Chronik | Österreich
26.11.2018

Vassilakous Erben rittern um die Krone bei den Grünen

Heute fällt die Entscheidung um die neue Nummer Eins. Sie könnte bis tief in die Nacht dauern.

Es wird eine lange Nacht für die Wiener Grünen. Heute, Montag, wird spätabends feststehen, wer Maria Vassilakou als Spitzenkandidatin, Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin nachfolgen wird.

Bis 17 Uhr müssen alle Stimmzettel der Briefwahl eingelangt sein. Für Spätentschlossene gibt es am Montag noch ein Wahllokal vor der Parteizentrale in der Lindengasse im siebten Bezirk.

Die Spitzenkandidaten im Rückblick

Die Spitzenkandidaten der Wiener Grünen im Rückblick

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Maria Vassilakou: 2005, 2010, 2015

Am 20. Juni 2004 wählt die Landesversammlung der Wiener Grünen Maria Vassilakou zur Spitzenkandidatin für die Gemeinderatswahlen 2005. Sie wird 2010 bestätigt und schmiedet mit Michael Häupl (SPÖ) die erste rot-grüne Koalition auf Landesebene. 2015 lag Vassilakous Ergebnis (94,29 Prozent der Stimmen) unter jenem von 2010.

Christoph Chorherr: 2001

Bei der Wien-Wahl 2001 führt Christoph Chorherr die Öko-Partei als Spitzenkandidat in den zweistelligen Ergebnisbereich. Der nunmehrige Gemeinderat hat angekündigt, sich bis Jahresende aus der Politik zurückzuziehen.

Peter Pilz: 1991, 1996

1991 gelingt den Wiener Grünen der Einzug in den Gemeinderat. Klubobmann wird der Spitzenkandidat und bisherige Nationalratsabgeordnete Peter Pilz.

Friedrun Huemer: 1987

1987 treten die Grünen erstmals bei der Wiener Gemeinderatwahl an. Spitzenkandidatin ist die Schulpsychologin Friedrun Huemer. Die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Rathaus wird knapp verfehlt.

Gleich fünf Kandidaten gingen ins Rennen um die Vassilakou-Nachfolge: Favoriten sind Klubobmann David Ellensohn und die beiden Gemeinderäte Birgit Hebein und Peter Kraus. Nur geringe Außenseiterchancen haben der Meidlinger Bezirksrat Benjamin Kaan und die Ärztin Marihan Abensperg-Traun.

Wer das Rennen macht, ist schwer vorherzusehen, betreten doch die Grünen mit dem Wahlmodus völliges Neuland. Insgesamt haben sich 3397 Personen für die Abstimmung registrieren lassen.

1548 sind grüne Parteimitglieder, 1849 externe Wähler, die sich gegen eine kleine Gebühr haben anmelden lassen. Vor allem das Stimmverhalten der zweiten Gruppe lässt sich kaum prognostizieren.

Wahlmodus

Hinzu kommt der komplizierte Wahlmodus: Der Sieger braucht eine einfache Mehrheit (mindestens 50 Prozent plus eine Stimme). Als Alternative zu einer allenfalls nötigen Stichwahl geht man nach dem „Instant-Runoff-System“ vor.

Das heißt, die Wähler können nicht nur ihren Favoriten auf den Wahlzettel schreiben, sondern auch die anderen Bewerber je nach Präferenz reihen.

Bei der Auswertung werden zuerst die Erststimmen gezählt. Gibt es dann noch keinen klaren Gewinner, scheidet jener Kandidat mit den wenigsten Erststimmen aus. Von diesem bei Seite genommenen Stapel kommen nun die Zweitstimmen zum Zug, sie werden je nach Nennung den verbliebenen Bewerbern als Erststimme zugerechnet.

Dieses Prozedere wird so lange wiederholt, bis der Sieger eindeutig feststeht. Das Ergebnis soll nach der Auszählung noch am Montagabend oder in der Nacht bekannt gegeben werden. Voraussichtlich wird sich der Sieger erst am Dienstag der Öffentlichkeit präsentieren.

Während der Sieger gleich automatisch die parteiinterne Nummer eins ist, ist noch offen, wann er Vassilakou auch als Stadträtin nachfolgt.

Das will sie mit ihrem Nachfolger vereinbaren, kündigte sie im KURIER-Interview an. Bis spätestens Sommer 2019 wird sie sich jedenfalls aus der Stadtregierung zurückziehen.