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Chronik Österreich
03/22/2021

Riesiges Schlupfloch bei Ausreisetests aus dem Gasteinertal

Zwei Wege führen aus dem abgeriegelten Gasteinertal. Einer wird dabei offenbar nur selten, bis gar nicht kontrolliert.

von Anja Kröll

Das Gasteinertal: Ein langgezogenes Tal im Salzburger Pongau bestehend aus den Ortschaften Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein. Bekannt für seine Thermalquellen, Thermen und als einstiger Urlaubsort des Kaisers. Seit kurzem aber auch bekannt, weil man das Gasteinertal nur mehr mit einem negativen Corona-Test bzw. dem Nachweis einer bereits durchlaufenen Corona-Erkrankung verlassen darf. Genau auf diese regionalen Abriegelungen bzw Ausreisetests soll die Regierung künftig verstärkt im Kampf gegen Corona setzen. Im Gasteinertal gilt die Verordnung bis kommenden Freitag.

Schlupfloch Tauerntunnel

Zumindest auf einer Seite des Gasteinertals.

Wer Richtung Salzburg reist und in Klammstein das Tal verlässt, muss ordnungsgemäß seinen negativen Test an einem extra errichteten Kontrollpunkt bei Polizei und Bundesheer vorweisen. Wer Richtung Kärnten reist, also am anderen Ende das Gasteinertal verlässt, der muss - gar nichts vorweisen.

Der KURIER hatte bereits in der Vergangenheit von Betroffenen Hinweise auf Lücken bei der Ausreise aus dem Gasteinertal in Richtung Kärnten erhalten. Bei einem Lokalaugenschein am Wochenende bestätigten sich diese Beobachtungen. Sowohl um kurz nach acht Uhr morgens, als auch um 18.20 Uhr abends waren keine Polizeikontrolle bei der Ausreise aus Salzburg nach Kärnten vorzufinden. Zur Erklärung: Wer das Gasteinertal mit dem Auto verlassen will, kann dies an diesem Punkt nur mit der ÖBB-Tauernschleuse durch den Tauerntunnel. Diese war, als das Gasteinertal zum ersten Mal abgeriegelt worden war, erst gar nicht in Betrieb genommen worden. Nun verkehrt sie stündlich zwischen Mallnitz (Kärnten) und Böckstein (Bad Gastein) und bietet Testmuffeln offenbar eine wunderbare Umgehung der Testpflicht. 

"Wir sind komplett überlastet"

Im Tal zeigt man sich überrascht. Bürgermeister Gerhard Steinbauer (ÖVP): "Ich höre davon zum ersten Mal. Es verdeutlicht aber, dass die besten Regeln nichts helfen, wenn sie in der Realität nicht umgesetzte werden können." Auch der Bezirkshauptmann von St. Johann im Pongau, Harald Wimmer, sagt: "Wir werden dem nachgehen, aber man muss sagen, wir sind komplett überlastet." Die Bezirkshauptmannschaft trifft sich jeden Montag zu einer Besprechung mit der Polizei. "Wir sind ja nicht nur für die Ausreisekontrollen zuständig, sondern das Zustellen der Bescheide, die Qurantäneüberwachung, das Contact-Tracing, wir haben enorm viele Cluster in Schulen, wir müssen die Zeckenimpfung organiseren, die Führerscheine ausstellen..." Die Aufzählung geht noch lange weiter. Nachsatz: "Das lässt sich alles aushalten für zwei, drei Monate. Doch diese Situation dauert seit 4. März." Sogar zu Weihnachten und Silvester seien seine Mitarbeiter im Amt gewesen.

Bei der Landespolizeidirektion Salzburg verweist man darauf, dass die Kontrollen im Gasteinertal an beiden Talseiten eigentlich von 24 Stunden am Tag erfolgen sollten. "Es kann natürlich sein, dass die Kollegen bei der Tauernschleuse zu einem Einsatz wegmussten und deswegen nicht kontrolliert haben", sagt Polizeisprecher Hans Wolfgruber. Einen fixen Kontrollpunkt, wie in Klammstein, gibt es in Böckstein nicht. Kontrolliert sollte aber dennoch regelmäßig werden. 

Die Anwohner in Böckstein, direkt neben der Tauernschleuse, berichten, sie hätten die Polizei "zwei oder drei Mal bei Kontrollen gesehen". Das Gasteinertal ist seit einer Woche abgeriegelt.

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