Die Neos fordern eine Mobbing-Meldestelle

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Bildung
05/08/2019

Schul-Konflikte: Neos wollen weisungsfreie Mobbing-Meldestelle

Bildungsminister Heinz Faßmann will mit sogenannten Time-out-Klassen reagieren.

Die Neos fordern als Reaktion auf Mobbingfälle an Wiener Schulen eine weisungsfreie Meldestelle, mehr Sozialarbeiter und Schulpsychologen und eine Ausbildung für Direktoren. Außerdem sollen Lehrer externes Coaching in Anspruch nehmen können und ein neues Dienstrecht erhalten. Das forderten Bildungssprecher Douglas Hoyos und der Wiener Klubobmann Christoph Wiederkehr bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Mobbing-Kommission

Als Anlass nannte Wiederkehr die Fälle einer mobbenden AHS-Lehrerin, sowie den von Schülern gemobbten Pädagogen an der HTL-Ottakring. Reaktionen seien bisher lediglich Einzelfallmaßnahmen gewesen - wie die Gründung einer Kommission.

Stattdessen verlangen die Neos eine unabhängige weisungsfreie Mobbing-Meldestelle für Lehrer und Schüler in allen Bildungsdirektionen. Für besonders gravierende Fälle soll eine Mobbing-Kommission zuständig sein, die auch Konsequenzen wie Suspendierungen ziehen können soll. Darüber hinaus brauche es an jeder Schule Unterstützungspersonal wie Sozialarbeiter und Schulpsychologen.

Kündigung für Lehrer

Außerdem plädierte Hoyos für eine eigene Ausbildung für Direktoren: "Wir brauchen Direktoren, die auch Managementaufgaben übernehmen." Derzeit seien diese mit administrativen Tätigkeiten bzw. an kleineren Schulen noch zusätzlich mit Unterricht eingedeckt. Änderungen bedürfe es auch im Lehrerdienstrecht: Derzeit seien Lehrer nicht wie Angestellte kündbar.

"Und es gibt immer wieder Lehrer, die Karrieren von Schülern zerstören." Ein schlechter Pädagoge könne im Laufe seiner Dienstzeit bis zu 4.000 Schüler negativ beeinflussen. "Ich verstehe nicht, warum Lehrer besser behandelt werden als normale Angestellte."

Time-out-Klassen

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) will, dass in Österreich sogenannte Time-out-Klassen wie in der Schweiz eingeführt werden. Diese sollen gewalttätige Schüler für eine bestimmte Zeit besuchen müssen. Wahrscheinlich sei, dass diese Klassen in Pilotprojekten eingeführt werden. Es ist noch nicht sicher, wie lang Schüler darin bleiben sollen. Derzeit würden die Details geklärt, in Kürze soll es präsentiert werden. Zielgruppe der Maßnahme sind Kinder und Jugendliche ab der Neuen Mittelschule oder AHS-Unterstufe, so Generalsekretär Martin Netzer am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal.

In der Time-out-Klasse sollen speziell ausgebildete Lehrer neben den regulären Fächern auch etwa das Verhalten in Gruppen und gewaltfreie Konfliktlösung unterrichten. Ziel sei, dass die Schüler so schnell wie möglich in die Regelklasse zurückkehren. Teilweise wird in Österreich schon jetzt auf das Modell der Time-out-Klassen gesetzt - etwa in Kärnten. Von der Lehrergewerkschaft kommt grundsätzliche Zustimmung zu der geplanten Maßnahme, immerhin findet sie sich schon seit Ende der 1990er regelmäßig in deren Forderungskatalogen.

Faßmann (ÖVP) glaubt an Sparausnahmen für den Bildungsbereich

Kritik

Die Bildungssprecherin der Liste Jetzt, Stephanie Cox, kann den von Minister Faßmann geplanten Time-out-Klassen nur wenig abgewinnen, da diese zu einer langfristigen Isolierung der auffälligen Jugendlichen führen könnten. Man sollte laut Cox von Anfang an einplanen, dass diese "cooling-off-Phase" nur kurzfristig stattfindet.

„Eine temporäre Auszeit mit Einzelbetreuung kann sehr sinnvoll sein. Aber es braucht für Eindämmung von Gewalt an der Schule einen ganzheitlichen Ansatz, in welchem alle Beteiligten, also auch die Klassenkollegen und die Lehrer, miteinbezogen werden", ist Cox überzeugt.

Auch die Neos kritisieren das Vorhaben des Ministeriums: „Das funktioniert nicht, nur weil man Problemfälle in eigene Klassen setzt.“ Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die FPÖ: Sie verlangt Erziehungscamps für „gewalttätige Problemschüler“.