Chronik Österreich
03/11/2019

Sturmtief Eberhard fegte mit über 100 km/h über Österreich

Heimische Feuerwehren mussten ob des Sturmtiefs zu hunderten Einsätzen ausrücken. Wind wird erst ab Dienstag wieder schwächer.

Vor allem in Niederösterreich hat der Sturm in der Nacht auf Montag die Feuerwehren gefordert. 145 Einsätze gab es im ganzen Bundesland, berichtete Franz Resperger vom Landeskommando. Auch in Oberösterreich, Wien und im Norden Salzburgs wurden Schäden verzeichnet. Mit bis zu rund 163 km/h tobte der Wind auf dem Semmering in Niederösterreich, am Dienstag soll er sich jedoch abschwächen.

Insbesondere betroffen waren die Bezirke Amstetten und Melk im Westen des Landes, aber auch das Waldviertel mit den Bezirken Zwettl, Gmünd, Waidhofen a.d. Thaya und Horn. Laut Resperger waren 138 Feuerwehren mit 1.500 Mitgliedern aufgeboten. Die Helfer mussten u.a. mehr als 100 Bäume beseitigen, die in Strom- oder Telefonleitungen gestürzt waren oder Straßen blockierten. Zudem wurden Gerüstteile und Plakatwände aus ihren Verankerungen gerissen. Drei Leichtverletzte forderte ein Unfall in Windigsteig (Bezirk Waidhofen a.d. Thaya).

Unfall mit umgestürztem Baum im Waldviertel

Unfall mit umgestürztem Baum im Waldviertel

Unfall mit umgestürztem Baum im Waldviertel

Brand auf einem Bauernhof in Zeillern (Bezirk Amstetten)

In Oberösterreich verursachte das Sturmtief "Eberhard" von Sonntagabend bis Montagfrüh rund 250 Feuerwehreinsätze. In Münzkirchen (Bezirk Schärding) warfen starke Windböen einen mit einem etwa 18 Quadratmeter großen Swimmingpool beladenen Anhänger um. In Niederwaldkirchen wurde ein Zug evakuiert, nachdem ein Baum die Gleise blockiert hatte.

Die Berufsfeuerwehr Wien absolvierte von Sonntagnachmittag bis Montagvormittag rund 40 Einsätze zur Beseitigung von Sturmschäden, sagte Feuerwehrsprecher Jürgen Figerl der APA. Es ging dabei vor allem um lose Dachziegel, abgebrochene Äste, umsturzgefährdete Bäume oder umgefallene Baustellengitter, die den Verkehr behinderten und rasch weggeräumt werden mussten. Am Sonntagabend führte der starke Wind außerdem zu einem neuerlichen Einsatz beim Donauzentrum, das am Tag zuvor gebrannt hatte. Diesmal machten die Feuerwehrleute Fassaden- sowie Blechteile am Dach des Einkaufszentrums sturmsicher. Die Dachkonstruktion hatte zuvor für die Löscharbeiten geöffnet werden müssen.

Mit mehr als 80 km/h fegte der Sturm über den Norden des Bundeslandes Salzburg und hielt die Feuerwehren im Flachgau und in der Landeshauptstadt auf Trab. Bäume stürzten auf Straßen, Häuser oder Autos und mussten entfernt werden. Im Flachgau rückten die Helfer von 21 Feuerwehren zu rund 40 Einsätzen aus, berichtete das Landesfeuerwehrkommando. Zu Schäden kam es in 21 Gemeinden des Flachgaus, fast zwei Drittel aller Kommunen im Bezirk. Auch in der Stadt Salzburg wurde die Berufsfeuerwehr zu rund 20 Einsätzen gerufen, unter anderem fiel ein Baum auf eine Obus-Oberleitung.

In Vorarlberg führte der starke Wind Sonntagnachmittag und -abend zu Absagen der traditionellen Funkenfeuer. 17 der rund 100 über das ganze Land verteilten Funken wurden aus Sicherheitsgründen nicht angezündet und sollen erst diese Woche in Brand gesteckt werden. Die Feuerwehren verzeichneten 19 Einsätze, um umgestürzte Bäume oder Bauzäune aus dem Weg zu räumen. Verletzt wurde niemand.

Schweren Schaden an einem Wohnhaus in Söll in Tirol (Bezirk Kufstein) hat der Sturm am späten Sonntagabend angerichtet. Eine rund 32 Quadratmeter große Wellblechabdeckung eines Holzstapels wurde gegen das Dach geschleudert, berichtete die Polizei. Dabei wurden der Balkon, die Vordachkonstruktion und die Dacheindeckung des Hauses beschädigt.

Mehrere Feuerwehreinsätze hat es am Montag auch in Kärnten wegen starker Sturmböen gegeben. Wie die Polizei in einer Aussendung mitteilte, wurden im Gemeindegebiet von Seeboden (Bezirk Spittal an der Drau) mehrere Bäume entwurzelt. Sie blieben teilweise auf Straßen liegen und beschädigten Stromleitungen, weshalb es zu Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen kam.

Am frühen Nachmittag deckte eine Sturmböe ein Gebäude neben einem Wohnhaus in St. Veit an der Glan ab: Das Blechdach stürzte auf ein Nachbargrundstück. Die Freiwillige Feuerwehr St. Veit und ein Dachdeckerunternehmen entsorgten das Dach. Verletzt wurde in beiden Fällen niemand.

Polen und Tschechien betroffen

Auch in Polen und Tschechien wütete der Sturm und führte bei Hunderttausenden Haushalten zu Stromausfällen und zahlreichen Sturmschäden. Mit Orkanböen bis Windstärke 12 zog am Sonntag das Sturmtief "Eberhard" auch über den Westen und die Südhälfte Deutschlands. Ein Autofahrer starb bei Bestwig im Sauerland, als ein entwurzelter Baum während der Fahrt auf sein Auto fiel. Die Deutsche Bahn stoppte am Sonntagnachmittag im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen ihren Betrieb. Auch an Flughäfen, etwa in Frankfurt am Main, kam es zu Ausfällen. Nahezu alle Nachtzüge, die die ÖBB in Deutschland betreiben, wurden annulliert. Wie die ÖBB auf ihrer Website mitteilten, fielen insgesamt sechs Nachtzüge aus.

Die stärksten Sturmböen sollten mittlerweile zwar vorbei sein, der Wind bleibt jedoch am Montag und in der Nacht auf Dienstag im Großteil Österreichs noch stark bis stürmisch, wie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mitteilte. Demnach werde erst am Dienstag selbst der Wind dann deutlich schwächer werden.

Windgeschwindigkeiten

Mit bis zu 163,1 km/h tobte der Sturm an der Messstation Semmering/Sonnwendstein in Niederösterreich (1.500 Meter Seehöhe) in den vergangenen 24 Stunden am stärksten. Windspitzen bis zu 151,9 km/h wurden auf dem Feuerkogel (1.618 Meter) in Oberösterreich gemessen, auf Platz drei war der Buchberg in Niederösterreich (460 Meter) mit bis zu 139 km/h. Über die Jubiläumswarte in Wien fegte der Sturm immerhin noch mit bis zu 124,2 km/h. Im Westen des Landes war es auf dem Tiroler Galzig in 2.079 Metern Seehöhe am windigsten - mit Spitzen von bis zu 125,3 km/h. In Vorarlberg erreichte der Sturm auf dem Valluga auf 2.805 Metern bis zu 112,7 km/h.