Chronik | Österreich
10.09.2018

Sicher in die Schule dank Eltern-Taxi-Verbot

Salzburg und Oberösterreich gelten als Vorreiter beim Schutz von Kindern am Schulweg.

„Eltern haben Angst um ihre Kinder und führen sie deshalb mit dem Auto in die Schule. Durch den Zusatzverkehr wird die Strecke aber gefährlicher und noch mehr Elternfahren mit dem Auto “, erklärt Hermann Steiner, Leiter des Salzburger Verkehrs- und Straßenrechtsamts.

Resultat dieser spiralförmigen Dynamik sind Eltern, die im Morgenstress in zweiter Spur halten sowie Kinder, die aus Autos springen und kaum groß genug sind, um über die Motorhaube zu sehen. Gefährliche Situationen sind also vorprogrammiert.

Die Stadt Salzburg hat deshalb 2017 erstmals in Österreich autofreie Schulstraßen eingeführt, aus denen Autos täglich zwischen 7.30 und 8.00 Uhr ausgesperrt werden. Die Schulwarte stellen dafür in der Früh eigens Scherengitter auf. Dies sei laut Steiner notwendig, da sich viele Eltern nicht an die zuvor angebrachten Beschilderungen gehalten hätten.

Erst Unmut dann Lob

Die Reaktionen auf die Absperrungen fielen zu Beginn gemischt aus, erinnert sich der Salzburger Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Auinger (SPÖ): „Einige Autofahrer reagierten aggressiv und haben die Sperren weggeschoben.“ Außerdem seien Schulwarte beschimpft worden. Die Lösung in Salzburg war eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei.

Mittlerweile wird das Modell sehr gut angenommen. Insgesamt sechs Standorte haben die Elterntaxis bereits verbannt. Neue Schulen werden laufend auf deren Bedarf evaluiert. Gerhard Wildling-Radmacher ist Direktor der Volksschule Maxglan I und somit einer der Pilotschulen. Er hält das temporäre Fahrverbot für eine „absolut gute Sache“: „Die überwiegende Mehrheit der Eltern war von Anfang mit an Bord, schließlich geht es um die Sicherheit ihrer Kinder.“

Auinger sieht das genauso und freut sich über die mittlerweile positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Die Gefahr, dass sich das Problem der Elterntaxis einfach um ein paar hundert Meter verschiebt, sieht er nicht. Einerseits würden jetzt mehr Eltern mit ihren Kindern zu Fuß gehen, andererseits seien die neuen Wende- und Ausstiegsstellen sehr bewusst gewählt und von der Exekutive überwacht.

„Sicher bewegt“ in Oberösterreich

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Land Oberösterreich, wo Schüler zum Zufußgehen animiert werden. Das Projekt „sicher bewegt – Elternhaltestelle“ startete 2013 und wird seitdem in 30 Gemeinden umgesetzt. Statt Fahrverboten wurden in ein bis zwei Kilometer Entfernung Haltestellen errichtet. Dort haben Eltern genug Platz, um ihre Kinder gefahrlos aussteigen zu lassen.

Die Reststrecken sind Familienreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner zufolge bewusst gewählt, um ein sicheres Ankommen zu gewährleisten. Ein weiterer Vorteil sei, dass Schüler danach im Unterricht munterer und aufmerksamer wären.