Chronik | Österreich
18.07.2018

Wiener-Linien-Chefin: "Ich kann ja keine Duschen verteilen"

Alexandra Reinagl erklärt im "Warum eigentlich?"-Video-Interview, warum das "Kebabverbot" ab Herbst notwendig sei.

Seit Samstag sind Kebab und Leberkäse-Semmel in aller Munde – vor allem im übertragenen Sinn. Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) gab nämlich bekannt, dass das Essen „stark riechender Speisen“ in der Linie U6 ab Herbst verboten wird. Die Reaktionen der Fahrgäste fielen unterschiedlich aus. Während sich viele Wiener bei einer KURIER-Umfrage in der Station Spittelau über diesen neuen Punkt der Hausordnung freuten, fanden andere die neue Regel unnötig.

Die Geschäftsführerin der Wiener Verkehrsbetriebe, Alexandra Reinagl, hat dem KURIER jetzt erklärt, warum die Neuerung notwendig ist: „Wir machen laufend Erhebungen, bei denen wir untersuchen, ob sich unsere Fahrgäste wohlfühlen. Die zwei größten Störfaktoren bei der letzten Untersuchung waren Hitze und unangenehme Gerüche in den Garnituren.“

Da aber nicht nur Essen als Quelle besagter Gerüche ausgemacht wurde, wurden am Montag in der Station Josefstädter Straße auch Gratis-Deos verteilt. Fühlten sich die Fahrgäste dadurch beleidigt? „Nein, alle haben sich gefreut. Wir haben jedes Jahr eine Aktion, bei der wir im Sommer Goodies verteilen. Dieses Jahr waren es eben Deos“, sagt Reinagl. Auch gründliche Körperhygiene würde gegen Körpergeruch helfen, aber: „Ich kann ja keine Duschen verteilen“, scherzte die Wiener-Linien-Chefin.

Zugunsten der Tarife

Hinter dem Essens-Verbot stünde allerdings auch ein wirtschaftliches Interesse: „Die Reinigungskosten sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Wenn wir da einsparen können, ist das zugunsten unserer günstigen Tarife.“ Hart durchgreifen wolle man bei der Einhaltung der neuen Regel aber ohnehin nicht. So wie es bereits jetzt mit dem Alkoholverbot gehandhabt werde, setze man auf Ermahnungen, sagt Reinagl: „Gestraft wird erst, wenn sich jemand unseren Kontrolleuren widersetzt.“