Chronik | Österreich
02.09.2017

"Tempo 100" auf A2 kostet Pkw-Lenker drei Minuten

Kärntner Landesrat Holub hält an seinem Plan fest.

"Aus verkehrstechnischer Sicht geringe Auswirkungen", fasst Kurt Fallast sein 80 Seiten starkes Gutachten zusammen und rechnet vor: Bei einem Tempolimit von 100 km/h auf der A2 zwischen Klagenfurt und Villach brauchen Pkw-Lenker 16 Minuten und 19 Sekunden. Jetzt sind es 13 Minuten und 28 Sekunden bei einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, regelkonformes Fahrverhalten vorausgesetzt.

Also bloß knapp drei Minuten mehr Fahrzeit, die aber laut Gutachter einiges an Lärmreduktion und ein Mehr an Verkehrssicherheit auf der Autobahn brächten. Lkw-Lenker müssten rund sechs Minuten Fahrzeit mehr einplanen, das Tempolimit für Schwerkraftfahrzeuge soll von 80 auf 60 km/h reduziert werden.

Drei Dezibel weniger

Das soll aber Erleichterung für die Umwelt bringen. So würde die allgemeine Lärmbelastung auf dem rund 40 Kilometer langen Abschnitt um drei Dezibel sinken, betont Fallast. Eine direkte Auswertung macht das anschaulicher: Derzeit liegen 2048 Gebäude entlang der Strecke über dem zulässigen Lärmgrenzwert von 50 Dezibel. Mit Tempo 100 beziehungsweise Tempo 60 wären es um 809 Objekte oder 40 Prozent weniger. "Diese Senkung wird ohne wesentliche Infrastrukturkosten erreicht", erinnert der Gutachter, die Änderung der Straßenverkehrsordnung reicht aus. Eine Verlagerung des Kfz-Verkehrs auf die Landesstraße befürchtet er nicht: Dort lägen nämlich die Fahrzeiten für diesen Abschnitt wegen der Ortsdurchfahrten bei 28 bis 30 Minuten.

Rolf Holub, Verkehrs- und Umweltlandesrat in Kärnten, hat Fallasts Gutachten am Freitag allgemein zugänglich gemacht. Es wurde auf der Homepage der Landesregierung veröffentlicht und kann heruntergeladen werden. Der Grün-Politiker hält trotz Kritik anderer Parteien und von Wirtschaftsvertretern an seinem Plan fest: "Tempo 100 ist und bleibt eine gute Lösung zum Wohle der Gesundheit." 6000 Menschen würden direkt von der Maßnahme profitieren.

Der Bund prüft

Allerdings kann das Land Kärnten nicht selbst über Tempo 100 auf der Wörthersee-Autobahn entscheiden. Eine solche Verordnung müsste vom Infrastrukturministerium kommen. Das prüft noch. "Wir werden uns das Gutachten genau anschauen und überlegen, ist eine Temporeduktion auf einer so langen Strecke überhaupt sinnvoll?", beschreibt eine Sprecherin die weitere Vorgangsweise. Außerdem müsse die Autobahngesellschaft Asfinag Stellung beziehen.

Eventuell könnte das Ministerium auch ein eigenes Gutachten in Auftrag geben. Wann über Ja oder Nein zu Tempo 100 entschieden werde, sei aus diesen Gründen noch völlig offen. "Das kann mehrere Wochen oder auch Monate dauern", heißt es aus dem Ministerium. Es gibt keine Frist, innerhalb derer der Bund über den Antrag des Landes befinden muss.