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Chronik Österreich
08/26/2019

Traunsee: Begehrtes Ufer am "Glücklichen See"

Bergfexen und Badenixen rittern um Parkplätze, Gesetz sichert allerdings freie Seezugänge.

von Wolfgang Atzenhofer

Schon die Römer nannten den Traunsee wegen der landschaftlichen Reize „Lacus Felix“, Glücklicher See.

Tatsächlich sticht der zweitgrößte See Oberösterreichs durch besondere Vorzüge unter den Salzkammergutseen hervor. Einer davon ist der noch immer recht großzügig mögliche freie Zugang für Erholungssuchende. „Kein Vergleich mit dem Wolfgangsee oder dem Attersee“, versichern Einheimische.

Ufergründe sind aber auch am Traunsee heiß begehrt und werden von ihren Besitzern behütet wie Schätze.

Vor allem im Hauptort am Traunsee, der Bezirkshauptstadt Gmunden, und dem anschließenden Ostufer sind die Schilder „Zutritt verboten“ oder „Privatgrund“ neben dem See nicht zu übersehen. Immerhin befinden sich laut der Rechercheplattform Addendum 43 Prozent des Ufers in Privatbesitz. 18 Prozent werden der öffentlichen Hand zugeschrieben. Zum Vergleich: Am Wörthersee in Kärnten sollen gar 82 Prozent der Ufergründe Privaten gehören.

Doch der wie ein mächtiger Wächter im Osten des Sees thronende Traunstein ist auch ein Symbol für eine Wildnis und Unberührtheit, die es hier noch gibt. Denn ein großer Teil des Ostufers zwischen Gmunden und Ebensee am südlichen Seespitz ist felsiges Steilufer, schwer zugänglich und nahezu unbewohnt. Von Gmunden aus ist das Ostufer mit seinen malerischen Buchten nur gut zwei Kilometer befahrbar. Spätestens am Fuße des Traunsteins heißt es umkehren. Parken ist hier an schönen Tagen fast nicht mehr möglich.

Bergsteigerboom

„Wir haben hier einen Bergsteigerboom. Die kommen sehr zeitig in der Früh, dann sind alle Parkplätze voll“, schildert der bekannte Hois’n Wirt Hans Schallmeier, der am Ostufer sein Seehotel betreibt. Badegäste hätten am Tag dann größere Mühe ihre Autos abzustellen, als frei zugängliche Plätze zum Baden zu finden.

Das bestätigt auch Gmundens Bürgermeister Stefan Krapf. Gemeinsam mit den Wirten bietet die Stadt ein E-Shuttle an. „Die Anfahrt mit dem Fahrrad oder auch mit dem Schiff wird dort immer mehr angenommen“, berichtet Krapf.

Die Kombination des Gipfelsiegs mit nachfolgender Abkühlung im erfrischenden See ist wohl für viele unvergesslich: „Für mich war es das beste Badeerlebnis, das ich je hatte“, versichert die Niederösterreicherin Verena Weingartner. Nach Lust und Laune in den See zu springen ist allein in Gmunden an vielen Stellen möglich. Mit mehreren öffentlichen freien Badeplätzen auch nahe der Esplanade und dem Zentrum sei seine Stadt jedenfalls gesegnet, erklärt der Stadtchef.

„Alle Seezugänge in öffentlicher Hand werden auch garantiert offen bleiben“, sei man sich in der Stadtregierung einig. Selbst die Liegewiese samt Badeplatz mit direktem Blick auf das aus der TV-Serie bekannte Schloss Orth ist frei nutzbar. Gelüste von Investoren auf diese freien Flächen am See kenne er momentan nicht, sagt Krapf.

Verfassungsgesetz

Im Frühjahr ist die Absicherung des öffentlichen Zugang zu den oö. Seen auch im Landtag als Verfassungsgesetz abgesichert worden. Entspannte freie öffentliche Badestrände, wie in Rindbach in Ebensee oder die großzügige Bräuwiese des Landes in Traunkirchen sind abgesichert. „Die Atmosphäre, die Möglichkeiten und Freiheiten am Traunsee sind einzigartig“, bestätigt Florian Nitsch aus Wien am Badesteg in Traunstein. Mit den Kindern Flora und Fauna verbringe man jede freie Minute am Traunsee und den Wanderwegen rundherum, erzählt Partnerin Fariba Mosleh.

Eine Idylle, die viele gerne für immer besitzen würden. Der Hois’n Wirt in Gmunden hat auf Bitten seiner Stammgäste eine Liste angelegt. „Ich soll sie anrufen, falls einmal ein Grundstück zu kaufen wäre. Aber es gibt nix zu kaufen hier“, erzählt er.

Mit 191 Metern ist der Traunsee der tiefste See Österreichs, mit rund 24,5 Quadratkilometern Fläche  ist er der zweitgrößte in OÖ nach dem Attersee. Gespeist wird er von der Traun, die in Ebensee  in den See mündet und in Gmunden abfließt. Mit den Orten Gmunden, Altmünster, Traunkirchen und Ebensee ist das Traunseegebiet  touristisch geprägt.

Als Badesee ist der Traunsee erfrischend. Die letzten Rekordsommer ließen die Temperaturen aber immer häufiger  über 20 Grad ansteigen. Beliebte Badestrände finden sich in Gmunden beim Seebahnhof/Weyer oder  im städtischen Strandbad. In Altmünster bietet das Solarbad sowohl Seezugang als auch ein beheiztes Becken. Großzügig angelegt ist die Bräuwiese des Landes OÖ in Traunkirchen. Der See wird von verschiedenen Wassersportlern genützt.International geschätzt sind die guten Verhältnisse für Kite-Surfer in Rindbach/Ebensee.

Bekanntheit verschaffte dem See die zwischen 1996 und 2004 beim Gmundner Schloss Ort gedrehte TV-Serie „Schlosshotel Orth“.