Zufallsfund in NÖ: Klimawandel bringt Giftpilz auf Maisfelder
Ein giftiger Schimmelpilz konnte auf einem Maisfeld in Tulln der BOKU nachgewiesen werden. Das kam selbst für die Forscher überraschend (Symbolbild).
Aflatoxin B1 – so heißt das Gift, das 2024 von einer Forschungsgruppe der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) auf einem Maisversuchsfeld im Bezirk Tulln gefunden wurde. Es zählt zu den krebserregendsten Substanzen, die von der Natur ausgebildet werden.
Eigentlich wollte man auf dem Tullner Maisfeld im Rahmen einer Dissertation des BOKU-Studenten Patrick Rennhofer den Einfluss des Klimawandels auf die Reproduktion von Schimmelpilzen untersuchen. Was man stattdessen feststellen musste, kam für die Forschenden unerwartet.
Überraschender Fund
„Aflatoxin jetzt auch wirklich auf einem Feld in Österreich zu finden, war für uns sehr überraschend“, betont Studienleiter Stephan Freitag vom Institut für Bioanalytik und Metabolomics gegenüber dem KURIER.
Normalerweise käme der Schimmelpilz „Aspergillus flavus“, der die Aflatoxine produziert, nur in weiter südlich gelegenen Ländern, beispielsweise in Afrika, vor. Dass man diesen Schimmelpilz nun auch auf einem Maisfeld in Niederösterreich nachweisen konnte, sei bezeichnend für die klimatischen Veränderungen im Land. „Es ist ein Weckruf seitens der Lebensmittelsicherheit, dass der Klimawandel nicht nur bekämpft gehört, sondern dass wir uns in mit trockenresistenten Pflanzen adaptieren müssen“, erklärt Rudolf Krska, Leiter des Institutes für Bioanalytik an der BOKU.
Der Pilz Aspergillus flavus produziert die krebserregenden Aflatoxine - hier auf einer Agrarplatte unter dem Mikroskop.
„Wenn Aflatoxin auf diesem Feld in Niederösterreich vorkommt, wird es auch in anderen Bundesländern vorkommen.“ Das sei vor allem für vulnerablere Bevölkerungsgruppen wie Kinder, ältere Personen oder Menschen, die an Hepatitis B erkrankt sind, gefährlich, denn das Gift könne Leberkrebs hervorrufen. Zudem docke es an die DNA an, was zu weiteren chronischen Krankheiten führen könne.
Gift wird für Tier und Mensch zum Problem
In den menschlichen Körper gelange das Gift beispielsweise durch das Trinken von Kuhmilch. In der Milchkuh werde Aflatoxin nämlich verstoffwechselt und käme folglich auch in der trinkfertigen Milch vor. Frisst eine Kuh nun also von den Giftzellen befallenes Maisfutter, so wird Aflatoxin B1 nicht nur für das Tier, sondern auch für den Menschen zum Problem.
Der Schimmelpilz verbreitet sich laut Krska durch Sporen über Wind oder mit Regen. Klimatische Veränderungen begünstigen die Ausbreitung. „Man muss allerdings davon ausgehen, dass sich diese Pilze ohnehin schon in Niederösterreich verbreitet haben“, führt Krska auf Nachfrage des KURIER aus. „Ob sie sich weiter ausbreiten und wie sich das auswirkt, wird sich zeigen.“
Patrick Rennhofers Forschung auf dem Feld in Tulln brachte die überraschende Erkenntnis.
Jedenfalls müsse sich Europa mit Kontrollen auf diese Belastung einstellen, denn die Klimakrise sei da, um zu bleiben. Es brauche bessere Vorhersagemodelle und Anpassungen in der Landwirtschaft, um sich den Herausforderungen der kommenden Jahre zu stellen. Aus diesem Grund bleiben die Versuchsfelder der BOKU im Tullnerfeld weiterhin bestehen.
Mit europäischen Partnern im Austausch
Die Forschenden wollen nun Vorhersagemodelle entwickeln und die Pilzentwicklungen weiter untersuchen. Das Versuchsfeld der BOKU in Tulln ist eines von wenigen dieser Art in Europa, weshalb die Forscherinnen und Forscher in Tulln auch mit europäischen Partnern im Austausch stehen.
Schon vor dem Fund von Aflatoxin B1 auf dem Maisfeld im Bezirk Tulln gab es ähnliche Nachweise in anderen Regionen Europas. In Österreich sei dies nun aber der erste dokumentierte Fund seiner Art, sagt der Institutsleiter.
Kurzfristiger Verzehr nicht gesundheitsschädlich
Im Landwirtschaftsministerium kennt man den Fall. Es handle sich aber um ein Versuchsfeld, dessen Früchte weder für Futtermittel noch für Nahrungsmittelproduktion verwendet werden, geben sie Entwarnung.
Laut AGES, Agentur für Lebensmittelsicherheit, ist der einmalige oder kurzzeitige Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln nicht gesundheitsschädlich – der langfristige aber sehr wohl.
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