Sozialer Wohnbau: Gemeinnützige unter Druck

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In Wien stehen baureife Projekte still. Niederösterreich spürt den Druck aus der Stadt

von Martin Gebhart

und Anna-Maria Bauer15.200 Wohnungen sind vergangenes Jahr von gemeinnützigen Bauträgern in ganz Österreich fertiggestellt worden. Damit gibt es aktuell rund 923.000 Genossenschaftswohnungen im Land. Doch rentieren sich die sozialen Wohnbauprojekte für gemeinnützige Bauträger bald überhaupt noch?

In Wien sei die Situation jedenfalls „dramatisch“ meinte Karl Wurm, Obmann des Dachverbands der Gemeinnützigen (GBV), Ende Februar. Denn es würden baureife Projekte für mehr als 2000 Wohnungen still stehen. „Weil die stark gestiegenen Baupreise nicht mehr im Finanzrahmen des geförderten Wohnbaus unterzubringen sind.“ Zu den bekannten Faktoren wie Knappheit an Bauland und den überzogenen bautechnischen Normen kämen die hohen Baukosten als weiterer Faktor, der die Bauträger unter Druck setze. Vor allem Unternehmen, die Technik ins Haus bringen (Heizung, Lüftung, Elektro- und Gasinstallationen, etc. ) hätten ihre Preise in jüngster Zeit kräftig angezogen.

Josef Ostermayer, Obmann der Landesgruppe Wien im GBV und seit Jahresbeginn Generaldirektor der Sozialbau AG, meinte im Gespräch mit dem KURIER indes, das man in puncto Baukosten mit der Stadt auf einem „guten Weg sei, Lösungen zu finden“.

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Natürlich stehe man angesichts der Lage – große Wohnungsnachfrage, gute Konjunktur – vor einer Herausforderung, räumte auch Noch-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) ein, aber die Stadt tue ihr Möglichstes, um gemeinnützigen Wohnbau in Wien zu ermöglichen. “ Aktuell verwalte die Stadt 2,8 Millionen Quadratmeter an Fläche, die teilweise zwar noch umgewidmet werden müssten, die aber nach und nach gemeinnützige Bauträgern erwerben können. Diese Flächen sollten für die nächsten zehn bis 15 Jahre ausreichen.

Ostermayer gab sich zuversichtlich, dass die Sozialbau AG dieses Jahr 2200 Wohnungen bauen wird – das wäre mehr als jemals zuvor. Ein Projekt mit 600 Wohnungen wird etwa auf dem Areal der ehemaligen Körner Kaserne errichtet. Hier hat der Sozialbau einen Teil der Kaserne erworben. Auch für die Zukunft des Sozialbaus hat Ostermayer keine Sorgen. „Ich bin überzeugt, dass es auch noch in 20 Jahren gemeinnützige Bauträger in Wien geben wird“, sagt er.

Neue Regeln gefordert

Als „dramatisch“ sehen die Gemeinnützigen auch den Wohnungsmarkt rund um Wien. Christian Rädler, Geschäftsführer der NÖ Wohnbaugruppe: „Der Markt drängt extrem nach Niederösterreich.“ Nicht nur in Richtung Süden, sondern immer mehr auch in das Weinviertel. Vor allem seit es da bessere Verkehrsverbindungen gibt. Hier würden auch die privaten Wohnbauträger den Druck erhöhen, weil sie die entsprechenden Grundstücke wegkaufen. Und die Preise wären bis zu einem Drittel gestiegen.

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Man könne keinen sozialen Wohnbau auf teuren Grundstücken haben, so Rädler. Deswegen fordern die gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaften schon länger eine Änderung im Raumordnungsgesetz. „Wir fordern, dass es eine eigene Widmung für Gemeinnützige gibt“, sagt Christian Rädler. Die Bürgermeister müssten über die Raumordnung die Chance haben, Grundstücke gezielt für den geförderten und sozialen Wohnbau zu widmen.

( kurier.at , amb ) Erstellt am 16.04.2018