Top-Wirte machen gegen Rauchverbot mobil

Rauchergesetz, Heinz Christian Strache…
Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Heinz-Christian Strache bei seinem Auftritt.

Gastronom lud zur Protestaktion gegen Totalverbot. Für Mediziner wäre das "fataler Rückschritt".


Das Rauchverbot ist für Wirte eine Katastrophe. Und ich sage das, obwohl ich selbst Nichtraucher bin", sagt Gastronom Heinz Pollischansky. Der Wiener Gastronom lud am Donnerstag zu einer Protestaktion in sein Lokal "Vino" in der Lichtenfelsgasse. Das Lokal ist – ob seiner unmittelbaren Nähe zum Rathaus – vor allem bei Stadträten und deren Mitarbeitern beliebt.

Einer der prominentesten Gäste bei der Protestaktion Donnerstagabend war wohl Heinz-Christian Strache (FPÖ): In den aktuellen Regierungsverhandlungen mit der türkisen ÖVP vertritt er die Interessen der Gastronomen und brachte mit seinem blauen Verhandlungsteam eine mögliche Novelle des Gesetzes auf den Verhandlungstisch.

"Demnächst kommt der Staat und sagt, Schweinsbraten darf man auch nicht essen, weil der ist ungesund", sagt Strache. Und er fügt hinzu: "Zu einem guten Glas Wein oder Bier wollen wir gerne eine Zigarette rauchen – und das sollten wir uns aussuchen können. Ich versuche, das in den Verhandlungen zu erreichen."

>>Podcast zum Rauchverbot

Ebenso macht sich Promi-Anwalt und Raucher Manfred Ainedter für die Gastronomen stark: "Ich bin gegen Restriktionen, und das Rauchverbot ist für Wirte wirklich ein großes Problem. Viele kämpfen um ihre Existenz. Die bisherige Lösung ist für mich ideal."

Damit bezieht sich Ainedter auf die abgeteilten Bereiche für Raucher- und Nichtraucher. Diese werden ab Mai 2018 illegal. Dann darf nur noch vor den Lokalen und in Gastgärten geraucht werden. Rechtlich sieht Ainedter kein Problem bei einer neuerlichen Änderung des Gesetzes: "Wenn die Regierung das beschließt, dann wäre das rechtlich in Ordnung."

Ingo Wieser vom Bundesministerium für Landesverteidigung ist an sich Bereichsleiter für Waffen- und Munitionstechnik. Das Thema Rauchen passe auf den ersten Blick nicht in sein Metier, räumt er bei der Veranstaltung am Donnerstag ein. Man müsse aber bedenken, wie die Anti-Raucher-Bewegung entstanden sei: "In den 1950er-Jahren führte die US-Regierung Atomtests durch, woraufhin die Krebsrate stieg. Verantwortlich gemacht wurde aber die Tabakindustrie." Jetzt sei Ähnliches zu beobachten: "Obwohl es weniger Raucher gibt, steigt die Zahl der Krebspatienten. Ich finde es nicht gut, wenn Wirte von der Politik bevormundet werden."

Doch die Tabak-Gegner machen seit Wochen mobil. Einen Aufschrei gegen die mögliche Lockerung des generellen Rauchverbots gab es etwa von 30 hochrangigen Gesundheitsvertretern in Form eines offenen Briefs an ÖVP-Chef Sebastian Kurz. Jetzt legen sie nach und präsentieren eine Analyse, bei der sie Umfragen der vergangenen Jahre näher beleuchten. "Das Ergebnis ist eindeutig. Seit Jahren zeigen Telefonumfragen eine stabile Zweidrittel-Mehrheit für rauchfreie Lokale", sagt Florian Stigler, Gesundheitswissenschaftler an der Med-Uni Graz. Es gebe daher keinen vernünftigen Grund, das Rauchverbot nicht umzusetzen.

 

apa… Foto: /Grafik,APA

(kurier) Erstellt am
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