Jörg Haider und Peter Ambrozy haben das Bündnis ausgehandelt

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Chianti-Koalition
02/27/2016

Vor zehn Jahren endete der Tabubruch

Am 28. Februar 2006 kündigte Gaby Schaunig den Pakt auf. Die SPÖ-"Baumeister" des damaligen Bündnisses stehen zur Entscheidung.

von Thomas Martinz

Und Prost! Zwölf Jahre ist es her, dass Jörg Haider (FPÖ) und Peter Ambrozy (SPÖ) mit einem Glas Chianti Classico auf eine blau-rote Zusammenarbeit anstießen, die einen Tabubruch in der Politlandschaft bedeutete. Zwei Jahre später, am 28. Februar 2006, war die sogenannte Chianti-Koalition bereits gescheitert. Der KURIER sprach zehn Jahre danach mit Zeitzeugen:

"Wie kann man nur zu einem Wiener Schnitzel Grünen Veltliner trinken?", hatte Haider über Ambrozy kurz vor dem Urnengang bei der Landtagswahl 2004 noch geätzt. Wenige Tage später besiegelte man dann doch mit Wein – allerdings mit einem roten – ein Bündnis, das angesichts des Wählerwillens (die FPÖ erreichte 42 Prozent, die SPÖ 38 Prozent) logisch scheint, damals allerdings als "No-Go" galt.

"Die SPÖ stand vor der Wahl: wollen wir schmollen oder mitgestalten? Ich habe das Bündnis mit Haider als positiven Akt gesehen und stehe dazu", sagt Ambrozy. Als einer der "Baumeister" dieses Bündnisses gilt auch Gerhard Mock (SPÖ). "Ich hatte einen Draht zu Haider – wie viele SPÖ-Politiker, die heute nichts mehr davon wissen wollen", betont der 62-Jährige, damals wie jetzt Bürgermeister von St. Veit an der Glan. "Wir haben einige Deals für die SPÖ vereinbart, konnten mitgestalten. Und wir waren uns sicher, dass wir in einer Koalition diese Burschen von der FPÖ einbremsen können." Die SPÖ blieb jedoch gespalten und wählte im Herbst 2005 eine neue Vorsitzende: Gaby Schaunig.

"Das Schlimmste"

"Ich war am SPÖ-Parteitag und hab’ den Jörg angerufen, weil das Schlimmste eingetreten ist", berichtet Stefan Petzner, damals Pressesprecher Haiders. "Uns war klar: wenn Schaunig kommt, ist das der Anfang vom Ende der Chianti-Koalition. Ambrozy war verlässlich, Schaunig nicht. Ich bekam den Auftrag, die ‚Quakente‘ (Haiders Bezeichnung für Schaunig, Anm.) politisch zu beseitigen", erinnert sich Petzner.

Dieses Vorhaben scheiterte, Schaunig beendete am 28. Februar 2006 die Chianti-Koalition – zum Gaudium der Presse ausgerechnet an einem Faschings-Dienstag. Zu den Gründen des geplatzten Paktes gibt es inzwischen unterschiedliche Aussagen: 2006 war von einem Streit zwischen Haider und Schaunig über die Einführung einer Geburtenprämie die Rede. Das damalige Regierungsmitglied Gerhard Dörfler sagt nun, Sozialreferentin Schaunig hätte Fördergelder für ein Sozialprojekt, die Comenius-Schule mit Heimbetreuung in Techelsberg, blockiert. Schaunig selbst sieht "keinen Grund, diese Geschichte aufzuwärmen. Die Gegenwart zeigt uns ja, dass die Entscheidung, die FPÖ-Politik nicht mehr mitzutragen, richtig war."

FPÖ legt wieder zu

Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sora befindet sich die FPÖ, die 2013 bei der Landtagswahl auf 17 Prozent abstürzte, wieder im Höhenflug. Die Partei könnte demnach auf 26 Prozent zulegen. SPÖ (von 37 auf 39 Prozent), ÖVP (14) und Grüne (von 12 auf 13 ) bleiben laut der Erhebung konstant. Das Team Stronach (von 11 auf 2) und das BZÖ (von 6 auf 1) wären im Sinkflug, die Neos erreichen laut Sora 4 Prozent.

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