den Himmel zu kommen“, sagt der Dürnkruter.
Er befürchtet, dass das Vorgehen der Windparkbetreiber, nicht nur der WEB, auch der Grund sei, warum Windparks in Österreich so oft abgelehnt werden – weil „alles zugepflastert wird, und keiner in der Region was davon hat.“ Denn auch die günstigen Strompreise, die den Gemeinden von den Windkraftbetreibern angeboten werden, seien vergleichsweise gar nicht so toll.
Dass sein Antrag auf Gratis-Strom für alle Dürnkruter wenig Chancen hat, ist Leidwein bewusst. Es geht ihm eher darum, das einmal zu thematisieren.
Auf KURIER-Nachfrage erklärte die Pressestelle der WEB, das Unternehmen beruhe von Anfang an auf Bürgerbeteiligung, die 7.000 Aktionäre seien überwiegend Bürger aus Niederösterreich – und Bürger würden bei allen Projekten in Form von Informationsabenden oder Bürgerbeteiligungsprozessen eingebunden.
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