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Chronik Österreich
03/07/2020

Von Afghanistan nach Österreich geflüchtet: Weiblich, gebildet, arbeitslos

Frau Akbary wollte es für sich und ihre Kinder in Europa besser haben. Nun lebt sie seit sechs Jahren in Österreich, findet aber trotz Studienabschluss und gutem Deutsch keine Arbeit.

von Laura Schrettl

Früher war ihr Leben perfekt, erzählt Frau Akbary. Sie hatte einen guten Job, ein gutes Leben. Doch dann hat sich alles geändert. Wenn sie ohne männliche Begleitung einkaufen war, musste sie sich rechtfertigen. Sie durfte nicht mehr arbeiten, sondern musste zu Hause bei den Kindern bleiben. Ihre Tochter durfte nicht studieren.

Irgendwann war es Akbary einfach zu viel. Sie hat sich entschlossen, aus Afghanistan zu flüchten. Vor sechs Jahren hat sie sich mit ihren drei Kindern auf den Weg nach Europa gemacht, ihr Mann wusste davon nichts. Akbary schloss sich einer Gruppe von zehn Personen an, niemanden in der Gruppe kannte sie. Um nach Europa zu kommen, hat sie viel Geld bezahlt, aber das war es ihr Wert. Denn sie wusste: in Europa haben es Frauen besser. Akbary hat seit vier Jahren Asyl in Österreich. Die aktuelle Situation der Flüchtlinge in Griechenland hat nun eine neue Debatte ausgelöst. Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) will keine neuen Flüchtlinge aufnehmen. Auch keine Frauen und Kinder.

Für Freiheit und Emanzipation nach Europa

Akbary kam 2014 nach Österreich, also noch vor der großen Fluchtbewegung, die ihren Ausgang im Jahr 2015 genommen hat. Dass sie sich schlussendlich entschieden hatte zu flüchten, liegt an ihrem Mann, erzählt die heute 54-Jährige.

„Ich hatte sehr viele Probleme mit meinem Mann. Es war schwer. Das Leben mit ihm war nicht schön“, erzählt sie. Mehr will sie dazu nicht sagen. „Sonst träume ich wieder schlecht“, sagt Akbary. Zu ihrem Mann hat sie keinen Kontakt mehr. Er weiß bis heute nicht, wo sie jetzt lebt.

Die Integrationsministerin möchte – wie sie bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Herausforderungen und Chancen in der Integration von Frauen" des Österreichischen Integrationsfonds am Donnerstag sagte – „den Frauen, die aus anderen Kulturen zu uns kommen, zeigen, was sie für Chancen in Österreich haben“. Und dass hier, in Österreich, kein so starkes Patriarchat herrsche.

Das Wichtigste: Sprache und Arbeitsstelle

Wichtig für die Integration geflüchteter Frauen sind laut Katharina Pabel, Vorsitzende des im Außenministerium angesiedelten Expertenrat für Integration, die Sprache, eine Arbeitsstelle und die soziale Integration in die Gesellschaft. Dass schnell die Qualifikation festgestellt und die Sprache erlernt wird, sei besonders für geflüchtete Frauen wichtig. „Der Zugang zur Arbeitswelt ist auch der Schlüssel zur österreichischen Gesellschaft“, sagt Pabel. Ganz abgesehen davon, dass Arbeit auch die Pensionen sicherstellt und Frauen unabhängig macht.

Akbary hat an der Universität Kabul ein Studium der Land- und Agrarwirtschaft abgeschlossen und spricht vier Sprachen; nach sechs Jahren in Österreich ist auch ihr Deutsch schon gut. Sie hat Praktika im Verkauf und als Küchenhilfe gemacht.

Eine fixe Stelle hat sie aber noch keine gefunden. Oft seien ihr die gearbeiteten Stunden nicht entsprechend bezahlt worden oder sie konnte nicht fix bleiben, erzählt sie. Dabei werde sie oft zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, meistens gebe es aber Bewerber, die besser Deutsch sprechen als sie.

Daher arbeitet Akbary nun freiwillig im CORE-Zentrum und hilft anderen geflüchteten Frauen: beim Deutsch lernen, bei der Suche nach einem Arzt oder wie man als Frau aus der klassischen Rollenverteilung ausbrechen kann. Sie hält regelmäßig Frauentreffen und Deutschkurse ab. In einer Whatsapp-Gruppe mit mehr als sechzig – großteils afghanischen – Frauen werden auch Probleme besprochen. Und die unterscheiden sich nicht sehr von denen österreichischer Frauen. Es geht vor allem darum, wie man Arbeit, Kinder und die Partnerschaft unter einen Hut bringt.

Das CORE Zentrum der AWZ Soziales Wien GmbH bietet integrationsfördernde Aktivitäten und hilft damit bei der Teilhabe von Personen mit Fluchthintergrund in der Gesellschaft. Veranstaltet werden derzeit etwa Alphabetisierungskurse, Lernunterstützung in Deutsch, IT-Kurse, sowie Frauentreffs.

Hier finden Sie alle Informationen.
 

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