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Chronik Österreich
07/18/2019

Warum Menschen auf Hütchenspieler hereinfallen

Eine Psychologin erklärt, warum die Opfer der Trickbetrüger bei dem Spiel, obwohl sie wissen, dass sie verlieren werden.

von Birgit Seiser

In dieser Geschichte erfahren Sie...

  • ... wie uns Trickbetrüger wider besseren Wissens dazu verleiten um hohe Summen zu spielen. 
  • ... woher die meisten dieser Trick-Banden kommen.
  • ... auf welche Tricks Sie im Ausland aufpassen müssen. 
  • ... und wie Sie ihnen entgehen. 

Eine Menschentraube hat sich auf der Mariahilfer Straße rund um einen jungen Mann versammelt, der am Boden hockt. Blitzschnell verschiebt er kleine Becher mit einer Kugel darunter, es dauert nicht lange, bis die ersten Zuschauer 50-Euro-Scheine zücken. Und das, obwohl eigentlich hinlänglich bekannt ist, dass man beim Hütchenspielen nicht gewinnen kann.

Beim KURIER-Lokalaugenschein wirkt es aber, als ob einige sehr wohl Glück hätten. Doch der Schein trügt: Meist sind es nur ein oder zwei Personen, die nichts ahnend den Betrügern auf den Leim gehen. Die vielen anderen Zuschauer und Mitspieler gehören zur Bande. Drei bis fünf Personen werden als Lockvögel eingesetzt. Zunächst "spielen" sie und gewinnen. Ihre Einsätze sind rund 50 bis 100 Euro hoch und werden in wenigen Minuten verdoppelt oder verdreifacht.

Fingerfertig

Hat man sich dann entschieden mitzuspielen, gewinnt man beim ersten Spiel auch. Danach sind die einzigen Gewinner aber die Hütchenspieler, die ihre Masche so perfektioniert haben, dass sie die Kugel unter der Nussschale oder dem Hütchen erst nach der Auswahl des Spielers unbemerkt vertauschen. Obwohl diese Masche auf der ganzen Welt bekannt ist, lassen sich immer wieder Menschen darauf ein. Den Grund dafür kann Izabela Horodecki von der Spielsuchthilfe erklären: "Beim Hütchenspielen ist es das Gleiche wie zum Beispiel bei Automaten oder beim Roulette. 

Es gibt zunächst den Reiz, am Geschehen teilzuhaben. Die angeblichen Gewinne der Mitspieler fixen einen noch weiter an.

Izabela Horodecki | Spielsuchthilfe

Die Erfahrung zeigt der Psychologin, dass dieser Reiz von sozialen Schichten oder der Ausbildung unabhängig ist. "Gerade beim Hütchenspielen kommt noch dazu, dass es nicht nur vom Glück, sondern eigentlich auch vom Geschick abhängt. Man muss ja erkennen, unter welcher Nussschale die Kugel liegt. Da bekommt man das Gefühl, man wäre den Betrügern überlegen", sagt Horodecki.

Auch der Vergleich zum Lottospielen ist nicht weit hergeholt. "Das ist ähnlich. Man weiß, dass es nur sehr geringe Chancen gibt zu gewinnen, aber man hofft, dass man eben mehr Glück hat als die anderen." Im Jahresbericht der Spielsuchthilfe kamen 2018 Spielsüchtige zu Wort. Einer erklärt den Reiz so: „Spielrausch ist die Zeitphase, wo der Kopf sagt ‚Geh’ ma nach Hause‘ und der Körper nicht regiert. Man will nach Hause, weil man schon genug verspielt oder gewonnen hat und man es mitnehmen könnte. Die Kontrolle funktioniert aber nicht.“ In abgeschwächter Form passiert das auch beim Hütchenspielen.

Banden kamen zurück

Als der KURIER auf der Mariahilfer Straße die Hütchenspieler beobachtet, fahren auch immer wieder Streifenwagen der Polizei vorbei. Sehen die Betrüger einen solchen, machen sie sich schnell aus dem Staub. Das ist auch der Grund, warum sie sich meistens im Umfeld von U-Bahn-Stationen aufhalten. Droht eine Kontrolle, flüchten sie in verschiedene Richtungen und sind später nur schwer zu finden.

Die Stadt Wien führt gemeinsam mit der Polizei seit Jahren Schwerpunktkontrollen durch, um die Banden, die meist aus Osteuropa kommen, zu vertreiben. Im vergangenen Jahr konnte man sie dadurch aus der Stadt fernhalten. Doch solange es Menschen gibt, die auf die Masche hereinfallen, werden die Betrüger wohl weiter nach Wien kommen.

Info: Andere Länder, andere Betrugsmaschen

Gerade in einem fremden Land als Urlauber ist man für Betrüger ein leichtes Opfer. Der KURIER erklärt, wie man sich schützen kann.

Der Pannen-Trick
In vielen südlichen Urlaubsländern beliebt ist der sogenannte Pannen-Trick. Oft werden Frauen mit Kindern an den Straßenrand gestellt und eine Panne wird vorgetäuscht. Bleibt man dann netterweise  stehen, um zu helfen, werden einem meist abenteuerliche Geschichten erzählt. Währenddessen räumt  ein Komplize das Auto aus. Ähnlich funktioniert der Trick mit einer vermeintlichen Warnung. Betrüger winken einem aus einem dahinter fahrenden Auto zu, denn es  würde Rauch aus dem Auto qualmen. Hält man an, bedienen sich die Kriminellen an den Wertsachen im Wagen.

Die Reifenstecher
Diese Masche wird vor allem in Italien, Slowenien und Ungarn angewendet, wohin  Österreicher gerne mit dem eigenen Auto reisen. Kriminelle spähen auf Raststationen  abgestellte Autos aus und stechen ein kleines Loch in die Reifen. Wenn die Reise weitergeht, entweicht die Luft nur langsam und die Betrüger folgen dem Fahrzeug, bis es einen „Platten“ hat. Während der angebliche Pannenhelfer mit dem Lenker redet, stiehlt ein anderer die Wertgegenstände aus dem Pkw. Mobiltelefone und Geldbörsen sollten daher beim Aussteigen immer am Körper getragen werden.

Der Blumen-Trick
Man ist auf Urlaub und plötzlich reicht einem eine nette Dame eine Blume. Will man diese zurückgeben, werden die Frauen dann böse  und verlangen Geld. Viele Touristen wollen dann Kleingeld  bezahlen.  Auf diesen Moment warten die Betrügerinnen. Während man in der Geldbörse stöbert, wird man abgelenkt und ein Komplize greift in die Geldtasche. Diese Masche umgeht man am besten, indem man versucht, Blumen von vorne herein nicht anzunehmen. 

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