Sonnenfinsternis: Der Tag, an dem der Mond gewinnt
Was war „SoFi“ denn nicht für ein Spektakel: Am 11. August 1999 fand eine totale Sonnenfinsternis über Österreich statt, ein Phänomen, das zuletzt in der Form Mitte des 19. Jahrhunderts stattgefunden hatte und deshalb eine Sensation war.
Entsprechend groß war vor 27 Jahren das Interesse Schaulustiger: Es gab einen Mangel an geeigneten Schutzbrillen, dafür aber verstopfte Autobahnen bei Hin- und Rückfahrt zu den besten Aussichtsplätzen. Allerdings spielte das Wetter nicht mit, es war zu bewölkt für gute Sicht.
Heuer steht ein ähnliches Phänomen bevor: Am Mittwoch, 12. August, kommt es erneut zu einer totalen Sonnenfinsternis über Europa, die aber in ihrer Gesamtheit nur in Spanien, im Osten Grönlands und im Westen Islands zu sehen sein wird.
Wo ist das „Sofi“-Fieber am größten?
Wohl in Spanien. Auf Mallorca rüstet sich bereits das Militär, um der Polizei bei Straßensperren oder Verkehrskontrollen zu helfen. Großer Andrang wird auch in den Hotels am Festland erwartet, spanische Touristiker rechneten bereits im April allein für Kastilien mit zwei Millionen Besuchern mehr als üblich. Viele Regionen sind nicht nur ausgebucht, sondern auch überteuert, wie lokale Medien berichten. Laut Fernsehsendern vermieten sogar Privathaushalte ihre Balkone um bis zu 700 Euro pro Person für diese wenigen Sekunden. In weiten Teilen Mitteleuropas reicht es aber nur für eine partielle Verdunkelung.
In weiten Teilen Mitteleuropas reicht es aber nur für eine partielle Verdunkelung, in Österreich verfinstert sich die Sonne zu 89 Prozent. Das ist aber dennoch die stärkste „SoFi“ seit August 1999.
Was passiert hier eigentlich?
Grob vereinfacht gesagt, schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne, das ist die Neumondposition. Damit der Schatten des Trabanten auf die Erde fällt (und es zur Verfinsterung kommt), fehlt noch etwas: Der Mond muss sich auch an einem bestimmten Knotenpunkt befinden, einem Schnittpunkt zwischen Erd- und Mondumlaufbahn.
Wie oft kommt so etwas vor?
Aufgrund der Voraussetzungen - Neumond und Schnittpunkt - sind bis zu vier Verfinsterungen pro Jahr möglich. Laut Uni Wien kann es in Ausnahmejahren auch fünf Sonnenfinsternisse geben, da das Kalenderjahr abweicht. Zuletzt gab es das 1935, fünf Sonnenfinsternisse im Jahr werden dann erst wieder 2206 vorkommen.
Warum ist dann aber diese „SoFi“ wieder so etwas Besonderes?
Weil sie für weite Teile Mitteleuropas die erste richtig große Sonnenfinsternis seit 1999 ist. Für Österreich ist es zwar nur eine partielle Sonnenfinsternis, aber mit durchschnittlich 89 Grad Verfinsterung sehr stark. Zum Vergleich: Die „SoFi“ im März 2015 kam auf eine Verfinsterung von 60 bis 67 Prozent.
Wann beginnt das Schauspiel?
Während die „SoFi 1999“ in der Mittagspause spielte, findet das Phänomen heuer als After-work-Party statt. Im Osten Österreichs beginnt sie um 19.21 Uhr (z. B. Gänserdorf, Hollabrunn oder Korneuburg), Wien ist ab 19.22 Uhr dran, Hermagor (Kärnten) erst ab 19.25 Uhr. In Wien wird die maximale Finsternis wenige Sekunden vor 20.14 Uhr erreicht (konkret: 20.13 und 51 Sekunden). Wer einen guten Aussichtsplatz hat, sollte verweilen: Der Sternschnuppenschauer der „Perseiden“ setzt in der Nacht zum 13. August ein, das macht die „SoFi“ gleich noch spezieller.
Wo ist die Sonnenfinsternis in Österreich am besten zu beobachten?
Überall, wo es einen guten - und freien - Blick nach Westen gibt, eine Auswahl:
- In Wien lädt etwa die Arbeitsgemeinschaft für Astronomie gemeinsam mit dem Astronomischen Verein auf die Sophienalpe ein; auf der Dachterrasse der Urania lässt sich die „SoFi“ ebenfalls beobachten - allerdings sind die Tickets bereits vergriffen (nähere Infos hier).
- In Niederösterreich gibt es diverse Möglichkeiten, etwa bei der Volkssternwarte Michelbach oder im Astronomischen Zentrum Martinsberg.
- Für das Burgenland empfiehlt der Arbeitskreis Astronomie unter anderem den Seewinkel und Anhöhen.
- In der Steiermark bieten sich der Grazer Schloßberg, aber auch aufgrund der Lage Kitzeck im Sausal (Bezirk Leibnitz) an.
- Gute Aussichten gibt es auch auf der Sternwarte am Haunsberg in Salzburg, das Haus der Natur lädt zu Vortrag und gemeinsamem Eklipse-Schauen.
Wer lieber über einen Bildschirm dabei ist, hat ebenfalls einige Möglichkeiten. Unter anderem bietet die Europäische Raumfahrtagentur ESA einen Livestream an (nähere Infos hier).
Sollte man „SoFi“ mit bloßem Auge betrachten?
Nein, keinesfalls, das gefährdet das Auge. Auch eine herkömmliche Sonnenbrille reicht nicht aus. Dafür gibt es spezielle Schutzbrillen, die bei Optikern erhältlich sind. Allerdings ist die Nachfrage sehr groß.
Wann gibt es die nächste „SoFi“?
Schon kommendes Jahr ist es wieder so weit, am 2. August 2027 gibt es eine Sonnenfinsternis über Mitteleuropa, in weiten Teilen erneut als partielle „SoFi“ zu sehen. Auch sie wird etwas Besonderes sein, sie wird mit mehr als sechs Minuten Dauer die zweitlängste „SoFi“ des 21. Jahrhunderts sein.
Kommentare