Die Rockergangs „Bats“ und „Hells Angels“ waren stets Kontrahenten

© REUTERS/DAVID GRAY

Auf der Flucht
10/16/2016

Rockerboss bei eigener 50er-Party verhaftet

14 Jahre lang fahndete die Polizei nach "Bats"-Chef. Er versteckte sich in einem Hochregal.

von Thomas Martinz

"Und es hat klick gemacht." Trocken kommentierte am Sonntag die Landespolizeidirektion Oberösterreich auf Twitter einen ungewöhnlichen Fahndungserfolg: In einem abgeschiedenen Häuschen in Mitterschlag im niederösterreichischen Bezirk Zwettl konnte sie einen Rockerboss festnehmen, der seit 14 Jahren wegen Verbrechen nach dem Suchtmittelgesetz und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung zur Fahndung ausgeschrieben ist. Der Zugriff erfolgte ausgerechnet bei der 50er-Geburtstagsparty des Verdächtigen, der sich in einem Hochregal versteckt hatte.

Zur Jahrtausendwende machte die oberösterreichische Rockergang "Bats" immer wieder von sich reden. Mit den bekannteren "Hells Angels" wurden Konflikte nicht nur verbal ausgetragen. Ins Visier der Behörden geriet die Vereinigung aber primär, weil Verbindungen zur Suchtgiftszene vermutet wurden. Gegen den damaligen Boss der "Bats" wurde im Jahr 2002 ein europäischer Haftbefehl erlassen: in seiner Funktion als Rocker-Chef soll er die regelmäßige Einfuhr von Amphetamin und Cannabisprodukten aus den Niederlanden nach Österreich organisiert und finanziert haben. Zudem soll er persönlich für eine gewerbsmäßige und gewinnbringende Verteilung von übergroßen Suchtgiftmengen in Oberösterreich zuständig gewesen sein.

Zurückgezogen

Seine Drogenkuriere wurden 2002 gefasst, der Banden-Boss selbst tauchte jedoch samt Freundin unter. "Es ist nicht auszuschließen, dass die gesuchte Person jahrelang unter falschem Namen zurückgezogen in diesem bescheidenen Bauernhaus im tiefsten Waldviertel in Niederösterreich lebte", sagt Gisbert Windischhofer vom Landeskriminalamt Oberösterreich.

Als es der Gesuchte zu seinem 50. Geburtstag richtig "krachen" lassen wollte, erwies sich die Polizei allerdings als Spaßbremse. Windischhofer: "Wir hatten Hinweise aus der Suchtgiftszene auf das fragliche Haus. In der Nacht von 8. auf 9. Oktober erfolgte durch die Spezialeinheit Cobra der Zugriff." Der Beschuldigte versuchte zu flüchten und versteckte sich in einem Hochregal vor den Beamten. Dort wurde er entdeckt, festgenommen und in die Justizvollzugsanstalt Wels eingeliefert.

In welcher Verbindung die zehn Gäste der Geburtstagsfeier zu dem 50-jährigen Verdächtigen stehen, ist Gegenstand der Ermittlungen. Bei der Durchsuchung des Anwesens entdeckten die Ermittler im Keller eine Cannabis-Aufzuchtanlage und verstecktes Amphetamin.

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