Aus für Mode im Müll: 85 Prozent der Österreicher dafür
Ein Berg aus ausrangierter Kleidung: Jährlich fallen in Österreich mehr als 213.000 Tonnen Textilmüll an. Ein Großteil davon wird derzeit noch nicht recycelt, sondern thermisch verwertet.
Große Unternehmen dürfen unverkaufte Kleidung und Schuhe seit dem Wochenende in der EU nicht mehr vernichten. Laut einer repräsentativen Umfrage der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) befürworten rund 85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher dieses Verbot. Außerdem begrüßen rund 94 Prozent, dass kaputte Textilien ab 2028 recycelt werden müssen und nicht mehr über den Restmüll entsorgt werden.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bewertet die neue EU-Vorschrift als „wichtigen historischen Meilenstein“. In Österreich drohe das Verbot jedoch „ins Leere zu laufen“, heißt es in einer Aussendung. Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) habe das vorgeschriebene nationale Begleitgesetz bisher nicht umgesetzt und somit keine Strafen festgelegt. Die Vernichtung neuwertiger Kleidung und Schuhe sei zwar seit Sonntag verboten, bleibe aber straffrei, kritisiert Greenpeace. Die Organisation schätzt, dass allein 2021 in Österreich rund 4,6 Millionen Kilogramm neuwertige Kleidung und Schuhe im Wert von 155 Millionen Euro vernichtet wurden.
Dabei zeige sich laut ARA auch bei der Umsetzung noch Handlungsbedarf. Aktuell würden in Österreich über 213.000 Tonnen Textilmüll anfallen. Davon würden rund drei Viertel derzeit nicht getrennt gesammelt, sondern thermisch verwertet werden. In Europa würden jährlich schätzungsweise vier bis neun Prozent der unverkauften Textilien vernichtet, wodurch laut Konsumentenschutz rund 5,6 Millionen Tonnen klimaschädliche CO₂-Emissionen entstünden.
Höchste Zustimmung bei Älteren
85 Prozent der Befragten fänden es gut, dass neue, unverkaufte Kleidung künftig nicht mehr vernichtet werden darf. Außerdem solle kaputte Kleidung verstärkt im Kreislauf geführt werden, finden 94 Prozent. Besonders hoch falle laut Umfrage die Zustimmung bei älteren Bevölkerungsgruppen aus. Die Herausforderung liege darin, die notwendigen Strukturen für Sortierung und Recycling aufzubauen, so ARA-Vorstandssprecher Harald Hauke. Zum Textilrecycling sind Unternehmen dann ab 2028 verpflichtet. Die Menschen in Österreich seien jedenfalls bereit, „ihren Beitrag zu leisten und Textilien getrennt zu sammeln“.
Eine Umsetzungslücke zeige sich aktuell bei beschädigten Textilien. Ungefähr die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher würde kaputte Kleidung zwar derzeit über den Restmüll entsorgen – so war es bisher vorgesehen –, gleichzeitig hätten mehr als zwei Drittel dabei ein ungutes Gefühl. Gut erhaltene Kleidung werde von rund 42 Prozent der Befragten in den Altcontainer gegeben, zusätzlich spende gut ein Drittel sie an soziale Einrichtungen. Rund 84 Prozent wünschen sich mehr Aufklärung zur korrekten Entsorgung. Als Anreiz für die getrennte Sammlung nennt jeder Dritte mehr Sammelcontainer in der Wohnumgebung. Eine klare Kennzeichnung auf Produkten zur richtigen Entsorgung sowie die Gewissheit, dass kaputte Textilien tatsächlich recycelt werden, wünschen sich 29 Prozent.
Kleine Unternehmen sind ausgenommen
Das neue Verbot gilt für unverkaufte Kleidung, Accessoires und Schuhe. Sie sollen wiederverwendet, weiterverkauft, wiederaufbereitet oder gespendet werden. Außerdem sollen Alttextilien künftig getrennt gesammelt werden. Das System der erweiterten Herstellerverantwortung ist bereits aus Bereichen wie Verpackungen, Elektroaltgeräten und Batterien bekannt. Für mittlere Unternehmen gilt die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte voraussichtlich ab 2030, kleine Unternehmen sind von den Vorgaben ausgenommen.
Für funktionierende Textilkreisläufe braucht es laut ARA klare gesetzliche Rahmenbedingungen und die entsprechende Infrastruktur. Eingebunden werden sollen unter anderem Altstoffsammelzentren und karitative Einrichtungen. Die Erfahrung aus dem Verpackungsrecycling könne auch im Textilbereich genutzt werden.
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