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Chronik Österreich
01/05/2022

Tourismus-Cluster als Vorboten der Omikron-Welle

Allein in Tirol sind 111 Skilehrer infiziert. Dass die Virus-Mutation in Personalherbergen durchmarschiert, ist keine Überraschung. Auch Hotelbetriebe müssen zum Teil schon schließen

Die Skiregionen im Westen Österreichs sind derzeit echte Corona-Hotspots. Zumindest wenn man die 7-Tage-Inzidenz betrachtet, die beim Spitzenreiter-Bezirk Kitzbühel am Dienstag bei 1.144,2 lag.

Da sich diese Werte auf die Stammbevölkerung beziehen und nicht berücksichtigen, dass Tourismusdörfer ihre Einwohnerzahl durch Gäste und Saisonmitarbeiter im Winter vervielfachen, sind die Inzidenzen durchaus mit Vorsicht zu genießen.

Extrem hohe Fallzahlen

Aber auch die absoluten Zahlen zeigen ein klares Bild: In Tirol liegen etwa bei der Zahl der derzeit Corona-Infizierten hinter der Landeshauptstadt Innsbruck die Skiorte Kitzbühel, St. Anton am Arlberg und Kirchberg auf den Plätzen. Im benachbarten Salzburg reiht sich gleich hinter der Landeshauptstadt die Gemeinde Flachau ein.

Und in praktisch jedem der stark betroffenen Skiorte gibt es inzwischen einen Skilehrer-Cluster. In Tirol wurden am Dienstag bereits 111 Infizierte gezählt. „Bei einem Gutteil haben wir es mit Omikron zu tun“, sagt ein Sprecher des Landes.

Pandemie-WG

Im Krisenstab sieht man vor allem einen Anhaltspunkt dafür, warum gerade diese Berufsgruppe im Moment so stark betroffen ist: Skilehrer sind vielfach in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Sie leben oft in Ferienwohnungen in größerer Zahl gemeinsam unter einem Dach. Wie in einer WG wird da etwa gemeinsam gegessen.

Mit der hochansteckenden Omikron-Variante ist das ein perfekter Rahmen für Cluster-Bildungen. „Dass so etwas innerhalb solcher Unterkünfte passiert, ist keine Überraschung“, sagt Epidemiologin Eva Schernhammer von der Med-Uni Wien.

Viele der Betroffenen sind zwar bereits zweifach geimpft, aber noch nicht geboostert und somit schlechter gegen die neue Variante geschützt. Der Grund: Sie sind zum Teil zum Saisonstart aus Ländern wie Holland angereist, in denen damals der dritte Stich noch nicht für die breite Masse gesetzt wurde.

Im Tourismus zeigt sich bereits, wie die Omikron-Welle zu Personalknappheit führen kann. Die Skilehrer-Cluster sind da nur ein Vorbote. Wie berichtet, müssen in Tirol bereits Hotels ihr Angebot einschränken oder überhaupt gleich vorübergehend schließen, weil ihnen die Arbeitskräfte durch die Quarantäne von Infizierten und ihren Kontaktpersonen reihenweise ausfallen.

Bangen in der Hotellerie

„Das sind jetzt noch Einzelfälle. Aber wenn die Welle mit voller Wucht aufschlägt, ist die Hotellerie massiv betroffen“, sagt Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliersvereinigung.

Auch Köche und Kellner sind in der Regel in Personalunterkünften untergebracht. Und Haushaltskontakte sind bei Infektionsfällen mit der Omikron-Variante besonders stark von Ansteckungen betroffen, heißt es beim Land Tirol. Das sei im privaten Bereich schon zu sehen.

Anders in Tirol hat das Land Salzburg keinen Überblick, wie sehr sich Ansteckungen unter Skilehrern aktuell verbreiten. Es gäbe keine Statistik nach Berufsgruppen, heißt es. Gerhard Sint, Obmann der Salzburger Skilehrer, ist aber überzeugt: „Das wird bei uns nicht viel anders sein, als in Tirol.“

Die Skischulen hätten sich zwar gut vorbereitet und hauptsächlich Geimpfte angestellt. „Aber wenn man in einer Pandemie viel mit Leuten zusammenkommt, ist es keine Überraschung, dass es Infektionen gibt“, sagt Sint.

Vor dem Jänner-Loch

In den Skiregionen dürfte sich das Gästeaufkommen und damit die Zahl der potenziellen Kontakte in den nächsten Wochen verringern. „Jetzt kommt das Jänner-Loch“, sagt Sint zu der Zeit zwischen den nun endenden Weihnachtsferien und der nächsten Urlauberwelle.

Der Trubel auf den Pisten beschränkt sich damit vor allem auf die Wochenenden. Dass Spitäler, denen durch die höchstansteckende Omikron-Variante große Personalausfälle drohen, noch zusätzlich stark durch Skiunfälle belastet werden, ist nicht zu erwarten.

Wer sich auf der Piste verletzt, landet aber ohnehin nur selten auf der Intensivstation, hatte Alexandra Kofler, ärztliche Leiterin der Innsbrucker Klinik, schon Mitte Dezember klar gemacht. Daran hat sich seither nichts geändert, heißt es auf Nachfrage.

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