Hans-Peter Hutter, Bernhard Raschauer, Bernd-Christian Funk und Franz Neubacher (von links) vor dem HCB-U-Ausschuss.

© /GERT EGGENBERGER

Kärntner Umweltskandal
06/10/2015

"Sie versuchen, HCB zu riechen"

Kärnten. Experte gewährt Einblicke zu Testbetrieb und zum Umgang mit Blaukalk/Zementwerk sei keine Ideallösung.

von Thomas Martinz

Eine Neuigkeit lieferte der HCB-Untersuchungs-Ausschuss in Klagenfurt – das hat Seltenheitswert. Der Abfallwirtschafts-Sachverständige Franz Neubacher widerspricht allen bisherigen Experten, die die Verwertung dieses mit Hexachlorbenzol kontaminierten Blaukalks in einem Zementwerk für die Ideallösung halten.

Die Mitglieder der "Funk-Kommission", Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk, Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, Verwaltungsrechtsexperte Bernhard Raschauer und Neubacher standen dem Ausschuss als Auskunftspersonen zur Verfügung. Dabei ging es hauptsächlich um die Frage, wie die Deponie in Brückl saniert werden könnte. Neubacher hielt fest, dass viel zu wenig Daten vorliegen würden, um zwingend für die Verbrennung in einem Zementwerk votieren zu können.

Er erzählte Details über die Probeverbrennung vor sechs Jahren in Wopfing, die letztlich Beamte, Sachverständige und Juristen in Kärnten dazu veranlasste, diverse Genehmigungen und Bescheide rasch durchzuboxen. "500 Kilo gering belasteter Blaukalk wurden pro Stunde eingegeben. HCB-Emissionen konnten nicht festgestellt werden. Beim Werk in Wietersdorf, das nicht so gut ausgerüstet war, waren es Jahre später zehn Tonnen pro Stunde. Die Kontamination war unbekannt, gemessen wurde nie", sagt Neubacher.

Man wisse auch nicht, welche Stellen bei der Deponie in Brückl in welcher Höhe mit welchen Giftstoffen verseucht seien. "Bei der Bewertung versuchen die Arbeiter vor Ort, das HCB zu riechen. Nur: HCB riecht nicht", erklärt der Verfahrenstechniker. "Auch Quecksilber ist im Blaukalk enthalten. Das hat in einem Zementwerk nichts verloren."

Sein Rat an die Verantwortlichen der Donau Chemie: Abbau unter luftgeschützten Bedingungen und professionelles Splitten der kontaminierten Teile. Diese könnten dann in diversen Werken verwertet werden.

Es gibt auch eine positive Nachricht aus dem Görtschitztal: Wie Umweltlandesrat Rolf Holub (Grüne) gestern mitteilte, sinken die zuletzt hohen Werte von Hexachlorbutadien in der Luft bei Brückl wieder drastisch.

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