Heimito von Doderer,1896–1966, vor „seiner“ Strudlhofstiege in Wien.

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Chronik Österreich
08/29/2019

Strudlhofstiege: Die Treppe, die in die Weltliteratur einging

Heimito von Doderers Roman wird nun als Theaterstück in der Josefstadt inszeniert.

von Georg Markus

Der Schriftsteller Heimito von Doderer ist zwar im dritten Bezirk aufgewachsen, hat aber die Stufen, die die Wiener Strudlhofgasse mit der tiefer liegenden Liechtensteinstraße verbinden, schon in seiner Kindheit gekannt. Während des Zweiten Weltkriegs begann er dann den Roman zu schreiben, der die Strudlhofstiege am Wiener Alsergrund in die Weltliteratur eingehen ließ. Am kommenden Donnerstag bringt das Theater in der Josefstadt die Uraufführung des dramatisierten Romans.

Eine Lovestory

Im Mittelpunkt der Erzählung steht ein Offizier namens Melzer, der sich in die schöne Mary K. verliebt, deren Verbindung am gesellschaftlichen Druck in der zu Ende gehenden Monarchie scheitert. Jahre später trifft Melzer, inzwischen Amtsrat der österreichischen Tabakregie, die Freundin wieder, als er am Fuß der Strudlhofstiege zufällig Zeuge eines Straßenbahnunglücks wird. Mary wird bei dem Unfall schwer verletzt.

Durch den 1951 veröffentlichten Roman gelangte die vielfach geschwungene Stiege – die Doderer als Synonym sieht „für die Umwege, die unser Leben nimmt“ – zu weltweiter Berühmtheit. Touristen aus aller Herren Länder pilgerten zu der Treppe. Auch Doderer, der nunmehr auf der Währinger Straße wohnte, spazierte immer wieder zu „seinen“ Stufen, an deren unterster er oft stehen blieb, das Leben und Treiben der sich dort aufhaltenden Menschen beobachtete und dann „Servus, Melzer!“ hinaufrief.

Hinterhofwohnung

Doderers einfache Hinterhofwohnung bestand aus zwei Zimmern und einem Raum, in dem Küche und Bad untergebracht waren. Aber sie lag ganz nahe jener Stufen, die ihm zu seinem späten Durchbruch verholfen hatten.

Die an Otto Wagners Stadtbahn-Architektur erinnernde Strudlhofstiege wurde nach einem Entwurf von Theodor Jaeger 1910 errichtet und gilt als bedeutendes Bauwerk des Wiener Jugendstils. Benannt ist sie nach dem Hof- und Kammermaler Peter von Strudel, der hier gegen Ende des 17. Jahrhunderts lebte.

„Die Strudlhofstiege“ feiert am 5. September in einer Bühnenfassung von Nicolaus Hagg im Theater in der Josefstadt Premiere. Es spielen Ulrich Reinthaler, Pauline Knof, Roman Schmelzer u. a., Regie führt Janusz Kica.