Chronik | Österreich
18.02.2018

Spendenaffäre um Neos und die Tiroler Olympiabewerbung

Rund um die Abstimmung über Olympia 2026 gab es Geld von einer Schröcksnadel-Firma. Die Neos warben für die Spiele in Innsbruck, sind aber "zu klein, um bestochen zu werden".

Zumindest zwei Dinge haben die Neos von der Familie Schröcksnadel übernommen: 20.000 Euro und deren Rechtfertigungen. Für ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel war Österreich einst zu klein, um gutes Doping betreiben zu können. Die Neos rechtfertigen sich nun damit, dass sie zu klein sind, um bestochen zu werden.

Den Pinken droht eine Spendenaffäre rund um die Olympiabewerbung in Tirol. Wie die Rechercheplattform Addendum berichtet, haben Neos am 15, September 2017 von der "Feratel Media Technologies AG" 20.000 Euro erhalten. Die Feratel gehört ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der logischerweise für Olympia gewesen ist.

Die Neos, die zunächst noch meinungsoffen zu den Spielen waren, weisen die Überweisung auf ihrer Homepage aus. Der Zeitpunkt und die Umstände sind allerdings brisant. Denn nur elf Tage zuvor luden die Pinken zu einer Pressekonferenz, um erstmals ihre Position zur Abstimmung in Tirol kund zu tun. Dabei hieß es, dass Olympia 2026 in Innsbruck "enorme Chancen" bieten würde. Sie boten der ÖVP auch einen parteiübergreifenden "Pakt für Olympia" an.

Und noch etwas hat einen fahlen Beigeschmack. Drei Tage nach Eingang der Spende veranstaltete Neos offenbar ein Gespräch in einem Innsbrucker Hotel mit dem Titel "Olympia 2026: Pro & Contra". Als entschiedener Gegner war dabei der Journalist Jens Weinreich geladen.

Ausgeladenes Contra

Kurz vor der Veranstaltung erhielt er laut Bericht von einem Neos-Mitarbeiter die schriftliche Mitteilung, dass die Veranstaltung abgesagt worden sei. Wurde sie aber offenbar nicht, das Event fand statt – nur ohne den Gegner Weinreich.

Als Befürworter zu Gast bei der Veranstaltung war: Markus Schröcksnadel, ÖSV-Präsidenten-Sohn und Feratel-Vorstandsvorsitzender.

Neos-Generalsekretär Nikola Donig versteht die Aufregung nicht: "Bei uns funktioniert es nicht so, dass wir Geld nehmen und dafür oder dagegen sind. Es ist eher so, dass man unsere Position mag und dann dafür Geld gibt. Wenn man bestechen will, dann geht man zu einer größeren Partei. Die Neos sind zu klein dafür und haben ja keine Entscheidungsgewalt."

Markus Schröcksnadel, der bereits 2013 für die Neos gespendet hat, unterstützt auch den laufenden Wahlkampf zur Landtagswahl. Diese Spende ist laut Donig noch nicht eingetroffen, deshalb ist sie auf der Homepage nicht ausgewiesen.

18.10 Uhr: Stellungnahme der Neos Tirol eingetroffen

Am Abend nahmen die Tiroler Neos zu dem Bericht schriftlich Stellung: "Nach wie vor ist die Neos die einzige Partei, die Spenden 365 Tage im Jahr veröffentlicht", heißt es darin. Und weiter: "Wo alles von vornherein offen gelegt wird, gibt es auch nichts aufzudecken. Die Position zu Olympia wurde im Sommer 2017, wie bei unserer Bürgerbewegung üblich, in einem längeren Prozess mit breiter Partizipation erarbeitet. Neben einer Veranstaltungsreihe August und vielen Diskussionen in der Tiroler Landesorganisation, wurde die Position am 29. August in einer Landesteamsitzung einstimmig beschlossen. Die beschlossene Position spiegelt die grundlegenden Prinzipien von Neos wider: Als Bewegung mit vielen unternehmerisch denkenden und nicht zuletzt im Tourismus als Arbeitgeber engagierten Aktiven sahen Neos Tirol in einer Bewerbung für die Olympischen Spiele eine Vielzahl an Chancen für den Arbeits-, Wirtschafts- und Lebensstandort. Das ,Ja zu einer Bewerbung' war zudem nicht uneingeschränkt sondern klar mit einem ,Pakt​ ​der​ ​Verantwortung' verknüpft, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld im Rahmen des geplanten Budgets sicherzustellen."