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Chronik | Österreich
05/19/2019

Unwetter-Versicherer: Kaum ein Jahr ohne neuen Wetter-Rekord

Mario Winkler von der Hagelversicherung erklärt, wie Landwirte die Wetter-Veränderungen spüren.

KURIER: Wie zeigen Ihre Wetter-Daten, was hat sich verändert?

Mario Winkler: Es vergeht kaum mehr ein Jahr in dem wir keinen Rekord brechen, ‚Der heißeste Monat der Messgeschichte‘, ‚Die längste durchgehend heiße Phase‘, ‚Niederschlagsärmste Jahreszeit‘. Das ist nicht nur gefühlt so, sondern durch Wetterdaten auch belegt. Ende April 2019 ging die wärmste 12-monatige Phase der über 250-jährigen Messgeschichte zu Ende. Die Zahl der Hitzetage über 30 °C steigt seit vielen Jahren an. Es wird immer wärmer und die Vegetation beginnt im Durchschnitt um 14 Tage früher. Die Niederschläge in den letzten Tagen führten zumindest zu einer Entspannung bei der Dürre.

Gibt es mehr Wetterextreme? Hat sich durch das Wetter der Ertrag der Äcker über einen langen Zeitraum geändert?

Was früher als sogenanntes Jahrhundertereignis galt, tritt mittlerweile in immer kürzeren Abständen und mit stärkerer Intensität auf. Bemerkenswert ist aber die Risikovielfalt. Galt früher der Hagel als das Hauptrisiko, wird er nun begleitet von Überschwemmungen, Sturm, Frost, Dürre etc. Wir hatten in den vergangenen fünf Jahren vier extreme Dürrejahre mit Schäden über 200 Millionen Euro in der Landwirtschaft. Natürlich hinterlässt die Dürre auch Spuren beim Ertrag, bei Getreide und Grünland. Überschwemmungsschäden haben zugenommen. Grund ist auch die Bodenversiegelung, weil kein Wasser mehr aufgenommen werden kann. Generell wirkt sich der Bodenverbrauch auf die Aufrechterhaltung der heimischen Ernährungssouveränität aus. Haben wir doch beim Getreide nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 86 Prozent, bei Obst und Gemüse nur mehr 50 Prozent.

Was sagen die Landwirte, die Kontakt mit Ihnen haben?

Unwetterbedingte Schäden hat es schon immer gegeben. Aber sie traten nicht in so kurzen Abständen und mit einer derartigen Intensität auf. Die Folge für die betroffenen Landwirte: kein Ertrag bedeutet kein Einkommen. Das belastet Landwirte auch psychisch enorm. Manche Regionen werden fast jährlich von Hagel, Überschwemmungen oder Dürre heimgesucht.