Chronik | Österreich
20.11.2018

Steirer torpedieren Lithium-Projekt

Gemeinden beziehen Trinkwasser von Koralpe und befürchten Umweltgefährdung 

Wasser und Lithium – diese beiden Schätze von der Koralpe an der steirisch-kärntnerische Grenze sind heiß begehrt. In der Steiermark der Lebensspender, in Kärnten der künftige Speicherprofi. Weil aber rund 20.000 Steirer, die von der Koralpe Trinkwasser beziehen, durch den Lithium-Abbau auf Kärntner Seite Beeinträchtigungen befürchten, machen sie nun gegen das Projekt mobil.

Der steirische Wasserverband Koralm hat kürzlich gegen die Verantwortlichen der ECM Lithium AT GmbH eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingebracht. „Und wir ermitteln nun wegen des Verdachts der Umweltgefährdung“, bestätigt Staatsanwaltssprecherin Tina Frimmel-Hesse einen Bericht der Krone. Die Staatsanwältin betont allerdings, dass die Ermittlungen „vorerst gegen unbekannt“ laufen würden.

„Verunreinigungen“

In der Sachverhaltsdarstellung, deponiert von der Wiener Kanzlei Eisenberger & Herzog, ist die Rede von „Maßnahmenschwellenwerten“, die bereits aktuell auf der Koralm überschritten würden. Es soll sich um „ölhaltige Verunreinigungen des Erdreichs im Bereich von Bohrlöchern“ handeln, die das Trinkwasser in der Region gefährden könnten.

„Es geht um 20.000 Bürger, die Wasser von der Kor-alm trinken“, sagt Josef Wallner, Obmann des Wasserverbands Koralm, dem Deutschlandsberg, Frauental, Trahütten, St. Peter, Hollenegg, St. Peter und Bad Gams angehören. Wallner ist auch Bürgermeister der 11.500-Einwohnerstadt Deutschlandsberg und erklärt: „Wir haben erst kürzlich fünf Millionen Euro in neue Quellfassungen investiert und ob des angekündigten Lithium-Projekts in dieser Region natürlich jetzt unsere Bedenken.

European Lithium plant bekanntlich, ab 1. Jänner 2021 auf der Kärntner Seite der Koralpe im großen Stil Lithium abzubauen. Die erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung soll Mitte 2019 über die Bühne gehen. „In dieses Verfahren werden wir uns einblenden und unsere Kritikpunkte darlegen“, glaubt Wallner, dass das Wasser in Zukunft Schaden nehmen könnte.

Bei UVP mitreden

Die Umlandgemeinden machen ebenfalls mobil. „Auch wir sind direkt betroffen, von unseren 4600 Einwohnern bezieht fast die Hälfte das Trinkwasser von der Kor-alm. Im Rahmen der UVP werden wir unsere Bedenken und Einwände äußern“, erklärt Karl Koch, Bürgermeister von Hollenegg. Mit Bernd Hermann, Gemeindechef von Frauental, gibt es einen weiteren Gleichgesinnten. „Auch unsere Betriebe legen hohen Wert auf die aktuell noch ausgezeichnete Wasserqualität. Für deren Erhalt werden wir kämpfen“, kündigt er an.

Christian Ragger, Anwalt von European Lithium, legt indes großen Wert auf die Feststellung, dass die Staatsanwaltschaft Klagenfurt gegen „Unbekannt“ ermittle.

Unternehmen kontert

Und er betont weiters: „Selbstverständlich hat es bei unseren Vorarbeiten keinerlei Verunreinigungen gegeben, das können wir auch gutachterlich beweisen.“

Indes überrascht eine weitere Feststellung Raggers: demnach haben sich auch zwei steirische Gemeinden bei European Lithium als Standorte für das Hydroxidwerk, also für die Aufbereitungsanlage des Lithiums, beworben. Welche das sind, verrät er nicht. In Kärnten gebe es inzwischen bereits neun Kandidaten. Noch heuer sollte die Standortfrage entschieden werden, so Ragger.