Chronik | Österreich
26.08.2018

Treffpunkt Wien: Zitronenpasta auf Wienerisch

Im May31 sprach Tini Kainrath über ihr neues Album, Urlaub am Gardasee und den Ruf der Natur.

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu – und für Tini Kainrath rückt der Urlaub immer näher. Das Ziel: der Gardasee, wie schon in den vergangenen Jahren. Grundsätzlich probiert die Sängerin zwar gerne Neues aus, aber die Urlaube an Italiens größtem See sind dennoch Usus geworden. „Weil man doch schneller geistig runterkommt, wenn man sich auskennt“, meint die Sängerin, als sie den KURIER an jenem Ort trifft, an dem sie bis zum Urlaub ihren Pasta-Gusto stillt: Im May31.

Am 31. Mai haben die Neo-Gastronomen Carina Zoltan und Kevin Staudacher in der Maygasse 31 im 13. Bezirk ihr erstes Lokal eröffnet. Nach gemeinsamen Jahren in einer Werbeartikelfirma hat sich Kevin Staudacher vor einigen Jahren entschieden, Koch zu werden, ging beim Figlmüller-Lokal Joma in die Lehre und wagte nun mit seiner Freundin den Sprung in die Selbstständigkeit.

Im liebevoll eingerichteten Erdgeschoßlokal eines Privathauses (in dem früher das Private-Dining-Restaurant „The Dining Room“ untergebracht war) servieren sie hausgemachte Pasta mit selbst kreierten Limonaden, davor Antipasti und danach eine Torta della Nonna.

In der Gartenlaube

Kainrath entscheidet sich für die Zitronenpasta mit Garnelen. Sie hat in der Gartenlaube Platz genommen, die bei Schönwetter für besondere Anlässe gebucht werden kann. Kennengelernt hat Kainrath das Lokal über einen Nachbarn in ihrer Gartensiedlung. „Ich war ja immer ein totales Stadtkind, hatte es gern, wenn was los war. Aber seit einiger Zeit zieht’s mich immer mehr nach draußen.“

Der Ruf der Natur zeigt sich auch im Album, das im Oktober erscheinen wird. Es trägt den Titel „Im Woid“. Dort wurde das Album auch aufgenommen. Also fast. „Ich wollte nicht in diese dunklen, sterilen Räume des Tonstudios“, erzählt sie. „Also bin ich draußen geblieben.“ Richtig Wald wurde es dann aber nicht. Denn dort gab es zwar keinen Lärm und keine Menschen. Aber auch keinen Strom. Schlussendlich landete sie im Garten der Burg Neulengbach.

In ihren Liedern mischt sie südamerikanische Rhythmen mit Wiener Dialekt. Der kam ihr übrigens nicht immer so leicht über die Lippen wie heute. „Als ich 15 war, hat mich ein Italiener, der in Deutschland studiert hat, sogar ausgelacht“, erzählt sie, während ihr die Lokalchefin die Pasta serviert. „Er hat gemeint: ,WEEiß und WEEEin: Du redest so lustig.’ Da ist mir erst bewusst geworden, dass ich so typisches Gymnasiastendeutsch gesprochen habe. Ganz schrecklich. Also hab ich umgelernt. Wienerisch ist eigentlich meine erste Fremdsprache.“ Sie lacht.

Rückkehr der Mundart

Begonnen hat sie ihre Karriere auf Englisch. Aber heute ist sie froh, das Wienerische gefunden zu haben und dass die Sprachvariante durch Bands wie Wanda oder Bilderbuch ein Comeback feiert.

Und dass die meisten ihrer Kollegen Männer sind? „Das war schon immer so“, sagt sie, zuckt mit den Schultern. „Natürlich kann einen das frustrieren. Oder man kann schauen, was möglich ist – zum Beispiel, die neue Bundeshymne zu singen (Tini Kainrath hat im April 2002 als erste die geschlechtergerechte Variante der Bundeshymne öffentlich performt – beim Ländermatch Österreich-Kamerun, Anm.). Wenn jede in ihrem Bereich etwas tut, wird das schon.“ Sie kostet vom gemischten Salat.

Apropos gemischt. Abwechslung sei immer wichtig. „Einmal hätte ich fast die Musik sein lassen, weil ich nur einen Stil forciert hatte. Dann habe ich aufgehört mich zu limitieren und achte nun darauf, zwischendurch auch einmal etwas anderes zu machen. Eine Lesung, zum Beispiel.“

Die Musik bleibt dabei im Zentrum. „Ich finde Wort mit Melodie und Harmonie viel stärker als das Wort allein.“ Bei Beerdigungen oder Hochzeiten zeige sich das. „Alle nehmen sich zusammen, wollen nicht weinen – bis die Musik kommt. Da lassen sie die Tränen laufen.“ Kainrath spießt den letzten Bissen Pasta auf. „Weil Musik ein Türöffner ist. Und deshalb so wichtig.“