Chronik | Österreich
15.08.2018

Transitstreit: Tirol plant noch mehr Lkw-Blockabfertigungen

Mindestens 30 Mal sollen 2019 Lkw an der Grenze zu Bayern abgebremst werden. Der Verkehr nimmt weiter zu.

Am 15. August hält die Tiroler Landesregierung jedes Jahr traditionell eine Sitzung ab. Und dort stand am Mittwoch der Lkw-Transit über den Brenner im Fokus. Der ist heuer erneut um 13 Prozent gestiegen, nachdem bereits im Vorjahr mit 2,25 Millionen Lkw-Fahrten durch Tirol ein neuer Rekord verzeichnet wurde.

Mit Lkw-Blockabfertigungen an der Grenze zu Bayern werden seit vergangenen Herbst die einfahrenden Laster zumindest zeitlich so eingebremst, dass der Verkehr auf der Inntalautobahn nicht zusammenbricht. Es handle sich um eine „Notmaßnahme, die wir weiter und aufgrund der Steigerung intensiver ergreifen werden“, kündigte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) nach der schwarz-grünen Regierungssitzung an.

Dabei wurde ein „Dosierkalender“ für das erste Halbjahr 2019 beschlossen. An 17 Tagen sollen demnach bei starkem Lkw-Aufkommen rund um Feiertage die Zahl der stündlichen Einreisen begrenzt und der Verkehr so entzerrt werden. Für das Gesamtjahr rechnet Platter mit „mindestens 30 Blockabfertigungen“. 2018 stehen insgesamt 26 auf dem Plan.

Bayern hat diese Maßnahme, die regelmäßig für Rückstaus auf der deutschen Seite der Grenze bei Kufstein sorgt, mehrfach kritisiert. Dort sieht man den freien Warenverkehr eingeschränkt.

Tirol versucht die Nachbarn dazu zu bringen, die Lkw-Maut auf ihrem Teil der Brenner-Route zu erhöhen. So sollen Frächter zum Umstieg auf die Schiene animiert werden. Der von LH-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) am Mittwoch vorgelegte Verkehrsbericht für 2017 zeigt hier eine deutliche Schieflage. Der Güterverkehr über den Brenner wurde 2016 zu 71 Prozent über die Straße abgewickelt. Der Marktanteil der Schiene hat sich von 2010 bis 2016 von 35 auf 29 Prozent reduziert. In der Schweiz sieht das Verhältnis zwischen Bahn und Lkw im alpenquerenden Güterverkehr genau umgekehrt aus.

Magnet für Verkehr

Der Brenner ist der am stärksten belastete Gebirgsübergang Europas. 46,9 Millionen Tonnen an Gütern wurden über den Pass transportiert. Das ist mehr als das Aufkommen an allen französisch-italienischen Alpenübergängen und höher als der gesamte alpenquerende Güterverkehr in der Schweiz.

Felipe betont, dass der nun ausgearbeitete „Dosierkalender“ auf Basis des heurigen Verkehrsaufkommens erstellt wurde. „Die Erfahrung zeigt, dass an manchen Tagen der Verkehr unter den Prognosen blieb, dafür aber an anderen Tagen stärker als prognostiziert war. Aus diesem Grund wurde der Dosierkalender angepasst“, erklärt die Verkehrslandesrätin.

Güterverkehr durch Tirol in Zahlen

Blockabfertigungen  An Tagen, an denen besonders starkes Lkw-Aufkommen von Deutschland erwartet wird, lässt die Polizei bei Kufstein pro Stunde maximal 300 Lkw ins Land.

Rekord-Transit 2017 fuhren 2,25 Millionen Lkw auf der Brenner-Route durch Tirol. Der Rekord könnte kippen. Heuer betrug der Zuwachs 13 Prozent.

Schieflage Nur 29 Prozent der Güter werden auf der Schiene über den Brenner transportiert. Der Rest fährt auf der Straße.