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Ticker
03/20/2015

Als die Sonne finster wurde

Zu 63% hat sich die Sonne heute Vormittag hinter dem Mond versteckt. Der KURIER-Ticker zur Nachlese.

von Nicole Kolisch, Jürgen Klatzer, Daniela Wahl

Viele Österreicher nutzten heute Vormittag die österreichweit optimale Sicht, um die partielle Sonnenfinsternis mitzuverfolgen. Ab 9.27 Uhr konnte in Bregenz beobachtet werden, wie sich der Mond vor die Sonne schob, um sie dann bis 10.36 Uhr zu höchstens 63 Prozent zu verdecken. In Ostösterreich war das kosmische Schattenspiel etwa zehn Minuten später zu sehen.

Auf der Dachterrasse des KURIER versammelten sich indes einige Leser und Leserinnen, um das Himmelsphänomen mit zwei Astronomen zu beobachten. Hier der SoFi-Ticker zur Nachlese.

Als die Sonne finster wurde

Das Ende naht. Wohl nicht das mancherorts prognostizierte Ende der Welt, aber doch das Ende dieser partiellen Sonnenfinsternis und somit dieses KURIER-Tickers. In Westösterreich verabschieden wir das kosmische Schattenspiel um ca. 11.48 Uhr, in Wien um 11.58 Uhr.

Gut ist es gelaufen!

Durchwegs ungetrübte Sicht auf die maximale Verdunkelung der Sonne hatten Schaulustige in allen Landeshauptstädten, wie ein Rundruf der APA ergab. Der Höhepunkt der partiellen Sonnenfinsternis war über Österreich zeitversetzt zu beobachten: In Bregenz war es bereits um 10.36 Uhr so weit, während man sich in Eisenstadt bis 10:46 Uhr gedulden musste. Es wurde deutlich dunkler und spürbar kühler.

Eine ausführliche Reportage lesen Sie heute in Ihrer KURIER-Abendausgabe.

Und auch Opfer hat die SoFi gefordert: Ein Tscheche wurde in Spitzbergen von einem Eisbären gebissen, ein Schweizer hat sich vor lauter Himmelsbeobachtung das Bein gebrochen. Der 49-Jährige blickte zum Himmel, machte einen Fehltritt und stürzte eine rund 50 Zentimeter hohe Rampe hinunter.

Unterdessen in Frankreich: Frust!

Dichte Wolkenfelder und Dunst haben den meisten Franzosen die Freude an der Sonnenfinsternis genommen. Über der Hauptstadt und den meisten Teilen des Landes war das astronomische Spektakel nicht wahrnehmbar.

"Man sieht absolut nichts", sagte eine Korrespondentin des Senders BFMTV während einer Liveschaltung zum Mont-Saint-Michel, wo wegen der besonderen Konstellation am Wochenende auch eine sogenannte Jahrhundertflut mit besonders hohem Tidenhub erwartet wird. Nur im Nordosten des Landes konnte die Sonnenfinsternis beobachtet werden.

Breaking: Auch Bundespräsident Heinz Fischer hat die partielle Sonnenfinsternis am Freitag beobachtet. Das Staatsoberhaupt verfolgte das Himmelsspektakel um 10.45 Uhr vom Wiener Heldenplatz aus.

"Als Jugendlicher wollte ich gerne Astronomie studieren, die Weiten des Universums haben mich immer fasziniert und faszinieren mich heute noch", sagte Fischer. Der Präsident zeigte sich von der partiellen Sonnenfinsternis beeindruckt: "Ein tolles Erlebnis, das wir so schnell nicht wieder erleben werden."

Die Dachterrasse leer sich langsam, die Jausen-Sackerln der Leserinnen und Leser ebenfalls. Und was macht die Sonne? Here it comes...

News von der Photovoltaik-Front

Das war ja zu erwarten...

(Fast) live von der Dachterrasse

Was in den vergangenen 60 Minuten in Deutschland passiert ist, zeigen die Kollegen des SZ-Magazins auf ihrer Facebook-Seite:

Aktueller Stand

Nun ist nur noch ein Drittel der Abdeckung zu sehen.
Prognose der Astronomen: Um 11:58 wird die Sonne wieder in altbekannter Pracht strahlen.

Und so sieht die Sonnenfinsternis vom Weltall betrachtet aus

Die Sonne blinzelt wieder hervor. Einfache Formel: 15 Minuten nach dem Höhepunkt – 15 Prozent weniger Sonnen-Abdeckung – 15 Prozent weniger Leser auf der KURIER-Dachterrasse.

Auch beim Naturhistorischen Museum wird kollektiv gesonnenfinstert.

In Großbritannien ist die Sonnenfinsternis 2015 beinahe wieder Geschichte. Livestream gefällig?

Karoline, 5 Jahre aus Wien: "Das Durch-das-Fernrohrgucken finde ich toll!"

Was für die Bildungsbürger

Schon Herodot, der Vater alle Geschichtsschreiber, berichtet, wie ein astronomisches Ereignis die Geschicke der Menschen beeinflusste. Zwischen den Lydern, die in der heutigen Türkei beheimatet waren, und den aus Persien stammenden Medern herrschte sechs Jahre lang Krieg. "Wie sie sahen, dass es bei Tage Nacht wurde, stellten sie den Kampf ein und hatten nichts Eiligeres zu tun, als Frieden zu schließen." Vorausgesagt hatte dieses Ereignis übrigens Thales von Milet, den wohl jeder kennt, der in Österreich Mathematikunterricht hatte.

JETZT!

63 Prozent Abdeckung. Höchststand.

Wir erlauben uns an dieser Stelle auf eine andere Plattform zu verweisen, dass einen in den meisten Medien sträflich vernachlässigten Sachverhalt zur SoFi thematisiert: Die Tagespresse deckt auf: "Sonnenfinsternis: Rotes Kreuz versorgt Stefan Petzner mit Notfall-Solarium"

Schön.

Im alten China glaubte man übrigens, ein Himmelsdrache würde die Sonne fressen. Mit Geschrei und lautem Gerassel versuchte man, ihn zu verscheuchen. Auch die Chippewa-Indianer fürchteten, die Sonne würde erlöschen. Sie schossen brennende Pfeile in den Himmel, um sie wieder anzuzünden.

Es wird ernst: Die maximale Verfinsterung wird in Bregenz um etwa 10.36 Uhr erreicht sein (also... jetzt!), in Wien zehn Minuten später. Aktueller Stand in Heiligenstadt: Knapp über 50%.

Auch schön:

Viecherei

Weil diese Frage immer wieder aufkommt: Wie reagieren die Tiere?

"Mit der anbrechenden Dunkelheit kommt die Stille. Die Dämmerung signalisiert den Tieren, dass die Nacht anbricht.", erklärt Uwe Mauch aus der KURIER-Wissenschaftsredaktion. "Die Folge: Die Vögel hören auf zu zwitschern. Auch der Biorhythmus der Tiere gerät durcheinander, weshalb sie Stressreaktionen zeigen. Manche Pferde rennen etwa wie wild auf der Weide herum, andere sind äußerlich ruhig, doch ihr Herz rast. Nachtaktive Tiere wie Fledermäuse werden dagegen plötzlich wach, manche begeben sich auf Nahrungssuche. Auf Haustiere wie Hunde und Katzen hat das Spektakel laut Tiermedizinern aber keine Auswirkungen."

Apropos Deutschland... Hier ein Live-Stream aus Hannover.

Die Sonnenfinsternis stellt Europas Stromnetzbetreiber vor große Herausforderungen. Grund: Der Wegfall einer beträchtlichen Menge an Photovoltaik-Erzeugung muss anderweitig ausgeglichen werden. Besonders in Deutschland gilt die partielle Sonnenfinsternis als Stresstest für die Netze. In Österreich sieht sich der Netzbetreiber APG gut gerüstet, bisher ist das Netz stabil.

Die Herausforderung für die Stromnetzbetreiber: Der Abfall der Solarstromproduktion passiert sehr schnell. In Deutschland wurden die Erneuerbaren Energien - Wind und Sonne - in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, daher ist das Ausgleichen von Schwankungen im Netz (Regelenergie) immer wichtiger geworden. Bei der letzten großen Sonnenfinsternis im Jahr 1999 gab es kaum Solaranlagen.

"It's the end of the world as we know it" – oder doch nicht?

Bei der letzten großen Sonnenfinsternis im Jahr 1999 gab es Esoteriker und Sektenführer, die diese als böses Omen oder gar als Weltuntergang deuteten. Im spanischen Tarragonoa hatten sich z. B. Anhänger einer dubiosen Sekte verbunkert und auf eine Flutwelle gewartet, die nie eintraf. Heuer verweisen Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und Sektierer darauf, dass vier Blutmonde (Mondfinsternis, Anm.) auf vier jüdische Feiertage fallen. In Kombination mit der Sonnenfinsternis ist das für einige ein Zeichen, dass das Ende der Welt nahe ist.

Apropos 1999...

Erinnern Sie sich?

(Der Unterschied? 1999 war es eine totale Finsternis.)

... and action!

Falls Sie gerade Gefallen daran finden, in die Sonne zu starren, halten Sie sich am besten gleich den 12. August 2026 frei. Da findet nämlich eine Sonnenfinsternis mit einer Verfinsterung bis zu 90% statt. Kleiner Wermutstropfen: Leider geht die Sonne mit dem Maximum der Finsternis auch unter.

Ach ja – und buchen Sie den Termin in Spanien. Dort ist die "SoFi" eine totale.

In Wiener Kindergärten sorgt die Sonnenfinsternis für Aufregung. Viele haben Ausflüge kurzfristig abgesagt. Der Grund: Wegen der großen Zahl an Kindern könne nicht gewährleistet werden, dass nur mit Schutzbrille in die Sonne geschaut wird. "Wir werden die Vorhänge zuziehen und mit den Kindern nicht ins Freie gehen", so ein Wiener Kindergartenpädagogin.

Finger weg von Do-It-Yourself-Brillen

Franz Tatarek von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie muss das Teleskop nachjustieren.

Für die später Einsteigenden: Um was geht es überhaupt?
Bei der Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne. Im Gegensatz zu einer totalen Sonnenfinsternis wird selbst beim Maximum der partiellen Abdeckung die verbleibende Sonnensichel immer noch sehr hell strahlen. Trotz der Abschattung darf die Sonnenfinsternis aber nur mit geeignetem Schutz beobachtet werden, andernfalls drohen schwere und bleibende Augenschäden. Enden wird das kosmische Schattenspiel im Westen um ca. 11.48 Uhr, in Wien um 11.58 Uhr.

Wenn Sie sich fragen, zu wieviel Prozent sich die Sonne verfinstert: Manche Quellen sprechen von 63%, andere von 70% – was stimmt also? Die Antwort: beides! Die 70% Grad der Verfinsterung beziehen sich auf den Durchmesser der Sonne, die 63% Abdeckung auf die Fläche (und damit auf die Helligkeit).

Aufgeregt? Wir schon. Die erste Lesergruppe hat sich auf der Dachterrasse des KURIER versammelt um gemeinsam mit Chronik-Chef und Hobby-Astronom Michael Jäger das Spektakel zu beobachten. Zwei Astronomen haben ihr Teleskop aufgebaut... und der Mondschatten beginnt mit seiner Wanderung.

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