Chronik | Österreich
26.07.2018

Schusswaffen: „Österreich ist der Shootingstar“

Nachfrage steigt weiter / Experte kritisiert zu leichten Zugang / Zwei Millionen illegale Waffen.

Die Nachfrage nach Schusswaffen ist in Österreich ungebrochen. In Wien wurden vergangenes Jahr so viele Waffenpässe wie noch nie ausgestellt.

1009-mal wurde laut Wiener Polizei ein solcher genehmigt. Dazu gibt es 2639 Bewilligungen für eine Waffenbesitzkarte. 2016 waren es 254 sowie 4632 Neuausstellungen. Der Unterschied zwischen den beiden Dokumenten: Nur mit einem Waffenpass ist das so genannte „Führen“ einer Waffe erlaubt.

Österreichweit wurden mit 1. Juli 197.152 Waffenbesitzkarten gezählt, hinzu kamen 74.813 Waffenpässe. Vergangenes Jahr wurde die Millionen-Marke von legalen registrierten Schusswaffen geknackt, mittlerweile sind es mehr als 1.038.816. Spitzenreiter ist dabei Niederösterreich mit 289.462 registrierten Waffen.

Trotz der großen Nachfrage ist die Zahl der Delikte mit Schusswaffen vergangenes Jahr gesunken. 2017 wurden österreichweit 1084 solcher Straftaten begangen. Es waren rund hundert weniger als im Jahr zuvor. Zwei Drittel der Delikte (731) wurden mit illegalen Waffen verübt – ein Wert, der seit Jahren gleich bleibt.

Was in der Statistik des Innenministeriums besonders auffällt, ist, dass die Morddelikte (wo auch die Versuche hineinfallen, Anm.) auf einem Zehnjahreshoch sind: Vergangenes Jahr sind österreichweit 36 Fälle angezeigt worden. Im Jahr davor waren es 20. Bei den Taten mit den legalen Waffen gab es sogar einen satten Anstieg von zwei auf 19 Anzeigen. Ebenfalls auf einem Zehnjahreshoch befinden sich die Körperverletzungen mit Schusswaffen. 37 dieser Straftaten wurden vergangenes Jahr gezählt, was eine Steigerung von 76 Prozent bedeutet.

Kritik vom Händler

Markus Schwaiger, Besitzer des Waffenhandels Euroguns, ist der zu leichte Zugang zu Waffen ein Dorn im Auge. Der Experte erklärt, dass die Österreicher laut Schätzungen bis zu zwei Millionen Schusswaffen illegal besäßen. „ Österreich ist der Shootingstar bei illegalen Schusswaffen“, sagt er.

Schwaiger kritisiert beim legalen Zugang das psychologische Gutachten, das erforderlich ist: „Wenn jemand einen solchen Test nicht schafft, macht er ihn so oft, bis er jemanden findet, der ihn durchlässt.“ Es gebe hier keine Begrenzung sowie keine entsprechende Statistik, wie oft so etwas vorkomme.

Sauer stößt es dem Händler aber bei der neuen und strengeren EU-Waffenrichtlinie auf, die Details regelt: „Eine der großen Änderungen soll sein, dass man in die Pistole kein Magazin mehr reinstecken darf, wo mehr als 20 Schuss drinnen sind. Warum lösen wir die Probleme nicht wirklich?“ Laut Innenministerium sei das Gesetz „bereits in Ausarbeitung“. Bis Ende des Jahres soll es umgesetzt sein.