© Plattner

Chronik Österreich
05/19/2020

Trauernde Witwe bittet Regierung um Lockerung der Maßnahmen

Völlig unerwartet starb ein 37-jähriger Familienvater. Seine Hinterbliebenen wollen ihn nun in Würde verabschieden.

Mit einem offenen Brief wendet sich Tina Platter an die Bundesregierung. Das Leben der Frau hatte sich am 3. April dieses Jahres schlagartig verändert: Ihr 37-jähriger Ehemann Bernd verstarb plötzlich an einem Herzinfarkt. In dem Brief beschreibt sie den Familienvater als „pumperlgsund“. Dessen früher Tod sorge für tiefe Trauer in Radenthein und Feld am See in Kärnten, wo der Mann in Vereinen aktiv war. Zahlreiche Beileidsbekundungen auf deren Facebook-Seiten zeugen von tiefer Verwurzelung.

Maximal 30 Personen

Nun wünscht sich die Witwe nichts sehnlicher, als ihrem Mann würdevoll die letzte Ehre zu erweisen. Im engen Familienkreis hatte man sich schon von ihm verabschiedet. Nun möchte die Witwe dem zweifachen Familienvater auch im Beisein seiner Vereinskollegen die letzte Ehre erweisen. Das geht aber aufgrund der derzeitigen Corona-Verordnungen nicht: Maximal 30 Personen dürfen einem Begräbnis beiwohnen.

In ihrem offenen Brief kritisiert die Frau, dass die Maßnahmen der Regierung, mittlerweile „sinnlos“ seien und man mit zweierlei Maß messe. „Da Herr Kurz ja auch im Kleinwalsertal mit den Bürgerinnen und Bürgern ohne Maske gesprochen hat, bestehe ich jetzt auch auf die Freiheit, dass alle, die jemanden verloren haben, sich würdevoll verabschieden können.“

Liebe Bundesregierung! Liebe Politiker! Liebe Leserinnen und Leser. Aus ganz vielen Gründen habe ich beschlossen einen etwas längeren Leserbrief zu verfassen:
Die ersten Wochen von Beginn der COVID 19-Maßnahmen habe ich mich mit meiner Familie vorbildlich an alles uns angeordnete gehalten. Kein Kontakt zu Oma, Opa, Familie; nur komprimiert einkaufen gehen; keine sozialen Kontakte etc.
Am 03.04.2020 hat sich das Leben für mich und meine Kinder dann plötzlich drastisch geändert. Mein Mann – der bis zum letzten Tag „pumperlgsund“ war musste ganz ohne Corona oder ähnliches von dieser Welt gehen. Er hatte einen so schweren Herzinfarkt dass ihm keiner mehr helfen konnte. Obwohl die Rettungskette besser nicht laufen hätte können, gab es für meinen geliebten Mann keine Rettung mehr. Zurück bleibt die große Frage „WARUM“ und das alles in dieser besonderen Zeit – wo es fast schon den Anschein hat, dass da irgendwas aus dem Ruder läuft… Unsere gemeinsamen Kinder Melissa (8 Jahre) und Felix (4 Jahre) verstehen die Welt ohnehin nicht mehr. Nun kommt aber vor allem bei mir und auch bei meiner großen Tochter ganz stark die Frage auf – warum dürfen Bauhäuser und Möbelhäuser – etc. aufsperren – und wir dürfen unseren geliebten Papa nicht so wie es sich gehören würde verabschieden?
Ja… wir hatten eine Verabschiedung – im engsten Kreise. Jetzt muss man aber vielleicht auch wissen, dass mein Mann in zwei großen Vereinen war. Die Almrose Radenthein und die Trachtenkapelle Feld am See. Beide Vereine waren auch mit ihm tief verbunden. Er war ein Mensch, der sich Urlaub genommen hat, um einen anderen Menschen die letzte Ehre zu erweisen. All diese Maßnahmen hindern uns daran, meinen Mann und den Papa meiner Kinder so zu verabschieden, wie er es sich verdient hätte. Wenn man jetzt 1+1 zusammenzählt, merkt man schnell, dass sich wirklich viele Menschen von einem so jungen Mann der mit 37 Jahren gehen musste verabschieden möchten.
Am 02.05.2020 sind die ersten Lockerungen gekommen… Ich habe mir geschworen, dass ich jetzt mal 14 Tage abwarte und dann nachlesen werde wie viele Neuinfektionen oder aktuelle Fälle bei uns in Kärnten noch aktiv sind. Heute habe ich gelesen: 8 Personen aktuell mit COVID 19 infiziert und bis heute sind in Kärnten 13 Personen im Zusammenhang an COVID 19 gestorben. Ja, es ist schlimm wenn ein Mensch gehen muss. Aber es passieren nebenbei so viele tragische Dinge die absolut nichts mit CORONA zu tun haben.
Meine große Bitte wäre: Da Herr Kurz ja auch im Kleinwalsertal mit den Bürgerinnen und Bürgern ohne Maske (und plötzlich wusste niemand mehr etwas von einem Sicherheitsabstand) gesprochen und gescherzt hat, bestehe ich jetzt auch auf die Freiheit dass alle die jemanden verloren haben – diesen besonderen Menschen ganz individuell verabschieden können. Mit euren (mittlerweile sinnlosen) Maßnahmen macht ihr Familien noch mehr kaputt die ohnehin schon am Boden liegen. Es ist nämlich auch für viele Trauernde – für uns alle – für einen ganzen Ort und darüber hinaus sehr wichtig, dass wir alle am gleichen Ort an unseren lieben Bernd gedenken können, traurig sein dürfen und ihn gebührend verabschieden können, und in unserer Trauer dann einfach einen Ort haben, wo ihn jeder nah sein kann.
Ich hoffe, dass es sich einige doch bis zum Schluss durchgelesen haben und hoffe meinen Mann, den Papa meiner Kinder, den Sohn, Enkel, Kollegen, Freund und Wegbegleiter ENDLICH die letzte Ruhe gewährleisten zu können. Mit all jenen die ihn geschätzt und geliebt haben – ganz ohne Einschränkung einer Anzahl der Trauernden die meinen lieben Bernd Plattner „Pfiati“ sagen wollen.
Danke fürs Zuhören.
Tina Plattner