Salzburgs Sozialbericht für 2021: „Netz noch dicht genug“

Vereinheitlichung der Mindestsicherung wird aufgegeben
458 Millionen Euro wurden investiert. Einen Rückgang gibt es bei der Sozialunterstützung.

Der Bericht umfasst 180 Seiten, gespickt mit Daten, Fakten, Tabellen und Grafiken. Hinter dem Konvolut an Zahlenmaterial verbergen sich auch viele Schicksale von Menschen, die an der Armutsgrenze leben.

Insgesamt 458 Millionen Euro flossen aus dem Landesbudget 2021 in den Sozialbereich. Der Löwenanteil davon ist „Pflege und Betreuung“ mit knapp der Hälfte der Kosten. Große Sorge in allen Sparten der Pflege, egal ob stationär oder mobil, ist der eklatante Personalmangel. Und das, obwohl 2021 eigentlich etwas mehr Mitarbeiter zur Verfügung standen als vor fünf Jahren. In Pflegeheimen waren es zuletzt 2.268 Mitarbeiter (2017 noch 2.170) und bei mobilen Diensten 737,6 (2017 noch 685,5.)

„Der Bedarf steigt und beim Personal bleiben wir auf einem ähnlichen Niveau“, so Salzburgs Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne). Und er betont: „Wir haben auch eine demografische Krise. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Pension. Das schlägt sich in nahezu allen Bereichen durch.“ Das Land habe zuletzt auch in Sanierungen in den 75 Seniorenhäusern investiert. Als Zukunftsmodell gelten Hausgemeinschaften, um für Bewohner ein möglichst gewohntes Leben zu gestalten.

Hilfe für Kinder und Jugendliche in Krisensituationen

Elf Prozent wurden in die Kinder- und Jugendhilfe investiert. Um 23 Prozent stiegen die Gefährdungsabklärungen, also jene schwierige Einschätzung, ob Kinder und Jugendliche in Krisensituationen bei ihren Familien bleiben können oder nicht. Ambulante Hilfen sind gestiegen: 2.000 Kinder konnten so betreut werden, im Jahr 2020 waren es noch 1.800.

Erstaunlich: Bei der Sozialunterstützung gab es trotz der schwierigen Wirtschaftslage einen Rückgang. 5.503 Menschen waren 2021 auf Hilfe angewiesen, ein Jahr davor waren es noch 7.150. Das ist ein Rückgang von 23 Prozent. Schellhorn: „Wir haben nahezu Vollbeschäftigung. Es sind weniger Menschen auf Arbeitssuche.“

Fluch der aktuellen Lage sei aber, dass immer mehr Menschen mit ihrem Geld nicht auskommen werden. Dafür nimmt Schellhorn den Bund in die Pflicht und er verweist auf die gerade beschlossene Maßnahme, auch Sozialleistungen an die Teuerung anzupassen. Der politischen Opposition ist das zu wenig. FPÖ-Chefin Marlene Svazek kritisiert vor allem die Untätigkeit der Landesregierung am Energiesektor.

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