Chronik | Österreich
15.08.2018

Verkauf von Hanf-Pflanzen soll verboten werden

Die Regierung will den Verkauf von Hanf-Pflanzen verbieten. Einschlägige Händler wollen aber nicht so leicht aufgeben.

Mehr als 70 Unternehmer könnten in Österreich bald vor dem Aus stehen. Der Grund ist eine geplante Gesetzesänderung in Sachen Cannabis. Die Blauen wollen nämlich die Grauzonen im grünen Gewerbe ausmerzen: Der Verkauf von Hanf-Pflanzen soll endgültig illegal werden.

Sogenannte Head- und Growshops leben vom Handel mit Stecklingen und Samen. Noch ist das legal, solange die Pflanze nicht blüht und damit das berauschende THC produziert. Dass die Kunden sich aber nicht nur am schönen Aussehen der Zierpflanzen erfreuen, ist ein offenes Geheimnis. Wann genau die Gesetzesänderung umgesetzt werden soll, ist noch unklar, aber: „Innerhalb der Legislaturperiode auf jeden Fall noch“, sagt Josephine Raimerth, die Sprecherin von Justizminister Josef Moser, dem KURIER.

Keine Steuermillionen

Während international der Trend hin zu einer Entkriminalisierung von Cannabis geht, will die Regierung also in die entgegengesetzte Richtung. Der größte Cannabis-Bauer Österreichs, Flowery Fields, lagerte sein Geschäft deshalb vor Kurzem nach Italien aus. Laut dem Besitzer Alexander Kristen wäre es in Österreich einfach nicht möglich, als Unternehmen weiter zu wachsen. Italien ist liberaler: Seit 2017 ist der Anbau von Pflanzen mit einem THC-Gehalt von bis zu 0,6 Prozent erlaubt. Ohne Einschränkung legalisiert wurde Cannabis vor Kurzem in Kanada. Auch in einigen US-Bundesstaaten wurde das grüne Kraut legalisiert. Das kommt vor allem den öffentlichen Kassen zugute. Die Steuereinnahmen durch Cannabis sind mittlerweile höher als jene durch Alkohol.

Anstatt Geld einzubringen, könnte ein Verkaufsverbot den Staat sogar sehr viel Geld kosten. Das gibt auch der Inhaber des Growshops Topf & Kopf, Thomas Bauer, zu bedenken: „Die Kosten für diverse Verfahren werden in die Höhe schnellen. Stattdessen könnte man durch eine Legalisierung erhebliche Steuereinnahmen lukrieren. Generell ist es sehr schade, zu sehen, dass unsere Regierung mehr und mehr Schritte in die Vergangenheit als in die Zukunft macht.“ Laut einer Studie des Gewächshausherstellers Seedo würde Österreich bei einer Legalisierung ein Plus von 200 Millionen Euro an Steuergeldern verbuchen können.

Konsumverhalten

Der Regierung ist der Kampf gegen Drogenkonsum offensichtlich mehr wert. Branchenvertreter sind sich aber sicher, dass ein Verbot keine Wirkung im Konsumverhalten zeigen wird. „Wenn man die Pflanzen nicht mehr selbst züchten kann, wird es zu gesteigerter Beschaffungskriminalität auf den Straßen kommen. So kommt man wiederum leichter mit anderen Drogen in Kontakt“, sagt Drazen Kolundzija. Er betreibt seit 15 Jahren den Growshop Hanf & Hanf in der Lassallestraße in Wien.

Rund 300.000 Wiener rauchen regelmäßig Cannabis. Österreichweit wird die Zahl der Konsumenten auf 1,2 Millionen Menschen geschätzt. „Die heimische Politik wir den Trend nicht umkehren können. Die Folge eines Verbots wäre, dass es keinen Jugendschutz mehr gibt. Wir achten streng darauf, nur an Kunden ab 18 Jahren zu verkaufen. Bei illegalen Geschäften ist das natürlich nicht so“, sagt der Growshop-Betreiber.

Kreative Grauzonen

Wird das Gesetz realisiert, will Kolundzija sein Geschäft in kleinerer Form weiterführen. Die Growshops verdienen nicht nur mit den Pflanzen, sondern auch mit Zubehör für die Zucht und mit Rauch-Utensilien ihr Geld. Diese zu verbieten ist praktisch unmöglich, schließlich kann man mit einem Pfeifchen auch Tabak rauchen. Solche „kreativen Lösungen“ würden sich auch bei einem Verkaufsverbot finden, sind sich die Angestellten des Growshops Bushplanet in der Mariahilfer Straße sicher. Sollte die Regierung den Handel mit Hanfsamen verbieten, will man eben „Vogelfutter“ auf die Etiketten schreiben. „Wenn es Möglichkeiten gibt, sollten sie auf jeden Fall genutzt werden“, meint auch Growshop-Inhaber Bauer.

Rechtliche Lage

Anbau: Beim Anbau  von Hanfpflanzen kommt es in Österreich auf den Zweck an: Besteht der Vorsatz, die Pflanzen zum Blühen zu bringen und das Harz zu verarbeiten, ist das illegal. In der Blüte entwickelt die Pflanze  den berauschenden  Stoff THC (Tetrahydrocannabinol).

CBD: Im Gegensatz zum THC ist der  in Hanf enthaltene  Stoff Cannabidiol (CBD)  nur in sehr geringem Maß berauschend. CBD soll    entzündungshemmend, entkrampfend und angstlösend wirken, weswegen es in der Medizin eingesetzt wird. Der Verkauf von Hanfblüten für den Konsum von CBD befindet sich in einer rechtlichen Grauzone. Bisher dürfen die Blüten einen THC-Gehalt von 0,3 Prozent nicht überschreiten, was in der Praxis schwierig zu züchten ist.